Kupfer auf Rekordkurs, Platin bricht Trend, Gold pausiert
Kupfer erreicht an der Comex ein neues Rekordhoch, während Platin einen Trendbruch vollzieht. Gold und Silber warten indes auf die US-Inflationsdaten.

- Kupfer erreicht neues Rekordhoch
- Platin durchbricht Abwärtstrend
- Gold wartet auf Inflationsdaten
- Brent steigt wegen Hormuz-Sorgen
Während Gold-Anleger auf die US-Inflationsdaten am Mittwoch warten, hat sich an der Comex längst ein anderer Rohstoff an die Spitze gesetzt. Kupfer markiert Rekordhöhen, Brent Crude klettert bereits die dritte Session in Folge, und Platin überrascht mit einem technischen Trendbruch, der neue Fantasie freisetzt. Fünf Rohstoff-Preise stehen damit aktuell besonders im Blickfeld: Gold, Silber, Brent Crude, Platin und Kupfer.
Gold: Konsolidierung nach starkem Lauf
Der Goldpreis notiert nahezu unverändert bei 4.347,52 US-Dollar, ein Rückgang von 0,19 Prozent bleibt vernachlässigbar. Nach den kräftigen Zugewinnen der Vorwoche pendelt das Edelmetall in einer engen Spanne.
Im Markt dreht sich die Diskussion weiterhin um Golds Rolle als langfristiger Kaufkraftschutz. Inflation, Staatsverschuldung, geopolitische Risiken und anhaltende Zentralbankkäufe stützen diese Sichtweise.
Technisch gilt die Marke von rund 4.200 US-Dollar als Ausbruchsschwelle nach oben. Die Zone zwischen 3.960 und 4.000 Dollar fungiert als Unterstützung, während 4.490 Dollar als nächstes Ziel gehandelt wird. Unterhalb von 3.960 Dollar drohen dagegen Rückgänge bis 3.800 Dollar.
Am Mittwoch dürfte sich zeigen, ob Gold die Konsolidierung überwindet oder in eine tiefere Korrektur rutscht. Mehrere große Analysehäuser haben ihre Jahresendziele zuletzt nach unten angepasst, weil eine Zinssenkung der US-Notenbank für 2026 zunehmend unwahrscheinlich erscheint.
Silber: Wochenschluss über 63 Dollar als Sprungbrett?
Silber zeigte sich zuletzt widerstandsfähiger als sein großer Bruder. Ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht gab nicht nur Gold und Silber Auftrieb, sondern schob auch Aktienindizes wie den Dax an. Die Handelswoche endete oberhalb von 63 US-Dollar – ein Niveau, das als Sprungbrett für eine Trendwende gelten könnte.
Ein wichtiger Indikator für die relative Bewertung ist die Gold-Silber-Ratio. Sie liegt derzeit bei 68,3, verglichen mit knapp über 70 vor einer Woche. Silber holt sich damit sichtbar Momentum zurück.
Nun richtet sich der Blick auf Mittwoch. Die anstehenden US-Inflationsdaten könnten die Situation grundlegend verändern und das Edelmetall endgültig aus der Korrektur befreien. Auch Silberproduzenten reagieren bereits deutlich: Die Aktien von Fresnillo, Hecla Mining und dem kanadischen Gold-Silberproduzenten Pan American Silver legten angesichts der neuen Gemengelage kräftig zu.
Brent Crude: Dritte Gewinnsession dank Hormuz-Unsicherheit
Beim Öl dominiert weiterhin die Geopolitik. Brent stieg auf 84,18 US-Dollar je Barrel, ein Plus von 0,75 Prozent gegenüber dem Vortag – die dritte Gewinnsession in Folge.
Unsicherheit über die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz bleibt der zentrale Preistreiber. Iran erklärte, Gespräche mit Oman über eine Schifffahrtsroute durch die strategische Wasserstraße stünden kurz vor einem Abschluss. Gleichzeitig warnte Teheran, dass eine Vereinbarung nicht zu einer sofortigen Öffnung von Hormuz führen werde.
Die Lage bleibt fragil. Direkte Verhandlungen mit den USA lehnte Teheran vorerst ab und verwies auf Verstöße gegen die im Juni erreichte Zwischen-Friedensvereinbarung, während Washington Geduld signalisierte. Zusätzlich beanspruchten iranisch gestützte Huthi-Milizen im Jemen einen Angriff auf die saudische Jazan-Raffinerie, während ein von der Abu Dhabi National Oil Co. betriebener Tanker in Hormuz über das Wochenende angegriffen wurde.
Die Bedeutung der Route lässt sich kaum überschätzen: Vor der Krise wickelte die Straße von Hormuz rund ein Viertel des weltweiten Seeölhandels und ein Fünftel der globalen Flüssiggasströme ab. Eine Störung dieser Größenordnung lässt dem physischen Markt keinen Spielraum und zwingt Käufer, sich alternative Lieferungen mit deutlichem Aufschlag zu sichern. Das breitere Marktumfeld bleibt entsprechend vorsichtig, US-Aktien tendierten zuletzt moderat im Minus.
