KNDS Aktie: Bewertung auf 18 bis 20 Milliarden

KNDS senkt Bewertungsspanne für Börsengang auf bis zu 20 Milliarden Euro. Grund ist die geringe Anzahl frei handelbarer Aktien.

Die Kernpunkte:
  • Bewertung auf 18 bis 20 Milliarden gesenkt
  • Nur 20 Prozent Aktien im Streubesitz
  • Staaten halten je 40 Prozent über KfW
  • Operatives Geschäft mit starkem Wachstum

Der mit Spannung erwartete Börsengang von KNDS bekommt einen Dämpfer. Die Investmentbanken haben die Bewertungsspanne für das deutsch-französische Rüstungsunternehmen nach unten korrigiert. Das Problem: 80 Prozent der Aktien bleiben in Staatshand – für viele institutionelle Anleger ein No-Go.

Die Bewertung sinkt

KNDS plant die Doppelnotierung in Frankfurt und Paris für 2026. Ursprünglich peilten die Konsortialbanken – Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale – eine Bewertung von 25 Milliarden Euro an. Jetzt ist die Rede von 18 bis 20 Milliarden Euro.

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Der Zeitplan steht ebenfalls auf der Kippe. Regierungskreise bezeichnen das ursprüngliche Fenster im Juni oder Juli als „sehr ambitioniert“. Die beteiligten Banken halten es weiterhin für möglich. September gilt als Ausweichtermin.

Das Kernproblem: Zu wenig Streubesitz

Die Eigentümerstruktur ist das zentrale Hindernis. Deutschland hat zugesagt, 40 Prozent des Rüstungskonzerns über die Staatsbank KfW zum Emissionspreis zu übernehmen. Frankreich will denselben Anteil halten. Die Folge: Nur 20 Prozent der Aktien kommen frei an den Markt.

Analysten fordern deshalb einen Bewertungsabschlag. Minderheitsaktionäre hätten kaum Einfluss, argumentieren sie. KNDS-Aufsichtsratschef Tom Enders hat den Konflikt öffentlich angesprochen. Er drängt auf einen langfristigen Rückzug des Staates.

Die Frage ist, ob Investoren den Abschlag akzeptieren. Oder ob sie warten, bis das Beteiligungsmodell glaubwürdig ist. Dann ließe sich KNDS eher wie ein normales Unternehmen bewerten – und nicht wie eine staatlich kontrollierte Anleihe.

Der operative Motor läuft

Trotz der Governance-Probleme stimmen die Geschäftszahlen. Der Auftragseingang liegt bei 33,1 Milliarden Euro. Die britische Armee bestellte 72 RCH 155-Haubitzen für fast eine Milliarde Pfund. Am 3. Juni wählte die US-Armee das System als Lösungsvorschlag für ihr Mobile Tactical Cannon-Programm aus.

Auch die Zahlen überzeugen. Die Sparte Land Systems Germany steigerte den Umsatz um 17,4 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Die französische Division legte um 9,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis erreichte 661 Millionen Euro, die Marge stieg von 13,2 auf 15,0 Prozent.

Kapazitäten ausbauen

CEO Jean-Paul Alary treibt parallel den Ausbau voran. KNDS verhandelt mit Volkswagen und Mercedes über die Übernahme von Werken in Osnabrück und Ludwigsfelde. Am weitesten fortgeschritten sind die Gespräche über das Mercedes-Werk bei Berlin. Dort könnten auf einer Linie weiterhin Sprinter-Vans laufen, auf einer anderen Boxer-Panzer montiert werden.

In Norwegen hat KNDS mit dem lokalen Partner RITEK eine neue Produktionsstätte eröffnet. Sie fertigt bis zu 36 Leopard 2 A8 NO pro Jahr.

Was jetzt zählt

Der rechtliche Rahmen steht seit dem 2. Juni. Die Jahresabschlüsse sind prüfbereit. Jetzt zählt der Zeitplan für den Prospekt. Das Eigentümer-Puzzle zeigt allerdings keine Anzeichen einer Lösung vor dem Börsengang.

Das Unternehmen selbst rechnet mit 20 Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr. Der Börsengang könnte helfen, die nötigen Kapazitäten und Technologien zu finanzieren. Die entscheidende Frage: Akzeptieren Anleger die Governance-Zugeständnisse zur neuen Bewertungsspanne? Das wird zur Nagelprobe für Europs größten Rüstungs-IPO des Jahres 2026.

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