Korea vor Micron, Heidelberg vor dem DAX: Wer im Sommer verlor, dreht zuerst

Koreas Chipzulieferer, Accenture und Heidelberg Materials legten zu; Stromverträge und Rohstoffrisiken prägten weitere Marktbewegungen.

Die Kernpunkte:
  • KOSPI steigt nach kräftigen Exporten
  • Micron-Ausblick stützt asiatische Chipzulieferer
  • Accenture gewinnt nach Quartalszahlen deutlich
  • Heidelberg Materials dreht vom Jahrestief

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das vierte Quartal beginnt mit einer Erholung der Sommerverlierer. Südkoreas Börse hatte im Sommer rund 20 Prozent verloren, Accenture binnen zwölf Monaten rund ein Viertel, und Heidelberg Materials fiel am Donnerstag noch auf ein 52-Wochen-Tief.

Alle drei zogen am ersten Handelstag des Oktobers an, während der DAX zeitweise unter 25.000 Punkte rutschte. Meine These für diese Ausgabe: Nicht die Rekordjäger der KI-Rally, sondern die abgestraften Zulieferer, Infrastrukturwerte und Rohstoffketten bieten zum Quartalsstart das bessere Chance-Risiko-Verhältnis.

Asien dreht zuerst: Koreas Exportrekord und die Rückkehr der Zulieferer

Der Chipzyklus belohnt derzeit die Zulieferer, nicht den Taktgeber. Südkorea meldete für September Exporte von 120,9 Milliarden Dollar, ein Plus von 83,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein Halbleiter steuerten mehr als 60 Milliarden Dollar bei. Der KOSPI schloss am Donnerstag bei knapp 6.930 Punkten und legte damit deutlich zu, der Nikkei 225 sprang um 3,3 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch.

Auslöser war Micron. Der Speicherhersteller meldete für das Anfang September abgelaufene Quartal einen Umsatz von 54,2 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal erwartet Micron 60 bis 63 Milliarden Dollar, der Konsens lag knapp unter 57 Milliarden. Mehr als 75 Prozent der Lieferungen für das Geschäftsjahr 2027 sind laut Micron bereits vertraglich gebunden.

Entscheidend für Anleger ist die Zweiteilung: Die Micron-Aktie selbst gab nach den Zahlen leicht nach, nachdem sie sich 2026 fast vervierfacht hatte. Die Zulieferer in Tokio und Seoul, darunter Advantest, Lasertec, Samsung Electronics und SK Hynix, haussierten dagegen.

Europa zog nicht mit: Infineon drehte nach einem Plus von zeitweise 3,5 Prozent ins Minus, Aixtron und Siltronic verloren deutlich. Der KOSPI notiert trotz des Sprungs weit unter seinem Juni-Hoch von rund 9.386 Punkten, hat sich aber binnen zwölf Monaten mehr als verdoppelt.

Wer den Zyklus über Samsung, SK Hynix oder einen Korea-ETF spielen will, kauft heute einen Markt, der die Übertreibung des Frühsommers bereits abgebaut hat.

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Wenn die Zulieferer in Seoul und Tokio haussieren, während die Micron-Aktie nach den Zahlen nachgibt, lohnt der Blick auf KI-Profiteure abseits des Rampenlichts. Der kostenlose Spezialreport stellt vier ausgewählte KI-Aktien vor, darunter einen Marktführer der Zukunft, einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Die vier KI-Werte kennenlernen

Dasselbe Muster zeigte sich bei Accenture, deren Papier zwischen Mitte Januar und Ende Juni rund 60 Prozent seines Wertes verlor. Der IT-Berater übertraf mit 18,7 Milliarden Dollar Quartalsumsatz und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 3,29 Dollar den Konsens klar und stellte für 2027 drei bis sechs Prozent Wachstum in Aussicht.

Accenture notiert im Verlauf bei rund 192 Euro und damit etwa 19 Prozent über dem Vortag, bleibt aber seit Jahresbeginn im Minus. Cognizant, IBM sowie die ADRs von Infosys und Wipro zogen kräftig mit. Die Angst, KI mache IT-Beratung überflüssig, war offenbar eingepreist, bevor sie sich in den Zahlen zeigte.

