Kupfer schlägt Chips: Warum das Kapital nach dem Jobs-Schock ins Metall flieht

Schwache US-Arbeitsmarktdaten treiben Anleger in Rohstoffe. Kupfer erreicht Rekordniveau, während der DAX neue Höchststände markiert.

Die Kernpunkte:
  • US-Arbeitsmarkt enttäuscht deutlich
  • Kupferpreis nahe Rekordhoch
  • Airbnb und Cloudflare überzeugen
  • Allianz mit Rekordgewinn

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die US-Wirtschaft hat im Juli erstmals seit der Pandemie-Erholung netto Stellen abgebaut — 23.000 weniger, während Ökonomen mit einem Plus von rund 80.000 gerechnet hatten. Eine Zahl, die eigentlich Alarm auslösen sollte. Stattdessen kletterte der DAX am Freitag auf ein frisches Rekordhoch über 26.440 Punkten. Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch: Das Kapital wettet darauf, dass die Fed die Zügel nicht weiter anzieht — und sucht sich abseits der Chip-Bühne neue Ziele. Das interessanteste davon ist ausgerechnet ein Industriemetall, das seit Jahresbeginn leise, aber beharrlich neue Höchststände markiert.

Der schwache Arbeitsmarkt kippt die Zinserwartung

Die Zahlen sind unmissverständlich schwach. Die Mai- und Juni-Werte wurden zusammen um 103.000 Stellen nach unten revidiert, der Juni schrumpfte auf nur noch 20.000 — von ursprünglich gemeldeten 57.000. Dass die Arbeitslosenquote trotzdem auf 4,1 Prozent sank, ist kein Grund zur Beruhigung: Sie sank, weil mehr Menschen den Arbeitsmarkt ganz verließen. Die Erwerbsquote fiel auf 61,4 Prozent, den tiefsten Stand seit Jahrzehnten.

Die Reaktion an den Anleihemärkten kam prompt. Die Renditen gaben nach, die zweijährige US-Staatsanleihe rentierte bei rund 4,2 Prozent, der Dollar schwächte sich ab. Am Terminmarkt kippte die Erwartung einer weiteren Fed-Zinserhöhung im September — die Wahrscheinlichkeit dafür liegt nun bei etwa 44 Prozent, zuvor waren es über 50. Für deutsche Anleger heißt das: Der aktuelle Rückenwind für Aktien kommt nicht aus starken Unternehmensgewinnen, sondern aus der Hoffnung auf eine zurückhaltendere Notenbank. Das ist eine fragile Basis für eine Rally — gut für Bewertungen, aber kein Ersatz für Substanz.

Kupfer als die eigentliche Konjunkturwette

Während die Aufmerksamkeit weiter an den Chip-Charts klebt, hat sich daneben ein Trend aufgebaut, der mehr über die reale Wirtschaft verrät: Kupfer notiert über 14.000 Dollar je Tonne, nahe seinem Rekordhoch — ein Plus von rund 14 Prozent seit Jahresbeginn. Der Antrieb ist kein Spekulationsphänomen, sondern echte Knappheit. Chiles Kupfer-Produktion brach im zweiten Quartal um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein, der tiefste Stand seit 19 Jahren, ausgelöst durch Winterstürme. Hinzu kommt: Die Demokratische Republik Kongo hat ein sofortiges Exportverbot für Kupfer- und Kobaltkonzentrate verhängt. Die Behandlungsgebühren für Minenkonzentrate (TC/RCs) liegen mit rund minus 160 Dollar je Tonne tief im negativen Bereich — ein verlässliches Zeichen dafür, wie angespannt das Angebot tatsächlich ist.

Entscheidend ist dabei weniger der Preis selbst als das Signal, das er sendet. Kupfer gilt unter Ökonomen seit Jahrzehnten als der zuverlässigste Konjunkturindikator überhaupt — weil es in praktisch jeder Industrie verbaut wird, von Bauwirtschaft bis Elektronik. Dass der Preis trotz schwacher US-Arbeitsmarktdaten steigt, spricht für ein strukturelles Defizit, das über den aktuellen Konjunkturzyklus hinausreicht: Die Prognosen gehen für 2026 von einem globalen Angebotsfehlbetrag aus. Der COPX-ETF, ein Korb aus Kupferproduzenten, legte in den vergangenen 30 Tagen 18 Prozent zu. Für Anleger, die auf einen widerstandsfähigen Konjunkturausblick setzen wollen, ohne sich der Volatilität einzelner Tech-Werte auszusetzen, sind Metall-ETCs oder Minen-ETFs derzeit eine handelbare Alternative zur nächsten Chip-Wette.

