Kupfer vor Zoll-Showdown, Gold und Öl im Sog der Fed

Gold und Silber unter Druck durch starken Dollar, während Kupfer auf US-Zollentscheidung wartet. Öl verliert Risikoprämie.

Die Kernpunkte:
  • Gold fällt trotz Zentralbankkäufen
  • Silber leidet unter Dollar-Stärke
  • Ölpreis bricht nach Hormuz-Krise ein
  • Kupfer vor möglichen US-Importzöllen

Hawkische Signale aus Washington, ein ins Stocken geratener Iran-Deal und Chiles schrumpfende Minenproduktion — drei Kräfte formen den Rohstoffmarkt diese Woche. Während Edelmetalle und Öl unter demselben Doppeldruck aus starkem Dollar und steigenden Zinserwartungen leiden, tickt am Kupfermarkt eine ganz eigene Uhr. Der 30. Juni rückt näher.

Gold: Zentralbanken kaufen, Anleger verkaufen

Die Fed hat den Goldmarkt in die Zange genommen. Unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh hielt das FOMC den Leitzins einstimmig bei 3,5 bis 3,75 Prozent — und signalisierte intern wachsende Bereitschaft für Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf. Die Folge: steigende Realrenditen, ein festerer Dollar und massiver Verkaufsdruck auf Gold.

Der Preis je Feinunze schloss am Freitag bei 4.172,90 USD. Seit dem Rekordhoch Ende Januar hat das Edelmetall mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Allein im vergangenen Monat ging es knapp acht Prozent nach unten.

Gegen diesen Strom stemmt sich ein mächtiger Käufer: die Zentralbanken der Schwellenländer. Im ersten Quartal 2026 erwarben sie netto rund 244 Tonnen Gold — leicht über dem Vorjahresquartal. Diese Käufe sind strategisch motiviert und reagieren kaum auf kurzfristige Preisbewegungen. Sie bilden den Boden, auf dem die langfristigen Prognosen der Investmentbanken stehen.

Die Analysten zeigen sich nach dem Rücksetzer gespalten, tendieren aber mehrheitlich optimistisch:

  • Citi hob das 3-Monats-Kursziel Mitte Juni von 4.000 auf 4.500 USD an und hält an der bullischen 6-bis-12-Monats-Prognose von 5.000 USD fest
  • Barclays sieht den aktuellen Rückgang als Preis-Reset, nicht als Ende des Bullenmarktes, und prognostiziert 4.791 USD für 2026
  • Commerzbank erhöhte ihr Jahresendziel auf 5.000 USD je Unze

Kein Wunder, dass Goldman Sachs sein Goldkursziel von 5.400 USD unangetastet ließ — obwohl die Bank gleichzeitig alle verbliebenen Zinssenkungserwartungen für 2026 strich. Die bullische These basiert auf struktureller Nachfrage, nicht auf geldpolitischer Lockerung.

Silber: Rekorddefizit prallt auf Dollar-Stärke

Silber traf es härter als Gold. Am Freitag fiel der Preis um 2,61 Prozent auf 64,09 USD. In den vergangenen drei Wochen korrigierte das Industriemetall von 74 auf unter 65 USD — ein Rückgang, der die höhere Volatilität von Silber schmerzhaft illustriert. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von über elf Prozent.

Die fundamentale Ausgangslage widerspricht diesem Preisverfall diametral. Das Silver Institute prognostiziert für 2026 ein sechstes Angebotsdefizit in Folge: 46,3 Millionen Unzen fehlen dem Markt. Seit 2021 haben sich die oberirdischen Lagerbestände um kumuliert 762 Millionen Unzen verringert. Silber fällt überwiegend als Nebenprodukt bei der Kupfer-, Zink- oder Bleiförderung an — das Angebot lässt sich kaum gezielt ausweiten.

Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 62 und damit historisch niedrig, was Silbers relative Stärke über längere Zeiträume unterstreicht. Kurzfristig überwiegt allerdings der makroökonomische Gegenwind. Sollte der Iran-Deal dauerhaft zu niedrigeren Energiepreisen führen, fällt ein wesentlicher Inflationstreiber weg. Das begrenzt den Druck auf die Realzinsen — und damit indirekt das Aufwärtspotenzial für Silber.

Brent Crude: Die Risikoprämie schmilzt dahin

Die Ölmärkte haben eine dramatische Woche hinter sich. Brent schloss am Freitag bei 80,59 USD je Barrel — auf den ersten Blick ein solides Niveau. Im Monatsverlauf sind die Preise jedoch um über 23 Prozent eingebrochen. Der Wochenverlust steuerte auf rund 8,5 Prozent zu, womit die meisten Gewinne aus der Hochphase des Hormuz-Konflikts wieder abgegeben wurden.

Die Straße von Hormus — Durchgangsroute für rund 25 Prozent des weltweiten Seehandels mit Öl — stand wochenlang im Zentrum der Preisspekulation. Teheran verlangt inzwischen verpflichtende Versicherungspolicen für Schiffe, die die Meerenge passieren. Ein Signal, das Irans Kontrollanspruch unterstreicht, ohne die Passage formal zu blockieren.