Amazon kauft Atomstrom: Der Engpass liegt im Netz, nicht im Chip

Der knappste Rohstoff der KI ist derzeit die Steckdose. Amazon hat sich für 20 Jahre 690 Megawatt aus dem Kernkraftwerk Calvert Cliffs von Constellation Energy gesichert. Der Vertrag finanziert rund 190 Megawatt neue Kapazität und Investitionen von mehr als drei Milliarden Dollar in Maryland, der Netzanschluss ist für 2030 bis 2032 geplant.

Pikant: Im August hatte Amazon in Maryland ein Rechenzentrum nach Bürgerprotesten aufgegeben. Laut Data Center Watch wurden im ersten Halbjahr 2026 landesweit 120 Rechenzentrumsprojekte im Wert von fast 200 Milliarden Dollar durch Proteste blockiert. In Texas verzögert ein Genehmigungsstopp von Gouverneur Abbott womöglich Chevrons Gaskraftwerk für ein Microsoft-Rechenzentrum bis 2027.

Hier liegt die Konsequenz für Anleger: Strom und Genehmigungen sind der neue Flaschenhals der KI-Infrastruktur, und wer ihn löst, verdient unabhängig davon, welcher Chip gewinnt. Constellation notiert aktuell gut 3 Prozent fester bei rund 231 Euro, liegt seit Jahresbeginn aber noch 24 Prozent im Minus. Der Analystenkonsens für Constellation lautet „Strong Buy“ mit einem mittleren Kursziel von gut 353 Dollar.

Goldman Sachs stufte Amazon am Donnerstag zudem auf „Conviction Buy“ mit Kursziel 375 Dollar, rund 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Begründung: AWS wuchs im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar, und die Investitionsausgaben für 2026 wurden auf 220 Milliarden Dollar angehoben.

Dass Anthropic laut Börsenprospekt rund die Hälfte seines Umsatzes 2025 über die Cloud-Plattformen von Amazon und Alphabet abwickelte, unterstreicht die Rolle von AWS als Mautstelle der KI-Welle.

In Houston gründeten unter anderem Blackstone, NextEra, Quanta und Siemens Energy eine Koalition, die Energie- und KI-Projekte politisch absichern soll. In Japan plant JERA mit Dell ein 15-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum direkt am eigenen Kraftwerk in Chiba.

Heidelberg Materials am Tief, Bayer unter Druck: Die Berichtssaison wirft Schatten

Die deutsche Berichtssaison sortiert die Kurse schon vor den Zahlen. Heidelberg Materials fiel am Donnerstag im Tief auf 137,60 Euro, den niedrigsten Stand seit zwölf Monaten, und drehte dann an die DAX-Spitze. Jefferies erwartet für das dritte Quartal operatives Ergebniswachstum und eine Bestätigung der Jahresziele.

Heidelberg Materials liegt im Verlauf bei rund 145 Euro, seit Jahresbeginn aber noch 35 Prozent im Minus. Ein Infrastrukturwert, der nach einem Drittel Kursverlust mit stabilen Zahlen überrascht, ist genau der Typ Erholungskandidat, den der Markt zum Quartalswechsel sucht.

Das Gegenbild liefert Bayer. JPMorgan sieht die Konsenserwartungen für das dritte Quartal kritisch, die Bayer-Aktie verliert aktuell rund 5 Prozent auf gut 45 Euro. Nach einem Zwölf-Monats-Plus von 53 Prozent ist das kein Einbruch, aber ein Warnschuss vor den Zahlen.

Fresenius zahlt bis zu 750 Millionen Euro für die restlichen 45 Prozent am Biosimilar-Hersteller mAbxience, die Fresenius-Aktie gab leicht nach. Continental hält UBS für einen Kandidaten für eine Anhebung der Jahresziele, die Abspaltung von ContiTech ist um den Jahreswechsel geplant.

Der Rahmen bleibt rau. Der DAX verlor im September 4,0 Prozent und notierte zuletzt knapp unter 25.000 Punkten. Die deutsche Inflation zog im September auf 3,3 Prozent an, getrieben von Energiepreisen mit plus 14,9 Prozent. Bemerkenswert: Bundesanleihen stiegen gegen den globalen Trend, die Zehnjahresrendite fiel auf 3,52 Prozent, während Frankreich und Großbritannien neue Mehrjahreshochs bei den Renditen sahen.

