KNDS Aktie: PwC-Testat verzögert Sommerfenster

Der geplante Börsengang von KNDS hängt an der Freigabe durch PwC. Zeitgleich verhandelt der Rüstungskonzern mit Berlin über die Bewertung.

Die Kernpunkte:
  • PwC-Testat als entscheidender Faktor
  • Streit um Kaufpreis mit Bundesregierung
  • Milliardenschweres Auftragsbuch vorhanden
  • Suche nach neuen Produktionsstandorten

Die kritischste Woche für KNDS NV hat begonnen. Nicht Banker oder Politiker entscheiden jetzt über Europas meisterwarteten Börsengang — sondern Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers.

Audit-Blockade setzt den Takt

Ohne ein unterzeichnetes Testat von PwC kann KNDS keinen Börsenprospekt einreichen. Damit rückt das Sommerfenster für den IPO in Gefahr. Der Grund für die Verzögerung: eine laufende Untersuchung rund um einen Rüstungsvertrag mit Katar aus dem Jahr 2013 im Volumen von 1,9 Milliarden Euro. Die Kanzlei Freshfields prüft Vorwürfe zu millionenschweren Provisionszahlungen.

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Bislang fand sich kein Beleg für strafbares Verhalten aktueller oder früherer Mitarbeiter. PwC besteht dennoch darauf, den Abschluss der Untersuchung abzuwarten. Die testierten Jahresabschlüsse für 2025 sollen in der letzten Maiwoche vorliegen. Erscheinen sie pünktlich, folgt der Prospekt — und institutionelle Investoren erhalten die Daten, die sie für eine Bewertung von rund 20 Milliarden Euro brauchen.

Liefert PwC nicht rechtzeitig, verschiebt sich der IPO ins Herbstquartal. Das dürfte deutlich unruhiger werden.

Berlin streitet über den Preis

Parallel läuft ein Konflikt zwischen der Bundesregierung und den Eigentümerfamilien von KNDS. Deutschland will über die staatliche KfW Bank einen Anteil von 40 Prozent erwerben — spiegelbildlich zur bestehenden Beteiligung Frankreichs. Strittig ist die Bewertung.

Berlin besteht darauf, den Anteil zu einem Preis zu kaufen, der dem IPO-Kurs entspricht. Die Familieneigentümer sehen das offenbar anders. Solange keine Einigung steht, bleibt die Kapitalstruktur zum Börsenstart unklar.

Fest steht: Nach dem IPO halten Deutschland und Frankreich je 40 Prozent. Beide Regierungen planen, ihre Anteile innerhalb von drei Jahren auf je 30 Prozent zu senken. Für den Streubesitz bedeutet das: Beim Börsenstart sind nur rund 20 Prozent der Aktien frei handelbar.

Milliarden-Auftragsbuch trifft auf volle Werke

KNDS hat ein strukturelles Problem. Das Auftragsbuch beläuft sich auf 23,5 Milliarden Euro — bei einem Jahresumsatz von 3,8 Milliarden Euro. Die bestehenden Produktionskapazitäten reichen schlicht nicht aus.

Der Konzern verhandelt deshalb über den Kauf des Mercedes-Benz-Werks in Ludwigsfelde südlich von Berlin. Rund 2.000 Beschäftigte könnten den Arbeitgeber wechseln. Zunächst plant KNDS, einen Teil des Geländes zu mieten und dort Militärfahrzeuge neben Sprinter-Transportern zu bauen. Mercedes-Benz will die Sprinter-Chassis-Fertigung bis 2030 nach Polen verlagern.

Ferner prüft KNDS das Volkswagen-Werk in Osnabrück. Dort gibt es allerdings Konkurrenz: Der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems unterzeichnete Ende April eine Absichtserklärung für denselben Standort. Das geplante Investitionsvolumen in neue Produktionskapazitäten liegt bei rund einer Milliarde Euro.

Aufsichtsrat und Sonderdividende

Vor dem Börsengang hat KNDS den Aufsichtsrat verstärkt. Christian Schulz, früherer Finanzvorstand von RENK, bringt direkte Kapitalmarkterfahrung mit. Außerdem steht eine Sonderdividende von bis zu 2 Milliarden Euro für die bisherigen Aktionäre im Raum.

Lazard begleitet den IPO als Finanzberater. Die angestrebte Bewertung liegt zwischen 18 und 20 Milliarden Euro. Rund ein Viertel der Anteile soll den Besitzer wechseln — teils aus dem Bestand der Gründerfamilien, teils aus einer Kapitalerhöhung zur Finanzierung von Technologieinvestitionen.

Die nächsten Tage entscheiden, ob der Sommer noch reicht — oder ob KNDS im Herbst neu ansetzen muss.

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