K+S: Verlieren die Investoren langsam den Glauben an eine Übernahme?

Für den Düngemittelproduzenten K+S wird es Anfang der neuen Börsenwoche am Aktienmarkt eng. Mit einem Kurs-Abschlag von rund 2,5% trug das Unternehmen zeitweise die rote Laterne im Leitindex. Was nicht nur dem schwachen Gesamtmarkt anzulasten war, sondern auch der Hängepartie in der Übernahmeschlacht mit der kanadischen Potash.

 

© K+S
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Auf den ersten Blick gibt es nicht viel Neues im Duell zwischen K+S und den Kanadiern. Diese hatten in der letzten Woche durchblicken lassen, dass sie sich durchaus Garantien für die deutschen Produktionsstätten vorstellen können. Doch das wurde vom K+S-Vorstand erneut als zu wenig abgeschmettert. Um es auf den Punkt zu bringen:

 

Legacy-Projekt als Dreh- und Angelpunkt

Das Management von K+S hat kein Vertrauen in die wahren Ambitionen von Potash. Was auch nicht wundert. Denn wenn man auf die Intentionen schaut, warum Potash überhaupt K+S haben will, bleibt unter dem Strich der Eindruck haften, dass man sich nur eines zukünftig größeren Konkurrenten entledigen will.

Dreh- und Angelpunkt dabei bleibt die Legacy-Mine von K+S in Kanada, die Mitte 2016 in Betrieb gehen soll und in die K+S schon rund 2 Mrd. Euro investiert hat. Die globale Ausgangslage ist dabei relativ einfach umrissen: Potash ist über seine Verkaufsorganisation Canpotex, die mit zwei anderen nordamerikanischen Anbietern betrieben wird, unangefochtener Marktführer auf dem internationalen Kalimarkt.

 

Potash als Platzhirsch im Kalimarkt

So bringt es Canpotex auf einen Marktanteil von 28,7%. Zusammen mit K+S brächte man es wohl – unter der Voraussetzung, dass keine Assetverkäufe stattfinden würden – auf einen Marktanteil von 37%. Wobei Potash auch noch in weiteren international tätigen Verkaufsorganisationen tätig ist. Unter dem Strich beherrschen Potash und die beiden russisch/weißrussischen Anbieter Uralkali und Belaruskali rund 70% des Kalimarktes.

Dabei wird aber deutlich: Das Volumenwachstum im Kalimarkt ist robust, die Konkurrenz aber und der Preisdruck groß. Denn der Wettbewerb wird über den Preis ausgetragen und wer da die meiste Marktmacht (weil Marktanteile) hat, hat auch die beste Verhandlungsposition mit den Abnehmern. Zumal eindeutig Überkapazitäten festzustellen sind, die von den Firmen zwar austariert werden sollen, dies aber meist eher schlecht als recht.

 

Soll K+S wirklich nur aus dem Wettbewerb genommen werden?

Kaum vorstellbar, dass Potash in diesem Umfeld einerseits ein großes neues Abbaugebiet gleich nebenan gefallen kann. Andererseits stellt das natürlich die derzeitigen Aussagen in Frage, dass Potash selbst nach einer Übernahme von K+S das Legacy-Projekt weiter fortführen würde. Darauf könnte man sich zwar vertraglich festlegen lassen, einen unternehmerischen Sinn würde aus Sicht von Potash aber nur ein Abbruch der Erschließungsarbeiten machen.

Ein Indiz für dieses Gedankenspiel ist auch, das Potash partout nicht die Berechnungen von K+S, die ihre Forderung von mindestens 51 Euro je Aktie auf das Legacy-Projekt stützen, anerkennen will. Denn hier soll nicht auf Zuwachs, sondern auf Konsolidierung gekauft werden. Und man hätte wohl auch einen guten Sündenbock, denn in der Kombination beider Firmen würden wohl etliche Kartellbehörden Bauchschmerzen bekommen und umfangreiche Asset-Käufe verlangen.

 

So schnell dürfte Potash wohl doch noch nicht aufgeben

Andererseits dürfte Potash zum jetzigen Zeitpunkt wohl kaum den Schwanz einziehen. Denn es besteht ja immer noch die Möglichkeit, zu den aktuellen Kursen oder leicht darüber zum Zuge zu kommen. Schließlich wollte Potash 1997 beim ersten Übernahmeversuch auch nur 51% von K+S. Hier geht es offenbar weiterhin nicht um Integration, sondern um Kontrolle. Und ganz profan: Potash-CEO Jochen Tilk könnte bei einem Abblasen der Aktion durchaus auch um seinen Lob bangen.

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Zwischenfazit: Noch ist nichts entschieden. Würden wir aber tippen müssen, läge am Ende aber wohl ein erfolgloser Übernahmeversuch vor. Denn Potash hat K+S nicht wirklich etwas anzubieten. Andererseits würde es finanziell wohl keinen oder nur wenig Sinn ergeben, viel Geld für die Stilllegung von Ressourcen eines eher mittleren Anbieters auszugeben. Am Ende wird letztlich die Hartnäckigkeit entscheiden und ob es Potash doch versuchen will, hinten rum eine ausreichende Mehrheit einzusammeln.

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