Lang & Schwarz Aktie: 284.000 Trades statt 400.000
Der Verlust des Trade-Republic-Exklusivdeals zwingt Lang & Schwarz zu einem neuen Handelsmodell. Die EU-Regulierung verändert den Wettbewerb grundlegend.

- EU-Verbot beendet Exklusivdeal mit Trade Republic
- Handelsvolumen auf LS Exchange bricht ein
- Neues Handelsmodell mit mehreren Market Makern geplant
- Jahresprognose nach unten korrigiert
Jahrelang profitierte Lang & Schwarz von einem lukrativen Exklusivdeal. Das Düsseldorfer Handelshaus wickelte den Großteil der Aktienkäufe für Trade Republic ab. Nun entzieht der Neobroker dem Partner sein wichtigstes Fundament. Der Verlust des Orderflows zwingt Lang & Schwarz zu einer völligen Neuausrichtung.
Das Ende der Exklusivität
Der Auslöser für diesen Bruch liegt in Brüssel. Ab Juli 2026 verbietet die EU das umstrittene Payment for Order Flow. Rückvergütungen an Broker fallen damit weg. Trade Republic reagiert bereits jetzt auf die neue Rechtslage. Der Broker öffnet sein System für 30 verschiedene Handelsplätze.
Dazu zählen Schwergewichte wie Xetra und die Nasdaq. Eine Software sucht künftig automatisch nach dem besten Preis. Für Lang & Schwarz bedeutet das einen massiven Einschnitt. Der Wettbewerb um die Orders von Millionen Privatkunden startet komplett neu.
Erste Zahlen belegen den Abwärtstrend deutlich. Im Juni sackte das Volumen auf der hauseigenen LS Exchange ab. Im Schnitt fanden dort nur noch 284.000 Trades pro Tag statt. Zuvor lag der Jahresschnitt bei rund 400.000 täglichen Orders.
Neues Handelsmodell in Arbeit
Das Management in Düsseldorf sitzt nicht untätig auf den sinkenden Volumina. Der Vorstand plant ein völlig neues Handelsmodell. Künftig sollen mehrere Wertpapierdienstleister auf der Plattform als Market Maker konkurrieren. Parallel übernimmt die Tochtergesellschaft TradeCenter AG eine eigene Rolle im Handel. Das Ziel: mehr Liquidität für das bestehende Angebot.
Allerdings fehlen bislang belastbare Details. Konkrete Partner nennt das Unternehmen noch nicht. Auch ein klarer Zeitplan für den Umbau steht aus. Die Führungsspitze macht die genaue Ausgestaltung von Verträgen und Behördengenehmigungen abhängig. Das dürfte spannend werden.
Licht und Schatten in der Bilanz
Die aktuelle Nachrichtenlage zeigt ein widersprüchliches Bild. Im zweiten Quartal lief das operative Geschäft erstaunlich stark. Das Ergebnis aus der Handelstätigkeit kletterte auf 32 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor standen hier lediglich 25 Millionen Euro zu Buche.
Dennoch hat das Management die Reißleine gezogen. Der Vorstand kürzte die Gesamtprognose für das Jahr 2026. Die Düsseldorfer erwarten nun einen moderaten Rückgang des Handelsergebnisses. Der Gewinn soll aber über dem Niveau von 2024 bleiben.
Am 21. August präsentiert Lang & Schwarz den Halbjahresbericht. Diese Zahlen werden schonungslos offenlegen, wie hart der Wegfall des Exklusivvertrags wirklich trifft. Bis dahin benötigt die Aktie handfeste Neuigkeiten zum geplanten Handelsmodell. Fehlen diese Impulse, droht der Kurs weiter am Jahrestief festzuhängen.
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