Dann der Rückschlag: Das für Freitag geplante US-iranische Treffen auf dem Bürgenstock bei Luzern wurde abgesagt. Die Iraner wollen zunächst sehen, dass der vereinbarte Waffenstillstand an allen Fronten — auch im Libanon — konsequent umgesetzt wird.

Die großen Investmentbanken haben ihre Prognosen bereits angepasst. Morgan Stanley sieht Brent bei durchschnittlich 80 USD im vierten Quartal 2026 und 90 USD im dritten Quartal. Citi warnt, dass der Markt eine vollständige Erholung der Hormuz-Durchflüsse noch nicht eingepreist hat. In diesem Szenario könnten die Preise kurzfristig um weitere 10 bis 15 USD je Barrel fallen. Für 2027 rechnet Citi mit einem Überschuss von rund vier Millionen Barrel pro Tag — und Preisen unter 70 USD.

Rohöl WTI: Volatil zwischen Hoffnung und Realität

WTI reagiert noch nervöser auf die Nachrichtenlage als die europäische Benchmark Brent. Nach einem Spike auf 119 USD während der Hochphase der Hormuz-Krise korrigierte der Preis zuletzt auf rund 75 USD. Am 15. Juni kreuzte WTI die 100-Tage-Linie nach unten — ein charttechnisches Warnsignal.

Die Absage des Schweizer Treffens traf den Markt empfindlich. Weitere Verhandlungen wurden vorübergehend ausgesetzt, bis der Iran seine Bedingungen erfüllt sieht. Das hält die geopolitische Risikoprämie in der Schwebe — nicht mehr so hoch wie auf dem Höhepunkt der Krise, aber auch nicht verschwunden.

Historisch niedrige Lagerbestände begrenzen das Abwärtspotenzial, während schwache Nachfrage aus Asien die Preise drückt. Eine Erholung des Angebots bedeutet nicht zwangsläufig einen kontinuierlichen Abwärtstrend. Die Stabilisierung über dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt die entscheidende Marke für das bullische Szenario.

Kupfer: Chiles Produktionseinbruch trifft auf drohende US-Zölle

Am Kupfermarkt überlagert ein struktureller Faktor das geopolitische Rauschen. Chile — Lieferant von rund einem Viertel des globalen Kupfers — verzeichnete im Februar 2026 mit 378.554 Tonnen die niedrigste Monatsproduktion seit fast neun Jahren. Die Quartalsproduktion lag insgesamt 5,8 Prozent unter dem Vorjahr, mit den größten Rückgängen bei den Minen El Teniente, El Abra, Spence und Escondida.

Saisonale Faktoren wie Sommerregen und schwere Dünung an Hafeninfrastrukturen verschärften die Lage temporär. Die eigentlichen Treiber sind jedoch strukturell: sinkende Erzgehalte und Projektverzögerungen, die sich nicht in einer Saison beheben lassen.

Kupfer schloss am Freitag bei 6,34 USD je Pfund — nur gut fünf Prozent unter dem jüngsten Allzeithoch vom Mai. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über elf Prozent. Im Monatsvergleich bewegt sich der Preis kaum. Ein bemerkenswerter Kontrast zu Gold, Silber und Öl.

Der alles entscheidende Termin ist der 30. Juni. Dann geht der Section-232-Bericht zu raffiniertem Kupfer an den US-Präsidenten. Goldman Sachs erwartet Zölle von mindestens 25 Prozent. Das ICSG hat die 2026er-Bilanz derweil von einem Defizit von 150.000 Tonnen auf einen Überschuss von 96.000 Tonnen revidiert — eine massive Anpassung, die den Markt kurzfristig verunsichert. Jefferies hält dagegen: Die hohen Preise dürften länger anhalten als bisher prognostiziert, gestützt durch ein durchschnittliches jährliches Angebotsdefizit von 491.000 Tonnen bis 2030.

Rohstoffmarkt zwischen Zinsdruck und geopolitischem Patt

Der gemeinsame Nenner dieser Woche — Fed-Rhetorik und Iran-Deal — entfaltet an jedem Markt eine eigene Dynamik:

  • Gold und Silber leiden unter steigenden Realrenditen und einem starken Dollar, werden aber durch strukturelle Nachfrage (Zentralbanken) und physische Knappheit gestützt
  • Brent und WTI bauen die geopolitische Risikoprämie ab, während die Absage des Bürgenstock-Treffens einen vollständigen Preisverfall verhindert
  • Kupfer bewegt sich in einem eigenen Universum — getrieben von Chiles Produktionsproblemen, der Energiewende-Nachfrage und dem nahenden Zollentscheid

Sollte der Iran-Deal in den kommenden Wochen doch noch zustande kommen und die Energiepreise dauerhaft sinken, fällt ein wesentlicher Inflationstreiber weg. Das würde den Druck auf die Fed mildern, ihren hawkischen Kurs fortzusetzen — und könnte einen Aufwärtskanal für Gold und Silber öffnen. Für den Ölmarkt wäre es dagegen ein weiterer Belastungsfaktor.

Am Kupfermarkt zählt vorerst nur ein Datum. Wenn der weltgrößte Kupferlieferant schrumpft und gleichzeitig die USA Importzölle verhängen, steht dem Markt eine Phase erhöhter Volatilität bevor. Die Unterstützung bei 5,60 USD und der Widerstand am Allzeithoch bei 6,58 USD markieren die entscheidenden Grenzen.

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