KNDS Aktie: Verhandlungen mit Volkswagen und Mercedes-Benz

KNDS treibt Börsengang voran und verhandelt mit VW und Mercedes über Werksübernahmen. Der Rekordauftragsbestand von 33 Milliarden Euro erfordert neue Kapazitäten.

Die Kernpunkte:
  • Verhandlungen mit VW und Mercedes
  • Börsengang in Frankfurt und Paris
  • Rekordauftragsbestand von 33 Milliarden
  • PwC gibt Jahresabschluss nach Prüfung frei

KNDS jagt einem Rekordauftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro hinterher – und die Produktion kommt kaum hinterher. Der deutsch-französische Rüstungskonzern verfolgt deshalb einen ungewöhnlichen Plan: Er will stillgelegte Autofabriken in Panzerwerke verwandeln. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für den Börsengang in Frankfurt und Paris auf Hochtouren.

Vom Sprinter zum Kampfpanzer

CEO Jean-Paul Alary bestätigte am 26. Mai, dass KNDS mit Volkswagen und Mercedes-Benz über die Übernahme von Werken in Osnabrück und Ludwigsfelde verhandelt. Der Plan für das Mercedes-Werk nahe Berlin: Zunächst teilen sich Sprinter-Transporter und Militärfahrzeuge die Fertigungsstraßen, später soll das gesamte Werk an KNDS gehen. Eine Milliarde Euro hat das Unternehmen für neue deutsche Produktionskapazitäten eingeplant, rund 2.000 Mitarbeiter sollen übernommen werden.

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Komplizierter ist die Lage in Osnabrück. Israels Rüstungskonzern Rafael hat dort bereits eine Absichtserklärung für das Werk unterzeichnet – ein Bieterkampf zeichnet sich ab.

Wachstum auf vielen Achsen

Der Kapazitätsausbau beschränkt sich nicht auf Deutschland. In Levanger, Norwegen, entstand in nur 18 Monaten ein neues Montagewerk, das jährlich bis zu 36 Leopard-2A8NO-Panzer ausliefern kann. In Belgien läuft eine neue Produktionslinie für 155-Millimeter-Munition.

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2025 zeigen, warum der Druck so groß ist: Die Sparte Land Systems Germany legte um 17,4 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu, die französische Division um 9,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Das Munitionsgeschäft schoss um 24,7 Prozent auf 612 Millionen Euro nach oben. Der operative Gewinn erreichte 661 Millionen Euro, die EBIT-Marge kletterte von 13,2 auf 15,0 Prozent.

EuroPULS: Raketen aus Kassel

Neben den Werken baut KNDS auch seine Technologiepartnerschaften aus. Das Gemeinschaftsunternehmen EuroPULS mit Elbit Systems erreichte am 1. Juni einen neuen operativen Bereitschaftsgrad. Ziel ist die gemeinsame Produktion von Raketenartillerie für europäische Streitkräfte. Deutschland plant den Kauf von rund 500 MARS-3-Werfern und hat bereits fünf Systeme bestellt – Auslieferung und Zulassung sind für 2027 vorgesehen.

IPO: Staat steigt ein, Freefloat bleibt klein

Die politischen Weichen für den Börsengang sind gestellt. Berlin will sich über die Staatsbank KfW zunächst mit 40 Prozent an KNDS beteiligen – zum IPO-Preis. Innerhalb von zwei bis drei Jahren soll der Anteil auf 30 Prozent sinken. Bislang hielten der französische Staat und die Eigentümerfamilien von KMW je 50 Prozent.

Da nur 20 Prozent des Kapitals an den Markt kommen, bleibt die Liquidität von Natur aus begrenzt. Das könnte institutionelle Anleger abschrecken.

Prüfungs-Hürde genommen

Das kritischste Hindernis ist ausgeräumt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hatte die Zertifizierung der Jahresabschlüsse 2025 verweigert, bis die Anwaltskanzlei Freshfields ihre Untersuchung eines Katar-Auftrags von 2013 abgeschlossen hatte. Es ging um die Lieferung von 24 Panzerhaubitzen und 62 Leopard-2-Panzern im Wert von rund 1,89 Milliarden Euro – im Fokus standen Provisionen. Bis Ende Mai 2026 waren die Ermittlungen so weit fortgeschritten, dass PwC die Zahlen freigab. Strafrechtlich relevante Verstöße wurden nicht festgestellt.

Bewertung und Zeitplan

KNDS peilt weiterhin den Doppel-Börsengang in Frankfurt und Paris im Jahr 2026 an. Die Banken – Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale – haben die Bewertungsspanne jedoch von ursprünglich bis zu 25 Milliarden auf 18 bis 20 Milliarden Euro gestutzt. Die angepeilten Zeitfenster: Juni oder Juli, notfalls September. Ein Start im Juni würde bedeuten: Die nächsten Wochen entscheiden darüber, ob aus Autofabriken wirklich Panzerwerke werden – und ob Anleger beim größten Rüstungs-IPO Europas mitmischen können.

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