KNDS Aktie: Börsengang wegen 12,5 Milliarden auf Eis
KNDS sagt den geplanten Börsengang ab, da die Eigentümerfamilien eine Bewertung unter 12,5 Milliarden Euro ablehnen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund fallender Kurse bei Rüstungswerten.

- Börsengang von KNDS vorerst gestoppt
- Eigentümer bestehen auf Mindestbewertung von 12,5 Mrd. Euro
- Rheinmetall-Aktie verliert seit Jahresbeginn über 30 Prozent
- Bundesregierung hält an geplantem Einstieg fest
Die Auftragsbücher der Rüstungsindustrie quellen über, die Kurse an der Börse fallen. Bei KNDS zieht das Management nun die Reißleine und verschiebt den geplanten Börsengang. Die deutschen Eigentümerfamilien lehnen eine Bewertung unter 12,5 Milliarden Euro strikt ab. Ursprünglich peilten sie bis zu 20 Milliarden Euro an.
Ein Blick auf die Konkurrenz erklärt die Nervosität. Die Papiere von Rheinmetall büßten seit Jahresbeginn 2026 mehr als 30 Prozent ein. Beim Rüstungskonzern Czechoslovak Group ging es seit dem Börsendebüt im Januar sogar um 57 Prozent abwärts.
Kein Wunder. Investoren meiden europäische Rüstungsaktien derzeit. Geopolitische Konflikte in der Ukraine und im Iran schüren massive Marktschwankungen.
Berlin hält an Milliardenplan fest
Trotz der Absage ändert die Bundesregierung ihre Pläne nicht. Berlin will weiterhin einen Anteil von 40 Prozent an KNDS erwerben. Dieser Schritt soll nationale Sicherheitsinteressen wahren. Der Einstieg kostet den Bund schätzungsweise bis zu 7,2 Milliarden Euro.
Nach einem erfolgreichen Börsengang soll eine klare Struktur gelten. Deutschland und Frankreich halten dann jeweils 40 Prozent. Die restlichen 20 Prozent gehen an institutionelle Investoren. Berlin akzeptiert die aktuelle Wartezeit und setzt auf die strategische Partnerschaft mit Paris.
Rekordaufträge in Görlitz
Operativ läuft es bei KNDS rund. Das Unternehmen sammelte 2025 Aufträge im Wert von 13,5 Milliarden Euro ein. Der Rekord-Auftragsbestand kletterte auf 33,1 Milliarden Euro.
Um diese Nachfrage zu bedienen, baut der Konzern seine Produktion aus. In Görlitz wandelte KNDS eine ehemalige Alstom-Zugfabrik in einen modernen Rüstungsstandort um. Dort fertigen die Mitarbeiter bereits Wannen für den Leopard 2.
Auch Module für den Radpanzer Boxer entstehen in der ostdeutschen Anlage. Bald folgen Turmgehäuse für den Schützenpanzer Puma. Bis Ende 2026 plant der Konzern am Standort Görlitz mit 400 Beschäftigten.
Warten auf 2026
Das Management nimmt sich Zeit. Analysten erwarten einen neuen Anlauf für den Börsengang frühestens im vierten Quartal 2026. Auch eine Verschiebung in das Jahr 2027 ist möglich.
Die Eigentümer fordern ein stabiles Marktumfeld. Erst dann spiegelt eine Bewertung die langfristigen Aufträge und die industrielle Größe wider. Bis dahin kontrollieren die Gründerfamilien und der französische Staat den Konzern weiterhin gemeinsam.
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