KNDS Aktie: PwC blockiert Börsenprospekt wegen Katar-Deal

Der Rüstungskonzern KNDS kämpft vor dem Börsengang mit offenen Prüfungsfragen und der Klärung der deutschen Beteiligungsstruktur.

Die Kernpunkte:
  • IPO-Vorbereitungen in entscheidender Phase
  • Prüfungsstreit blockiert Börsenprospekt
  • Bundesregierung plant 40-Prozent-Einstieg
  • Bewertung auf 18 bis 20 Milliarden gesenkt

Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS steht vor der entscheidenden Phase seiner IPO-Vorbereitungen. Zwei Hürden blockieren jedoch noch den Weg an die Börsen in Frankfurt und Paris: ein ungelöster Prüfungsstreit und die ungeklärte Beteiligungsstruktur Deutschlands.

EuroPULS erreicht nächste Stufe

Positiv vermelden lässt sich derweil der operative Fortschritt. Die EuroPULS GmbH, ein 50:50-Joint-Venture mit Elbit Systems, hat am 1. Juni 2026 eine neue Einsatzbereitschaftsstufe erreicht. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel produziert Radraketenwerfer für die europäischen Streitkräfte.

Das System verschießt lenkbare Raketen über bis zu 300 Kilometer. Deutschland hat über ein Regierungsabkommen mit den Niederlanden und Israel bereits fünf Abschussrampen bestellt. Die Auslieferung ist für 2027 vorgesehen.

Die offene Prüffrage

Trotz operativer Dynamik bleibt ein zentrales Problem ungelöst. Der Abschlussprüfer PwC hat die Testierung des Jahresabschlusses 2025 verweigert. Der Grund: eine laufende Untersuchung der Anwaltskanzlei Freshfields zu einem Panzerdeal mit Katar aus dem Jahr 2013 über 1,89 Milliarden Euro.

Bislang hat die Prüfung keine Hinweise auf Fehlverhalten erbracht. Ohne ein testiertes Testat kann jedoch kein Börsenprospekt genehmigt werden. Die wirtschaftliche Prüfungsgesellschaft wartet auf den Abschlussbericht.

Sollte sich der politische Stillstand in Berlin bald auflösen, wäre ein Börsengang im Sommer 2026 noch möglich. Andernfalls könnte er ins zweite Halbjahr rutschen oder komplett neu strukturiert werden.

Das Ringen um die 40-Prozent-Beteiligung

Die Eigentümerstruktur birgt zusätzliche Spannung. Am 21. Mai 2026 hat die Bundesregierung zugestimmt, eine 40-Prozent-Beteiligung an der KNDS NV über die Staatsbank KfW zu erwerben.

Der Plan sieht vor: Berlin steigt mit 40 Prozent ein, reduziert den Anteil über zwei bis drei Jahre auf 30 Prozent. Paris senkt parallel seinen Anteil von 50 auf 40 Prozent.

Das Ziel: gleiche Stimmrechte für beide Hauptstädte – auch nach dem Teilausstieg Deutschlands. Dies betrifft Entscheidungen über Standorte, Produktionsstätten und strategische Ausrichtung. Eine Mehrheit hält keine Seite.

Milliarden für neue Kapazitäten

Während Governance und Prüfung die Schlagzeilen beherrschen, arbeitet KNDS am Produktionsausbau. CEO Jean-Paul Alary bestätigte am 26. Mai 2026 Gespräche mit Volkswagen und Mercedes-Benz. Es geht um die Übernahme von Werken in Osnabrück und Ludwigsfelde.

Die Investition könnte rund eine Milliarde Euro betragen. Rund 2.000 Beschäftigte würden zu KNDS wechseln. Bereits im Mai eröffnete der Konzern ein Werk in Norwegen. Ab dem dritten Quartal 2026 sollen dort jährlich bis zu 36 Leopard-2-Panzer vom Band laufen. Hinzu kommt ein britischer Auftrag über 72 Haubitzen im Wert von knapp einer Milliarde Pfund.

Bewertung unter Druck

Die IPO-Berater haben die Bewertung des Konzerns zuletzt auf 18 bis 20 Milliarden Euro gesenkt. Zuvor waren bis zu 25 Milliarden Euro im Gespräch. Rund ein Viertel des Eigenkapitals soll an die Börse gebracht werden.

Parallel bereinigt KNDS seine Bilanz. Im Mai verkaufte das Unternehmen rund 5,8 Millionen Aktien des Getriebeherstellers RENK für 262 Millionen Euro. Ein Restbestand von rund zehn Prozent bleibt bestehen. Der Erlös dient der Optimierung der Kapitalstruktur.

Kurz gesagt: Die nächsten Tage werden entscheiden. Fehlt der Prüfbericht von PwC oder die endgültige Klärung der deutschen Beteiligung, bleibt einer der am meisten erwarteten Rüstungsbörsengänge Europas aufgeschoben.

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