KOSPI: Rekordsprung nach Rekordcrash
Südkoreas Leitindex Kospi verbucht nach dreitägigem Einbruch den stärksten Tagesanstieg seiner Historie, angetrieben von US-Techwerten und Chip-Aktien.

- Kospi schließt 18 Prozent höher
- US-Techzahlen lösen Erholungsrally aus
- SK Hynix und Samsung legen kräftig zu
- Short-Covering verstärkt Aufwärtsbewegung
Drei Handelstage lang schien Südkoreas Börse in freiem Fall. Am Freitag drehte der Kospi den Spieß um — und lieferte den stärksten Tagesgewinn seiner Geschichte.
Der Leitindex schloss knapp 18 Prozent höher und machte damit den vorangegangenen Einbruch von 17 Prozent binnen drei Tagen fast vollständig wett. Auslöser der Gegenbewegung waren überraschend starke US-Techzahlen von Apple und Amazon, die neue Zuversicht in die KI-Investitionsthese der großen Technologiekonzerne brachten. Zuvor hatten Sorgen über überhöhte Bewertungen, steigende Schuldenlast der Tech-Riesen und wachsende Konkurrenz chinesischer Speicherchip-Hersteller den Markt auf Talfahrt geschickt.
Chipwerte treiben die Erholung
Am heftigsten fiel die Reaktion bei den Speicherchip-Schwergewichten aus. SK Hynix legte um 30 Prozent zu und steuerte auf den besten Handelstag seiner Unternehmensgeschichte zu, Samsung Electronics gewann rund 27 Prozent. Der iShares Semiconductor ETF hatte bereits über Nacht mehr als 8 Prozent zugelegt, nachdem Anleger nach den US-Zahlen wieder in KI-nahe Halbleiterwerte zurückkehrten.
Zusätzlichen Auftrieb bei SK Hynix lieferte ein seltener Insiderkauf: SK-Group-Chef Chey Tae-won erwarb Aktien seines Chipherstellers im Wert von umgerechnet rund 3,2 Millionen Dollar. Der Markt wertete den Schritt als Vertrauenssignal nach dem jüngsten Kursrutsch.
Short-Covering statt reiner Erholung
Analysten sehen hinter der Rallye nicht nur fundamentale Stärke. Ein erheblicher Teil des Anstiegs dürfte auf Short-Covering zurückgehen — Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten ihre Positionen nach dem plötzlichen Umschwung eindecken und verstärkten damit die Aufwärtsbewegung selbst. Hinzu kamen ausländische Käufe und automatische Anpassungen gehebelter ETFs, die den Ausschlag zusätzlich befeuerten.
Fibonacci Asset Management beschrieb das Marktverhalten als Wechsel zwischen Panik und Euphorie binnen weniger Handelstage. Ob aus der scharfen Gegenbewegung mehr wird, hängt nach Einschätzung von Marktbeobachtern davon ab, ob ausländische Investoren auch nach Abklingen des Short-Covering weiter zukaufen. Bleibt das aus, könnte der Kospi schnell wieder in den Modus der vergangenen Woche zurückfallen — zwischen Crashangst und Aufholjagd, ohne stabilen Boden.
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