KTG Agrar kann seine Zinsen nicht zahlen

Dass der Markt für Mittelstandsanleihen extrem risikoreich ist, haben Anleger in den vergangenen Jahren teuer lernen müssen. Die Anzahl der Insolvenzen in diesem Marktsegment ist, prozentual zum ausstehenden Volumen, deutlich höher als in anderen Anleihensegmenten. Kein Wunder, dass die Investoren da auf jede Unregelmäßigkeit mit fast panischen Verkäufen reagieren.

© KTG Agrar
© KTG Agrar

Das ist nun auch der KTG Agrar zugestoßen. Das Agrarunternehmen hat heute morgen den Markt mit der Nachricht geschockt, die für heute fälligen Zinsen auf ihre bis Juli nächsten Jahres laufende Anleihe nicht fristgerecht zahlen zu können. Das soll in den kommenden zwei Wochen nachgeholt werden, verspicht das Unternehmen. Doch die Reaktion an der Börse zeigt, dass das kaum jemand glaubt.

KTG Agrar muss für Zinszahlung Assets verkaufen

Das Problem dabei: Die Begründung steht auf wackligen Beinen. So soll der Grund für die – bislang nur als verspätet, nicht als ausgefallen geltende Zinszahlung – darin bestehen, dass es „nicht vorhersehbare Verzögerungen“ beim Verkauf von nicht betriebswichtigen Assets geben habe. Aus den daraus eingeplanten Erlösen sollen die Zinsen gezahlt werden und der Rest in die anstehende Refinanzierung fließen.

Das mag auch alles so stimmen, doch fragen sich viele Anleger nun: Muss also KTG Agrar erst Assets verkaufen, um zahlen zu können? Was ist, wenn keine „nicht betriebsnotwendigen“ Assets mehr vorhanden sind? Schließlich hat das Unternehmen insgesamt zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 342 Mio. Euro ausstehend, wobei die größere mit 250 Mio. Euro eben im kommenden Jahr fällig wird.

Refinanzierung auf der Kippe?

Zwar hat KTG Agrar erklärt, dass man sich in „fortgeschrittenen Verhandlungen“ mit Investoren befände, um die Refinanzierung der 2017er Anleihe sicherzustellen. Aber die neusten Turbulenzen dürften auch von diesen Investoren einige zum Nachdenken bringen. Am Ende könnten die 14 Tage, die es nun die aktuellen Zinsen später geben soll, dem Unternehmen teuer zu stehen bekommen.

Der Markt hat auf die Ankündigung mit massiven Kursabschlägen sowohl bei den Anleihen als auch in der Aktie reagiert. So ging die Aktie in der Spitze um mehr als 30% in die Knie. Die betroffene Anleihe wurde in der Spritze fast halbiert. In Mitleidenschaft wurden dabei auch die Papiere der Tochter KTG Energie gezogen, die schnell erklären musste, nicht für die Verbindlichkeiten der Muttergesellschaft gerade stehen zu müssen. Geholfen hat es aktuell aber wenig.

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Was soll mit der Anleihe gemacht werden

Was sollten Anleihengläubiger nun tun? Tatsache ist, dass das sprichwörtliche Kind nun bereits in den Brunnen gefallen ist. Letztlich gibt es jetzt eine Karenzzeit von den angekündigten 14 Tagen, in denen KTG Agrar die Zinszahlung über immerhin insgesamt 17,8 Mio. Euro nachholen kann. Wird das gemacht, könnte sich der Kurs der Anleihe erholen, wobei wir aktuell aber nur mit Kursen bis auf 80% rechnen würden.

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Entscheidend ist dann erstens, welche weiteren Meldungen es zur Refinanzierung gibt und ob es erneute Schwierigkeiten bei der Zinszahlung dann zur 2019er Anleihe gibt, bei der KTG Agrar am 15. Oktober 6,67 Mio. Euro zahlen muss. Wir würden von diesen beiden Terminen eine Verkaufsempfehlung abhängig machen bzw. dann neu bewerten. Aktuell sollten Anleger notgedrungen erst mal weiter halten.

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