KNDS Aktie: Börsengang auf Eis gelegt

Der Panzerbauer KNDS setzt seinen geplanten Börsengang aufgrund schwankender Märkte aus. Knackpunkt war die Bewertung.

Die Kernpunkte:
  • IPO aufgrund von Marktschwankungen gestoppt
  • Bewertung über 12 Milliarden Euro scheiterte
  • Rekordauftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro
  • Vergleichsfall CSG verlor 44 Prozent an Wert

Eigentlich sollte es einer der größten Börsengänge Europas werden. Jetzt zieht der deutsch-französische Panzerbauer KNDS die Notbremse. Als Grund nennt das Unternehmen die Schwankungen im europäischen Verteidigungssektor.

Die Ankündigung kam am Mittwoch – und überrascht. Erst eine Woche zuvor hatte KNDS signalisiert, den Börsengang durchzuziehen. Nun teilten die Aktionäre mit, sie wollten den Prozess erst wieder aufnehmen, wenn sich die Marktbedingungen beruhigt haben.

Die Vorbereitung war fast abgeschlossen

KNDS betont, dass fast alle nötigen Schritte für die Notierung bereits erledigt sind. Das Unternehmen hat intensiv mit Investoren gesprochen. Diese Gespräche hätten gezeigt: Die Investoren teilen die Einschätzung von KNDS zur eigenen Marktposition und glauben an die langfristige Strategie.

Auch operativ steht der Konzern gut da. KNDS verweist auf einen Rekord-Auftragsbestand, profitables Wachstum und eine robuste Fertigung mit starker Cash-Generierung. Das soll langfristige Planungssicherheit schaffen und die Position als führender europäischer Verteidigungskonzern untermauern.

Der Preis war der Knackpunkt

Der eigentliche Streitpunkt war offenbar die Bewertung. Die Financial Times berichtete, KNDS habe Schwierigkeiten gehabt, Investoren von einer Bewertung über 12 Milliarden Euro zu überzeugen.

Die Struktur des geplanten Deals war komplex. Der französische Staatskonzern Giat Industries und die deutsche Unternehmerfamilie hinter Wegmann & Co wollten gemeinsam rund 20 Prozent von KNDS über Privatplatzierungen an institutionelle Investoren verkaufen. Die Bundesrepublik Deutschland sollte parallel über die KfW die restlichen 40 Prozent von Wegmann übernehmen.

Ein Blick auf einen direkten Vergleichsfall dürfte die Stimmung zusätzlich gedrückt haben. Der tschechische Rüstungskonzern CSG ging im Januar in Amsterdam an die Börse – damals der größte Rüstungs-IPO aller Zeiten. Seitdem ist die CSG-Aktie um rund 44 Prozent gefallen, die Marktbewertung schrumpfte um mehr als 11 Milliarden Euro auf 13,8 Milliarden Euro.

Bemerkenswert macht die Verschiebung vor allem eines: Der Verteidigungssektor galt bislang als eine der wenigen Lichtblicke in einem ansonsten schwachen IPO-Jahr für Europa. Mit KNDS bröckelt nun ausgerechnet diese Ausnahme.

Tür bleibt offen, Termin gibt es keinen

Ganz vom Tisch ist der Plan nicht. „KNDS und seine Aktionäre werden die Kapitalmarktbedingungen weiter genau beobachten und stehen bereit, den IPO-Prozess wieder aufzunehmen, sobald es die Marktlage zulässt“, teilte das Unternehmen mit.

Gleichzeitig warnt KNDS potenzielle Investoren deutlich: Der Börsengang könnte am Ende komplett ausfallen. Eine Garantie für die Notierung gebe es nicht. Wer in diesem Umfeld investiere, trage das Risiko eines Totalverlusts.

Das operative Geschäft läuft weiter

Unabhängig von den Börsenplänen wächst das Kerngeschäft. KNDS beschäftigt knapp 11.000 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand lag zum Jahresende bei 33,1 Milliarden Euro.

Als Systemanbieter deckt der Konzern die komplette Wertschöpfungskette ab – von Plattformen über Munition bis zu Serviceleistungen. Genau diese Positionierung soll Investoren künftig überzeugen, sobald die Marktlage es erlaubt.

Einen neuen Zeitplan nennt KNDS bislang nicht. Das Unternehmen macht die Wiederaufnahme des Prozesses allein von der Beruhigung der Volatilität im europäischen Verteidigungssektor abhängig.

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