KNDS Aktie: Alary verhandelt über Mercedes-Werk
Der Rüstungskonzern treibt seinen Börsengang voran, verhandelt über eine Milliarden-Fabrik und wartet auf ein klares Signal aus Berlin zur Eigentümerstruktur.

- Milliarden-Investition in Ludwigsfelde geplant
- Auftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro
- Umsatz und Gewinn legen zweistellig zu
- IPO-Zeitplan hängt an Berliner Entscheidung
KNDS steht vor einer entscheidenden Woche. Der franko-deutsche Rüstungskonzern bereitet seinen Börsengang in Frankfurt und Paris vor — und muss dabei zwei Fronten gleichzeitig beherrschen: die Verhandlungen um eine neue Produktionsstätte in Deutschland und das politische Tauziehen in Berlin über die künftige Eigentümerstruktur.
Ludwigsfelde: Milliarden-Investition kurz vor dem Abschluss
Das konkreteste Kurzfrist-Signal kommt nicht von der Börse, sondern aus einer Fabrikhalle südlich von Berlin. KNDS-Chef Jean-Paul Alary verhandelt aktiv über die Übernahme des Mercedes-Benz-Werks in Ludwigsfelde. Geplant ist eine Investition von rund einer Milliarde Euro in neue Produktionslinien. In einer Übergangsphase würden Militärfahrzeuge und zivile Transporter parallel gefertigt, bis Mercedes seine Produktion bis 2030 nach Polen verlagert. Rund 2.000 Beschäftigte könnten den Arbeitgeber wechseln. Eine Entscheidung wird innerhalb weniger Wochen erwartet.
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Parallel dazu prüft KNDS eine mögliche Kooperation mit dem Volkswagen-Werk in Osnabrück. Ein bestätigter Deal in Ludwigsfelde würde das Kapazitätsargument für den Börsengang erheblich stärken.
Aufträge im Überfluss, Lieferung als Engpass
Das eigentliche Problem von KNDS ist kein Mangel an Nachfrage. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 33,1 Milliarden Euro, allein 2025 kamen neue Verträge im Wert von 13,5 Milliarden Euro hinzu. Der Konzern muss nun beweisen, dass er diese Masse an Bestellungen auch in tatsächliche Hardware verwandeln kann.
Die Finanzzahlen für 2025 sind dabei durchaus überzeugend: Der Umsatz stieg um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, das EBIT kletterte von 500 auf 661 Millionen Euro. Die EBIT-Marge weitete sich auf 15,0 Prozent aus. Alle drei Segmente — Land Systems Germany, Land Systems France und Munition — legten zweistellig zu, am stärksten die Munitionssparte mit plus 24,7 Prozent.
Erste Lieferungen laufen bereits: Im Mai rollten die ersten modernisierten PzH 2000 A4-Haubitzen für die Bundeswehr vom Band, Teil eines Pakets mit 123 Leopard 2 A8-Panzern. Großbritannien bestellte 72 ferngesteuerte RCH-155-Haubitzen auf Boxer-Fahrgestell für rund eine Milliarde Pfund, erste Lieferungen sind für 2028 geplant.
Internationales Produktionsnetz wächst
Am 4. Mai 2026 eröffnete KNDS gemeinsam mit dem norwegischen Unternehmen RITEK ein neues Fertigungswerk im norwegischen Levanger — die erste internationale Produktionsstätte des Konzerns. Die Anlage kann bis zu 36 Leopard 2A8-Panzer pro Jahr herstellen und verfügt über Testparcours mit Steilhängen und Tauchbecken. Norwegen beschafft insgesamt 54 Exemplare, 37 davon werden vor Ort gebaut. Die Auslieferung an die norwegische Armee soll 2027 beginnen und 2028 abgeschlossen sein.
Das Wachstumspotenzial bleibt groß: KNDS hat einen möglichen Bundeswehr-Auftrag über bis zu 3.000 Boxer-Fahrzeuge im Blick.
Berlin als Risikofaktor für den Börsengang
Der IPO-Zeitplan steht laut Unternehmensangaben auf Kurs. Das Bankenkonsortium aus Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale arbeitet an zwei Szenarien: einem Start im Juni oder Juli sowie einem Ausweichtermin im Herbst.
Das ungelöste Problem ist die Eigentümerstruktur. Deutschland zögert bei den Bedingungen für eine geplante 40-Prozent-Beteiligung an KNDS NV und besteht darauf, den Anteil zum IPO-Preis zu erwerben. Intern streiten Ministerien darüber, ob eine strategische Sperrminorität von 30 Prozent nach niederländischem Recht ausreicht oder ob die Parität mit Frankreichs 40-Prozent-Anteil politisch unabdingbar ist. Mittelfristig sollen beide Regierungen ihre Anteile auf je rund 30 Prozent reduzieren.
Für den Markt ist entscheidend, wie glaubwürdig dieser Abbauplan wirkt. Ein dünner Streubesitz beim Börsenstart dürfte Investoren zu Abschlägen veranlassen — ein klarer Fahrplan hingegen würde KNDS als reguläres Industrieunternehmen bewertbar machen. Das Signal aus Berlin könnte noch in dieser Woche kommen.
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