Kupfer, Aluminium, Laserfusion: Wer die KI-Wende physisch verbaut

Neue Projekte von RWE, Prysmian und Befesa zeigen den wachsenden Bedarf an Metallen und Energie, während Bitcoin regulatorischen Rückenwind erhält.

Die Kernpunkte:
  • Befesa investiert 35,56 Millionen Euro
  • RWE beteiligt sich an Laserfusion
  • Bitcoin steigt über 80.000 Dollar
  • Bankenkonsolidierung bleibt langfristiges Thema

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

während am Freitag der große Verfallstag die Kassakurse an Europas Börsen durcheinanderwirbelte, lief das eigentlichere Investment-Thema der Woche nebenher: Wer liefert die physische Infrastruktur für Rechenzentren, Stromnetze und Rüstungsgüter? Drei Deals aus den vergangenen Tagen beantworten das konkreter als jede Chip-Debatte – und zeigen, dass Kupfer, Aluminium und Kraftwerkskapazität eine reale, bepreisbare Nachfrage bedienen.

Die physische Basis der KI-Wende wird jetzt verbaut

Prysmian und Rio Tinto liefern CO2-armes Aluminium aus der ELYSIS-Technologie für ein Amazon-Rechenzentrum in Ohio – die Stromkabel dafür fertigt Prysmian im US-Werk Sedalia, Ziel ist Netto-Null bis 2040 für AWS. Es ist die Fortsetzung einer im März 2026 begonnenen Kooperation, kein Einzelfall. Parallel erweitert Befesa in Bernburg seine Sekundäraluminium-Kapazität: 35,56 Millionen Euro Investitionssumme, rund 40 neue Stellen. Und RWE steckt 60 Millionen Euro in das Laserfusions-Start-up Focused Energy, das in Biblis nach eigenen Angaben das erste Laserfusionskraftwerk der Welt bauen will – nach einer 240-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde im Frühjahr.

Für Anleger ist das bemerkenswert unspektakulär gepreist: Rio Tinto gab am Freitag rund 1 Prozent ab, Prysmian notierte knapp im Minus, RWE bewegte sich nach seinem 52-Wochen-Hoch vom Vortag kaum. Die Kursreaktionen sind gering, aber die Auftragslage dahinter ist strukturell, nicht spekulativ – das ist der eigentliche Punkt. Ergänzt wird das Bild durch Deutz, das für 1,6 Milliarden Euro den Antriebsspezialisten FFG übernehmen will, und durch RENK, das nach einer Hochstufung durch Goldman Sachs auf „Buy“ am Freitag um 4,7 Prozent zulegte. Die Wette der nächsten Investitionswelle lautet damit nicht mehr nur Chip-Knappheit, sondern: Wer liefert die Metalle und die Kraftwerkskapazität dafür?

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings. Laut einem Linklaters-Berater ist das von der Regierung Merz vor eineinhalb Jahren erhoffte private Kapital für Infrastruktur- und Verteidigungsprojekte bislang nicht in nennenswertem Umfang geflossen. RWE und Befesa treffen Unternehmensentscheidungen – eine Welle privaten Infrastrukturkapitals ist das noch nicht.

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Bitcoin widerlegt die Skeptiker, vorerst

Die Kryptowährung sprang am Freitag um rund 6 Prozent auf über 80.000 Dollar – über eine Marke, die CoinShares in einer aktuellen Einschätzung für 2026 noch für unwahrscheinlich hielt. Begründet hatten die Analysten ihre Zurückhaltung mit der restriktiven Fed-Politik und dem Scheitern des CLARITY Act, der vergangene Woche mit 49 zu 50 Stimmen im US-Senat durchfiel (die Circle-Aktie war damals um 11 Prozent eingebrochen).

Gegen diese Skepsis stehen jetzt zwei Fakten: Die US-Börsenaufsicht SEC hat eine „Innovation Exemption“ genehmigt, die tokenisierte US-Aktien für die nächsten fünf Jahre regulatorisch absichert. Und Strategy-CEO Phong Le bekräftigte, sein Unternehmen werde nie aufhören, Bitcoin zu kaufen – man halte weiterhin die weltweit größte Unternehmensposition. Ethereum zog mit knapp 7 Prozent auf über 2.500 Dollar nach, XRP kletterte gut 6 Prozent auf über 1,30 Dollar.