Ein strukturelles Engpass-Thema, das sich nicht nur bei Industriemetallen zeigt, sondern auch bei der Energieinfrastruktur selbst: Der Strombedarf für KI-Rechenzentren in Deutschland wächst schneller, als das Netz mithalten kann — und genau darum geht es im Live-Webinar „Der Gigawatt-Code: Deutschlands letzte Energie-Hoffnung!“ von Felix Baarz. Am 09.08.2026 um 18:00 Uhr ordnet er ein, warum der Rekord-Auftragseingang von Siemens Energy in Höhe von 17,7 Milliarden Euro erst der Anfang einer größeren Bewegung sein könnte — während der US-Wettbewerber GE Vernova mit schwachen Zahlen zuletzt einen branchenweiten Ausverkauf ausgelöst hat. Baarz zeigt außerdem, wie das seit 1. Juli geltende Energieeffizienzgesetz und der von Bitkom prognostizierte Anstieg der deutschen Rechenzentrumsleistung von rund 3.000 auf 5.000 Megawatt bis 2030 die Karten in diesem Sektor neu verteilen. Wer wie beim Kupfer nach Substanz jenseits der Chip-Watchlist sucht, findet in der Energie-Infrastruktur ein ähnliches Knappheitsmuster. Jetzt Platz im Webinar sichern

Airbnb und Cloudflare zeigen: Die Berichtssaison kennt kein Pauschalurteil

Nicht jede Quartalszahl wird bestraft — das haben zuletzt vor allem die Reaktionen bei Chipwerten vermuten lassen. Airbnb legte am Donnerstagabend nach US-Handelsschluss Zahlen vor, die Umsatz und Ausblick über den Erwartungen sahen. Die Aktie schoss am Freitag im Verlauf zweistellig nach oben und markierte ein neues 52-Wochen-Hoch. Cloudflare lieferte ein ähnliches Bild: Nach einer angehobenen Gewinnprognose sprang die Aktie deutlich zu, ebenfalls auf ein neues Jahreshoch.

Die Gegenprobe kam von ResMed, das nach seinen Quartalszahlen im Verlauf klar unter Druck geriet, und von UWM Holdings, das nach dem Aussetzen der Dividende regelrecht abstürzte — die Aktie notiert nur noch bei gut einem Dollar. Die Lehre für Anleger bleibt dieselbe wie in den vergangenen Wochen: Die Berichtssaison trennt gnadenlos zwischen Firmen mit angehobener Guidance und solchen, die enttäuschen. Wer breit im Nasdaq investiert ist, sollte diese Streuung nicht mit einem generellen Tech-Rückenwind verwechseln.

Allianz glänzt, Munich Re enttäuscht — der Markt kennt kein Mitleid

Bei den deutschen Versicherungsschwergewichten zeigt sich derselbe Selektionsmechanismus. Die Allianz meldete einen operativen Rekordgewinn mit einem Plus von 11 Prozent im zweiten Quartal — dennoch gab die Aktie im Verlauf leicht nach. Die DZ Bank hob den fairen Wert auf 486 Euro und bekräftigte „Kaufen“, während die UBS mit einem Kursziel von 430 Euro vorsichtiger bei „Neutral“ bleibt.

Munich Re dagegen kappte das Umsatzziel und stand im Verlauf unter Druck. Die bestätigte Gewinnprognose von 6,3 Milliarden Euro reichte dem Markt nicht — RBC beließ die Aktie bei „Sector Perform“ mit Kursziel 500 Euro. Die Botschaft dahinter: Der Rückversicherungsmarkt erlebt Preisdruck, und der Markt honoriert bestätigte Ziele nicht mehr, sobald ein einzelner Wert enttäuscht. Für Depots mit Finanztitel-Gewichtung heißt das, genauer zwischen Erstversicherer und Rückversicherer zu unterscheiden, statt die Branche als Block zu betrachten.

Der globale Kompass

Die kommenden Wochen stehen im Zeichen einer Fed, deren nächster Schritt so offen ist wie lange nicht, und eines Marktes, der jede Enttäuschung sofort abstraft, jede positive Überraschung aber ebenso schnell honoriert. Die eigentlich bemerkenswerte Geschichte dieses Freitags spielt sich jedoch abseits der Halbleiter-Charts ab: Der Kupferpreis erzählt von einer Angebotsknappheit, die von der US-Konjunkturschwäche kaum berührt wird — ein Signal für reale industrielle Nachfrage, nicht für Liquiditätsschwemme. Wer nach Substanz sucht, findet sie derzeit eher im Metall und in Firmen mit angehobener Guidance als im nächsten Halbleiter-Hype. Für das Wochenende bedeutet das: Ein Blick auf die Rohstoffseite des Depots lohnt sich gerade mehr als der zehnte Blick auf die Chip-Watchlist.

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