Kupfer und Öl: Streikgefahr in Chile, Exportstopp in China

Die Rohstoffmärkte liefern zwei Angebotsrisiken zugleich, aber nur eines steckt schon im Preis. Bei BHPs Escondida, der größten Kupfermine der Welt, lehnten 95 Prozent der abstimmenden Aufseher das finale Tarifangebot ab und votierten für Streik. Nun läuft eine gesetzliche Schlichtung von fünf Tagen, verlängerbar um weitere fünf.

Erst am 26. September hatte ein tödlicher Wartungsunfall den Betrieb gestört, am Donnerstag starb ein Arbeiter in Codelcos Mine Radomiro Tomic. Der Kupferpreis reagierte bislang kaum, doch zwei chilenische Großminen mit Störungen zugleich sind ein Angebotsrisiko, das Kupfer-ETCs oder Minenaktien schnell einpreisen könnten.

Beim Öl ist der Schock bereits da. China stoppte seine Treibstoffexporte außerhalb Hongkongs und Macaus, PetroChina stornierte Oktober-Ladungen für Benzin und Kerosin. Brent stieg über die 100-Dollar-Marke, im dritten Quartal legten die Futures um 42 Prozent zu. Der US-Dieselpreis liegt auf einem Rekord von rund 6,50 Dollar je Gallone, etwa 70 Prozent über dem Niveau vor dem Iran-Krieg.

Washington drängt Deutschland und Frankreich zu Notfreigaben von Diesel und droht mit einem eigenen Exportverbot. Für europäische Anleger heißt das: Die Energie-Inflation ist noch nicht durch, und Raffineriemargen bleiben der Hebel, an dem Energieaktien im vierten Quartal weiter verdienen.

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Wenn Energie zum Engpass wird, trifft das nicht nur Raffinerien, sondern auch die Rechenzentren, auf denen der KI-Boom aufbaut. Der Report „Megatrend KI“ ordnet die Top 10 der Big-Data-Unternehmen ein und zeigt, wie sich gezielt in Künstliche Intelligenz investieren lässt, und das ohne Kosten. Top-10-Übersicht sichern

Bitcoin: Citi hebt das Ziel, der Oktober hat historisch Rückenwind

Die Großbanken werden bei Bitcoin optimistischer, die kurzfristigen Daten bleiben gemischt. Citigroup erhöhte das Zwölf-Monats-Ziel für Bitcoin von 82.000 auf 113.000 Dollar und für Ether von 2.240 auf 3.028 Dollar. Die Bank erwartet in den kommenden zwölf Monaten fünf Milliarden Dollar an Zuflüssen in Kryptoprodukte.

Bitcoin beendete das dritte Quartal mit einem Plus von rund 40 Prozent, dem stärksten dritten Quartal seit 2017, und notiert aktuell bei rund 84.000 Dollar. Die US-Spot-ETFs drehten von 5,8 Milliarden Dollar Abfluss bis Mitte Juli auf einen kleinen Nettozufluss im Gesamtjahr, allein in der Woche bis 25. September kamen 2,39 Milliarden Dollar herein.

Die Kehrseite: Am Mittwoch gab es den ersten Nettoabfluss nach neun Zuflusstagen, und die Sieben-Tage-Volatilität fiel auf ein Dreijahrestief. Bitfinex sieht für Oktober 95.000 bis 96.700 Dollar, solange 81.300 Dollar halten.

Bitcoin liegt seit Jahresbeginn noch knapp 4 Prozent im Minus und ein Drittel unter dem Rekord vom Oktober 2025. Der Oktober war historisch in 11 von 16 Jahren positiv. Wer einsteigt, sollte wissen, dass eine Fed-Zinserhöhung im Oktober nur noch mit rund 37 Prozent eingepreist ist. Morgen wird der US-Arbeitsmarktbericht mit erwarteten 85.000 bis 88.000 neuen Stellen diesen Wert bewegen.

Der globale Kompass

Der Quartalsauftakt zeigt ein klares Muster: Kapital fließt zu Werten, die im Sommer abgestraft wurden und nun mit harten Zahlen oder Verträgen überzeugen, von Koreas Chip-Zulieferern über Accenture bis zu Constellation.

Morgen entscheidet der US-Arbeitsmarktbericht, ob die Fed im Oktober nachlegt, und die Schlichtung bei Escondida läuft in die erste Woche. Heidelberg Materials und Bayer haben vorgezeichnet, wie die deutsche Berichtssaison verlaufen könnte: Belohnt wird, wer die gesenkten Erwartungen bestätigt, bestraft, wer den Konsens noch nicht eingeholt hat.

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