KNDS Aktie: Eine Milliarde Pfund aus Großbritannien
KNDS eröffnet neue Werke in Norwegen und verhandelt über deutsche Autofabriken. Der Rüstungskonzern rüstet sich für den Börsengang.

- Britische Armee bestellt Panzerhaubitzen
- Neues Leopard-Werk in Norwegen
- Verhandlungen mit VW und Mercedes
- Rekord-Auftragsbestand von 33 Milliarden Euro
KNDS baut Europa zum Rüstungswerk um. Der deutsch-französische Panzerkonzern eröffnet Fabriken in Norwegen, verhandelt über stillgelegte VW- und Mercedes-Werke in Deutschland und sichert sich Großaufträge in Großbritannien — alles im Eiltempo vor dem geplanten Börsengang in Frankfurt und Paris.
Britische Armee ordert für eine Milliarde Pfund
Die britische Armee beschafft 72 ferngesteuerte Panzerhaubitzen RCH 155 für knapp eine Milliarde Pfund. Der Auftrag ging über die Organisation Conjointe de Coopération en matière d’Armement (OCCAR) an ARTEC, ein Joint Venture von KNDS und Rheinmetall.
Die Haubitzen werden auf Boxer-Radpanzer montiert und erreichen eine Kadenz von acht Schuss pro Minute bei einer Reichweite von bis zu 70 Kilometern. Erste Auslieferungen sind für 2028 geplant.
Das Boxer-Fahrmodul fertigt KNDS UK in Stockport. Das Programm schafft 100 neue Stellen bei Rheinmetall in Telford, sichert 100 Jobs in Stockport und stützt 300 weitere in der britischen Zulieferkette.
„Das Vereinigte Königreich ist definitiv einer unserer wichtigsten Boxer-Kunden und ein bedeutender Produktionsstandort“, sagte Florian Hohenwarter, CEO von KNDS Deutschland. „Die Ausweitung der Kapazitäten in Großbritannien spielt eine zentrale Rolle für die Ausrüstung aller unserer Boxer-Kunden und damit für Europas Verteidigungsfähigkeit.“
Leopard-Werk in Norwegen nimmt Betrieb auf
KNDS und der norwegische Spezialist RITEK haben in Levanger ein neues Produktionswerk für den Leopard 2 NO eröffnet. Der Produktionsstart ist für Herbst 2026 vorgesehen.
Die Anlage entstand in nur 18 Monaten und umfasst Testgelände mit Laserstrecke, Steilhängen und Tauchbecken. Die Jahreskapazität liegt bei bis zu 36 Panzern.
37 der insgesamt 54 Leopard 2 A8 NO für die norwegische Armee werden in Levanger gefertigt. Am 30. April 2026 wurden die ersten beiden Systeme ausgeliefert — diese stammten noch aus der Anfangsphase bei KNDS.
Autowerke als Abkürzung zur Kapazität
Die Expansion greift tief in Deutschlands schwächelnde Autoindustrie. KNDS verhandelt mit Volkswagen und Mercedes-Benz über die Übernahme ungenutzter Werke in Osnabrück und Ludwigsfelde für die Militärfahrzeugproduktion. CEO Jean-Paul Alary bestätigte die Gespräche am 26. Mai 2026 und bezeichnete den Schritt als schnelleren Weg zur Kapazitätserweiterung.
In Ludwigsfelde könnten rund 2.000 Beschäftigte von der Sprinter-Fertigung auf Militärfahrzeuge umsteigen. KNDS plant zunächst eine Anmietung, später eine vollständige Übernahme. Konzernweit sind rund eine Milliarde Euro für neue Kapazitäten vorgesehen.
Komplizierter ist Osnabrück. Israels Rafael Advanced Defense Systems hat bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet — ein Bieterwettbewerb bahnt sich an.
US-Markt im Visier
KNDS und Leonardo DRS haben ein Angebot auf Basis der Caesar Mk 2 für das Mobile Tactical Cannon Programm der US Army eingereicht. Die US-Streitkräfte modernisieren ihre selbstfahrende Artillerie und könnten bereits im Juli 2026 einen Prototypen-Gewinner benennen.
Favorisiert werden schwerere Radfahrzeuge, darunter Systeme mit dem Turm-Modul AGM von KNDS Deutschland auf 8×8- oder 10×10-Fahrgestellen. Ein Auftrag aus Washington wäre ein Durchbruch über die europäische Kundenbasis hinaus.
Rekord-Backlog als Treiber
Der Produktionshochlauf fußt auf einem beispiellosen Auftragspolster. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte auf 661 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich von 13,2 auf 15,0 Prozent.
Der Auftragsbestand sprang von 23,5 auf 33,1 Milliarden Euro — Reflex der europäischen Aufrüstung nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Allein die Neuzugänge summierten sich auf 13,5 Milliarden Euro.
Alle drei Segmente — Land Systems Deutschland, Land Systems Frankreich und Munition — legten zweistellig zu. Die Munitionssparte wuchs mit 24,7 Prozent am stärksten.
KNDS hält am Börsengang fest. Die Vorbereitungen für die Doppelnotierung in Frankfurt und Paris laufen nach Plan, das Timing bleibt unverändert. Der Konzern will die Nachfragewelle nutzen, die Gewinne und Umsatz im vergangenen Jahr auf Rekordniveau trieb.
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