KOSPI: 4,6-Prozent-Minus nach Gewinnmitnahmen
Nach dem Rekordanstieg folgt ein Kursrutsch am KOSPI. Die Finanzaufsicht will nun die Hebelwirkung von ETFs regulieren und so die Märkte stabilisieren.

- KOSPI fällt um 4,6 Prozent
- Regulierer planen ETF-Hebel-Limits
- Samsung und SK Hynix verlieren deutlich
- Analysten sehen Erholungschancen
Der südkoreanische Aktienmarkt hat am gestrigen Montag einen deutlichen Rücksetzer erlebt. Nach einem historischen Kursfeuerwerk am vorangegangenen Freitag setzte eine Welle von Gewinnmitnahmen ein, die den Leitindex unter Druck setzte. Der KOSPI schloss gestern mit einem Minus von 4,60 Prozent bei 6.292,20 Punkten. Während Privatanleger die fallenden Kurse für Zukäufe im Volumen von mehreren Billionen Won nutzten, zogen sich ausländische Investoren und Institutionen in großem Stil aus dem Markt zurück.
Finanzaufsicht plant Notfall-Befugnisse für ETFs
Die extreme Volatilität der vergangenen Handelstage ruft nun die südkoreanischen Regulierungsbehörden auf den Plan. Die Finanzdienstleistungskommission (FSC) und der Finanzaufsichtsdienst (FSS) bereiten derzeit eine Novelle des Kapitalmarktgesetzes vor. Ziel ist die Einführung von Notfall-Befugnissen, um die Risiken hochspekulativer Anlageprodukte einzudämmen. Konkret sollen die Behörden die Macht erhalten, den Hebel von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) auf Einzelaktien in turbulenten Marktphasen zwangsweise zu senken.
Derzeit bieten viele dieser Produkte einen zweifachen Hebel auf Schwergewichte wie Samsung Electronics oder SK Hynix. Bei extremen Marktbewegungen könnten die Regulierer diesen Hebel künftig ohne vorherige Zustimmung der Anteilseigner auf 1,5 oder sogar 1,1 reduzieren. Die Behörden orientieren sich dabei an einem flexiblen System, wie es bereits in Hongkong praktiziert wird. Flankierend dazu wurden bereits die Hürden für Privatanleger verschärft: Seit vergangenem Freitag müssen Investoren eine Mindesteinlage von 30 Millionen Won vorweisen, um mit solchen Hebelprodukten handeln zu dürfen.
Halbleiter-Schwergewichte belasten den Index
Besonders deutlich traf die Korrektur den für Südkorea entscheidenden Technologiesektor. Die Aktien von Samsung Electronics und SK Hynix, die zusammen einen erheblichen Teil der Indexgewichtung ausmachen, verzeichneten am Montag herbe Verluste. Medienberichten zufolge lösten die Kurseinbrüche bei gehebelten Papieren bereits Zwangsliquidierungen in Milliardenhöhe aus. Trotz dieser kurzfristigen Turbulenzen bleibt das langfristige Bild für viele Marktteilnehmer konstruktiv.
Seit Jahresbeginn verzeichnet der KOSPI ungeachtet der jüngsten Schwankungen ein deutliches Plus von 49,31 Prozent. Analysten der Bank Morgan Stanley hoben ihre Einstufung für den südkoreanischen Markt zuletzt auf „Overweight“ an. Sie begründen diesen Schritt mit einem attraktiven Aufwärtspotenzial von rund 36 Prozent und rufen ein Kursziel für den Index von 9.000 Punkten aus. Auch das Analysehaus Nomura sieht nach der Bereinigung spekulativer Positionen Raum für eine Neubewertung, sofern die starken Exportdaten aus dem Halbleiterbereich anhalten.
Hoffnung auf Erholung am Dienstag
Für den heutigen Dienstag zeichnet sich bereits eine mögliche Gegenbewegung ab. Rückenwind liefern die positiven Vorgaben der US-Börsen, wo der Dow Jones und der Nasdaq am Montagabend deutlich zulegen konnten. Zudem sorgen Anzeichen für eine politische Deeskalation im Nahen Osten für Entspannung an den Energiemärkten, was insbesondere für das rohstoffarme Südkorea als positives Signal gilt.
Analyst Han Ji-young von Kiwoom Securities bewertet den gestrigen Rückschlag primär als technische Reaktion auf den vorangegangenen Rekordanstieg von rund 17 Prozent innerhalb eines einzigen Handelstages. Experten der Hana Securities verweisen zudem auf die fundamentalen Stärken der koreanischen Wirtschaft: Die Exporte von Halbleitern stiegen im Juli im Jahresvergleich um fast 179 Prozent. Solange das Gewinnwachstum der führenden Technologiekonzerne intakt bleibt, dürfte der Markt die aktuelle Volatilität als Konsolidierung auf hohem Niveau verarbeiten.
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