Platin: Trendbruch sorgt für neue Kursdynamik
Unter den Edelmetallen war zuletzt vor allem Platin der Überraschungsgewinner. Der Bruch des mittelfristigen Abwärtstrends verdeutlicht eine qualitativ neue Situation – auch wenn das makroökonomische Umfeld herausfordernd bleibt, hellte sich das Investoren-Sentiment deutlich auf. Palladium profitiert von der Bewegung mit.
Der Future-Markt bestätigte den Umschwung bereits Anfang August. Der Platin-Future kletterte mit knapp acht Prozent Tagesplus aus einer sechswöchigen Seitwärtsrange nach oben, begleitet vom höchsten Handelsvolumen seit Wochen.
Fundamental bleibt der Angebotsmangel der zentrale Treiber. Das World Platinum Investment Council rechnet für 2026 mit einem Defizit von rund 297.000 Unzen – bereits das vierte Defizitjahr in Folge. Bank of America nannte für das vierte Quartal 2026 ein Kursziel von 3.000 US-Dollar.
Gegenläufig wirkt allerdings die Nachfrageseite. Das WPIC erwartet für 2026 einen Rückgang der Gesamtnachfrage um neun Prozent auf gut 7,67 Millionen Unzen. Besonders stark bricht die Investmentnachfrage ein, minus 54 Prozent, nachdem im Vorjahr massive ETF-Zuflüsse das Bild geprägt hatten. Bei Schmuck rechnet der Branchenverband mit einem Minus von zwölf Prozent.
Kupfermarkt: Zollangst treibt Comex-Futures auf Rekordhoch
Kein Rohstoff sorgte zuletzt für so viel Aufsehen wie Kupfer. An der New Yorker Comex erreichten die Futures mit 6,86 Dollar je Pfund ein neues Rekordhoch und übertrafen damit die bisherige Bestmarke aus dem Mai bei 6,716 Dollar. Während bei Edelmetallen die meisten Anleger zuerst an Gold und danach an Silber denken, trumpft 2026 ausgerechnet das Industriemetall groß auf.
Auslöser der Rally ist vor allem die drohende US-Handelspolitik. Anleger spekulieren darauf, dass die Regierung von Präsident Trump künftig Importzölle auf raffiniertes Kupfer erheben könnte. Diese Unsicherheit sorgt bereits jetzt für massive Verwerfungen am globalen Kupfermarkt.
Die Jahresperformance untermauert die Sonderstellung des Metalls: Seit Jahresbeginn hat Kupfer rund 20 Prozent zugelegt und damit Gold und Silber deutlich hinter sich gelassen. Neben der Zollthematik bleiben strukturelle Faktoren relevant – der globale Übergang zu saubererer Energie und die rasche Expansion von Rechenzentren für künstliche Intelligenz stützen die langfristige Nachfrage.
Zusätzlich verschärfen Engpässe bei Kupferkonzentrat und Schrottkupfer im größten Verbraucherland China die Marktspannen. Händler bleiben vorsichtig bezüglich neuer US-Zölle, was die Umleitung von Lieferungen in die USA zusätzlich begünstigt.
Vergleichende Sektordynamik: Drei Preistreiber, ein Muster
Wer die fünf Rohstoff-Preise nebeneinander betrachtet, erkennt ein klares Muster: Politische und regulatorische Unsicherheit dominiert derzeit fast jede Preisbewegung.
- Brent: ungeklärte Hormuz-Frage als Preistreiber
- Kupfer: drohende US-Zollpolitik sorgt für Rekordniveaus
- Gold und Silber: Zinserwartungen der Fed bestimmen die Richtung
- Platin: strukturelles Angebotsdefizit befeuert die technische Wende, unabhängig von geopolitischen Schlagzeilen
Auffällig ist zudem die Divergenz innerhalb der Edelmetallgruppe. Während Gold nach seinem Lauf konsolidiert und Silber auf den Impuls der Inflationsdaten wartet, hat Kupfer die beiden Schwergewichte performancetechnisch längst hinter sich gelassen. Diese Rotation von klassischen sicheren Häfen hin zu Industriemetallen mit strukturellen Angebotsdefiziten dürfte auch in den kommenden Wochen ein bestimmendes Thema bleiben – zumal sowohl bei Platin als auch bei Kupfer fundamentale Knappheit und nicht nur Spekulation die Kursbewegung trägt.
Was Anleger in den kommenden Tagen beachten sollten
Der Mittwoch dürfte für die Edelmetalle zum entscheidenden Termin werden. Die US-Inflationsdaten könnten sowohl bei Gold als auch bei Silber die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben.
Beim Ölmarkt bleibt die Entwicklung rund um die Straße von Hormuz der dominierende Faktor – jede Nachricht zu einem möglichen Iran-Oman-Abkommen kann Brent kurzfristig um mehrere Dollar bewegen. Beim Kupfermarkt richtet sich der Blick weiterhin auf mögliche neue US-Zollentscheidungen.
Bei Platin steht die Frage im Raum, ob der jüngste Trendbruch tragfähig ist oder ob die schwächere Investmentnachfrage die fundamentale Knappheit letztlich überkompensiert. Geopolitische Ereignisse, Handelspolitik und Notenbankentscheidungen sind derzeit enger verknüpft als lange Zeit zuvor – für Anleger in allen fünf Rohstoffen bleibt diese Gemengelage der zentrale Risikofaktor.
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