Für Anleger ist die Botschaft ambivalent: Der Markt preist den regulatorischen Rückenwind derzeit stärker ein als die geldpolitische Bremse. Wer daran zweifelt, kann das über CoinShares selbst handeln – die Aktie legte am Freitag im US-Handel rund 4 Prozent zu, notiert aber immer noch unter ihrem Ende August erreichten 52-Wochen-Hoch.

Die Bankenfusion, die 2024 scheiterte, ist wieder Thema, nur ohne Deal

Führende EU-Vertreter fordern, europäische Banken müssten größer werden und einen tieferen Kapitalmarkt bekommen, um mit den USA konkurrieren zu können. EU-Kommissar Pierrakakis rechnet vor: US-Banken investieren gemessen am Vermögen das 2,5-Fache in IT im Vergleich zu ihren europäischen Konkurrenten. Der Subtext ist unübersehbar. UniCredits Übernahmeangebot für die Commerzbank war im Herbst 2024 am politischen Widerstand aus Berlin gescheitert – doch die strukturelle Argumentation dafür ist heute stärker als damals.

Handelbar wird das Thema an beiden Aktien: Commerzbank gab am Freitag rund 2 Prozent nach auf knapp 40,60 Euro, nachdem sie erst am Mittwoch ein neues 52-Wochen-Hoch markiert hatte. UniCredit verlor knapp 3 Prozent auf gut 81 Euro und bleibt damit ebenfalls in Reichweite ihres jüngsten Hochs von Ende August. Wer auf eine Neuauflage der Konsolidierungsdebatte setzt, sollte sie als Mehrjahresthese verstehen, nicht als Wochenspekulation.

Die Fed bremst, die deutsche Industrie blutet, Berlin bleibt bei der Übergewinnsteuer vorerst außen vor

Nach der jüngsten Zinserhöhung auf 3,75 bis 4,00 Prozent preist der Markt eine Wahrscheinlichkeit von rund 55 Prozent für einen weiteren Zinsschritt im Oktober ein. Die zehnjährige US-Rendite liegt bei fast 5 Prozent, der Euro gibt gegenüber dem Dollar nach. Parallel bestätigt sich die konjunkturelle Schwäche in Deutschland: Der BDI spricht von der „historisch tiefsten Krise“ mit vier Jahren rückläufiger Produktion in Folge, die Chemiebranche fährt nur noch mit 70 Prozent Auslastung.

Immerhin eine Randnotiz zur Entlastung: Die EU-Kommission hat Finanzminister Klingbeils Vorstoß für eine EU-weite Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne vorerst abgelehnt – ein Aufschub, von dem auch Energieversorger wie RWE profitieren, auch wenn Brüssel das Thema nach eigener Prüfung nicht endgültig vom Tisch hat.

Der globale Kompass

Drei Beobachtungen für die kommenden Tage: Erstens laufen die Materials- und Energie-Investitionen von RWE, Prysmian und Befesa unabhängig von der Zinsdebatte weiter – das macht sie zu einem robusteren Anker als die kurzfristigen Kursausschläge am Verfallstag. Zweitens entscheidet sich bei Bitcoin in den nächsten Wochen, ob die regulatorische Erleichterung durch SEC und Strategy die restriktive Fed-Politik tatsächlich überkompensiert, oder ob der Sprung über 80.000 Dollar eine Ausnahme bleibt. Drittens lohnt an der Commerzbank-Front der Blick auf jedes politische Signal aus Brüssel: Die fundamentale Logik für eine Bankenkonsolidierung ist stärker geworden, auch ganz ohne neuen Übernahmeversuch. Der gemeinsame Nenner aller drei Themen ist derselbe: Die strukturelle Nachfrage nach Metallen, Kapazität und Kapital bleibt bestehen, unabhängig davon, wie die Indizes am nächsten Verfallstag ausschlagen.

Ein kurzer Blick nach vorn zum Wochenende: Wer jetzt die Positionen sortiert, tut gut daran, zwischen Kursrauschen und struktureller Nachfrage zu unterscheiden – Letztere hat diese Woche mehr über die kommenden Jahre verraten als jede Tagesbewegung.

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