KNDS Aktie: Zweiter Anlauf im September geplant
KNDS strebt im September einen zweiten Börsengang an. Sollte dies scheitern, erwägen Deutschland und Frankreich eine vollständige Verstaatlichung des Rüstungskonzerns.

- Zweiter IPO-Versuch im September
- Verstaatlichung als Rückfalloption
- Enders lehnt Staatsübernahme ab
- Bewertungsstreit als Kernproblem
Erst gescheitert, jetzt schon der nächste Versuch: Beim Rüstungskonzern KNDS bahnt sich ein neuer Anlauf für den Börsengang an. Nur wenige Wochen nach dem geplatzten Debüt im Juli sollen Deutschland und Frankreich bereits an einem zweiten Versuch arbeiten. Parallel dazu kursiert eine ganz andere Option: die komplette Verstaatlichung des Panzerbauers.
Regierungskreise zielen auf September
Nach dem Scheitern des Börsengangs verhandeln der Konzern, die Bundesregierung und die Eigentümerfamilien über Alternativen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Regierungskreise. Eine mögliche Option: Deutschland und Frankreich übernehmen KNDS vollständig in staatliche Hand.
Der bevorzugte Weg bleibt aber ein neuer Börsengang. Insider aus dem Bundeskanzleramt zeigen sich demnach optimistisch, dass ein Anlauf im September gelingen könnte. Die ursprüngliche Struktur soll dabei erhalten bleiben: Deutschland kauft 40 Prozent der Anteile, Frankreich reduziert seinen Anteil ebenfalls auf 40 Prozent. Die restlichen 20 Prozent gehen an die Börse.
Verstaatlichung nur als Notlösung
Sollten sich die Marktbedingungen bis zum Herbst nicht bessern, steht als Rückfalloption eine vollständige Verstaatlichung im Raum. Diesen Plan B bestätigten Regierungskreise gegenüber dem Handelsblatt. „Das könnte dem Unternehmen zunächst Sicherheit geben“, heißt es in dem Bericht.
Der Notfallplan sieht vor, dass die ausstiegswilligen Familien im Zuge einer Verstaatlichung eine Rückkaufoption für 20 Prozent der Anteile erhalten. So könnten sie das Unternehmen später doch noch an die Börse bringen. Das CDU-geführte Wirtschaftsministerium widersprach jedoch der Darstellung, die Verstaatlichung sei inzwischen der bevorzugte Weg. Man wolle am im Juni vereinbarten Vorgehen festhalten und strebe weiterhin einen zeitnahen Börsengang an. Beide Staaten hätten die früheren Vereinbarungen Mitte Juli beim Deutsch-Französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat noch einmal bekräftigt.
Enders widerspricht Verstaatlichungsplänen
KNDS-Verwaltungsratschef Tom Enders trat den Spekulationen über eine komplette Verstaatlichung deutlich entgegen. Der Börsengang bleibe die klare Präferenz des Unternehmens. „Es gibt keine Gespräche über eine vollständige Verstaatlichung von KNDS, und dafür besteht auch absolut kein Grund“, sagte Enders gegenüber Reuters. Die unmittelbare Priorität bleibe der Börsengang.
Enders wies zudem zurück, dass staatliche Kontrolle die operativen Herausforderungen des Konzerns lösen würde. „Die finanzielle Lage von KNDS ist äußerst solide, und das Unternehmen verfügt über einen erheblichen Auftragsbestand“, so Enders. Die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahre bestehe darin, diesen Auftragsbestand so schnell wie möglich abzuarbeiten. Staatliche Kontrolle könne dazu nichts beitragen.
Auch die französische Regierung bekräftigte ihr Festhalten am ursprünglichen Plan einer gemeinsamen Eigentümerschaft. „Diese Vereinbarung bleibt vollständig gültig“, erklärte die Regierung in Paris. Deutschland und Frankreich wollten weiterhin gemeinsame Anteilseigner von KNDS werden, beide Regierungen setzten ihre Bemühungen fort.
Der eigentliche Streitpunkt: die Bewertung
Im Kern geht es nicht um strategische Differenzen, sondern um Geld. KNDS hatte den Börsengang im Juli verschoben, weil Investoren nicht bereit waren, zu der von den Eigentümerfamilien erwarteten Bewertung einzusteigen. Enders, der frühere Airbus-Chef, gilt dabei als Verfechter eines Kurses, der staatlichen Einfluss bei KNDS so schnell wie möglich zurückdrängen will.
An der Struktur selbst hat sich seit der Verschiebung im Juli nichts geändert. Weiterhin sind 20 Prozent der Anteile für den Börsengang vorgesehen – jeweils zehn Prozentpunkte aus deutscher und französischer Hand. Die Wegmann-Familien wollen zwar aussteigen, sobald KNDS gelistet ist. Eine besondere Eile signalisieren sie bisher aber nicht.
Ob die Nachfrage nach europäischen Rüstungswerten bis September stark genug ist, um einen neuen Anlauf zu tragen, bleibt offen. Klar ist nur: Sowohl Enders als auch die französische Regierung haben sich öffentlich gegen die Verstaatlichungsoption positioniert. Die Entscheidung über den weiteren Weg dürfte in den kommenden Wochen fallen.
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