K+S: Bekommt Potash jetzt Torschlusspanik?

Auf den ersten Blick erscheint es eher wie eine Randnotiz: Der amerikanische Düngemittel-Produzent CF Industries hat Gespräche über eine Fusion mit der niederländischen OCI aufgenommen. Doch darin könnte gehöriger Sprengstoff für die laufende Branchenkonsolidierung stecken und die kanadische Potash bei ihrem Übernahme-Versuch der deutschen K+S unter Zugzwang setzen.

 

© K+S
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Auf dem Papier ist CF Industries eher ein Kaliproduzent aus der zweiten Reihe. Doch im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern hatte der US-Wert in den vergangenen 2 Jahren eine wesentlich bessere Kursperformance an der Börse vorweisen können. Inzwischen hat CF Industries eine Marktkapitalisierung von über 16 Mrd. Dollar und will nun mit den Gesprächen mit OCI den europäischen Markt aufrollen.

OCI scheint dabei besonders interessant zu sein, weil das Unternehmen neben Stückstoff-Dünger auch Methanol und andere auf Erdgas basierende Produkte anbietet. Hinzu kommt, dass OCI eine starke Internationalisierung mitbringen würde von Amerika bis nach Asien.

 

Potash muss nun strategische Szenarien abwägen

Doch was soll das Potash beim Kampf um K+S kümmern? Hier kommt es wohl auf die strategischen Überlegungen an. Zur Erinnerung: Die beiden Branchenführer bleiben Uralkali und Belaruskali. Eine Neuauflage des bisherigen Preiskartells wird es wohl nicht geben, doch dafür wäre denkbar, dass sich Uralkali mehr noch als bislang schon nach China orientiert.

Als Gegengewicht gibt es noch das nordamerikanische Verkaufskartell aus Potash, Agrium und Mosaic. Doch müsste hier sicher neu gedacht werden, falls mit CF/OCI ein neuer gewichtiger Wettbewerber entstehen würde. Wobei die beiden kanadischen Firmen Potash und Agrium den meisten Druck verspüren dürften.

Insofern ist eine Übernahme von K+S nicht nur hinsichtlich möglicher Kapazitätsfragen wichtig für Potash, sondern auch, um den europäischen Markt zu sichern, der bei einem Einstieg von CF Industries bei OCI sicherlich problematischer werden würde.

 

Verliert Potash bei weiterem Zögern den Anschluss?

Tatsache ist: Potash muss aufpassen, bei der laufenden Konsolidierung nicht den Anschluss zu verpassen. Wobei klar zu sein scheint, dass es nicht mehr viele Angebote in der Oberliga gibt. Kleine Übernahmen führen kaum zum Ziel, größere dürfte Potash kaum stemmen können.

Deshalb bleibt bei K+S auch die Spekulation bislang bestehen, dass Potash am Ende doch noch mal nachlegen wird, weil man sich diesen Happen nicht entgehen lassen kann. Allerdings bleibt es bei der ursprünglichen Fragestellung: Wird K+S auch bei den geforderten 50 Euro pro Aktie überhaupt darauf eingehen? Wobei hier das Thema schon längst eine politische Dimension bekommen hat.

 

Politische Dimension unterschätzt?

Denn wenn Potash nicht belastbar Arbeitsplatzgarantien ausspricht, wird es von den involvierten Landesregierungen keine Zustimmung geben. Und auch, wenn K+S über eine feindliche Übernahme zu knacken wäre – gegen die Landespolitik dürfte es kaum etwas werden.

K+S-20-07-15

Fazit für jetzt: Wie wir schon schrieben, würden wir aktuell K+S als Halten-Empfehlung einstufen. Doch sollten Investments keinesfalls ohne Absicherungen getätigt werden, da im Fall einer Absage durch Potash der K+S-Kurs wohl sehr schnell wieder im Bereich 32 Euro landen dürfte.

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