Lang & Schwarz Aktie: 47,50 Prozent Minus in 30 Tagen

Trotz operativer Rekorde fällt die Aktie von Lang & Schwarz auf ein neues Jahrestief. Das EU-weite PFOF-Verbot und der Verlust der Trade-Republic-Exklusivität belasten den Kurs massiv.

Die Kernpunkte:
  • Neues 52-Wochen-Tief bei 14,35 Euro
  • Handelsergebnis steigt auf 32 Millionen Euro
  • EU-weites PFOF-Verbot belastet Geschäftsmodell
  • Neues Handelsmodell soll Wettbewerbsfähigkeit stärken

Die Lang & Schwarz Aktie fällt und fällt. Die operativen Zahlen steigen. Zwischen diesen beiden Fakten klafft aktuell eine der größten Bewertungslücken am deutschen Kurszettel.

Am Dienstag markierte das Papier bei 14,35 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Der Schlusskurs lag bei 14,91 Euro. Binnen 30 Tagen hat die Aktie damit 47,50 Prozent verloren, allein in der vergangenen Woche waren es 16,70 Prozent. Zum Hoch bei 29,70 Euro vom 5. Juni klafft inzwischen eine Lücke von fast 50 Prozent.

Starkes Quartal, schwacher Kurs

Operativ läuft es beim Düsseldorfer Handelshaus eigentlich gut. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Lang & Schwarz ein Handelsergebnis von rund 32 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es 25 Millionen Euro.

Der Markt blendet diese Zahlen derzeit aus. Im Fokus steht stattdessen das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow. Die deutsche Übergangsfrist endete am 30. Juni 2026, seit dem 1. Juli gilt das Verbot uneingeschränkt.

Für Lang & Schwarz trifft das einen zentralen Wettbewerbsvorteil. Über die LS Exchange fungierte das Unternehmen jahrelang als Exklusivpartner von Trade Republic. Der Neobroker hat sein System inzwischen für über 30 Handelsplätze geöffnet. Das exklusive Orderaufkommen für Lang & Schwarz schrumpft dadurch spürbar.

Neues Handelsmodell soll Lücke schließen

Das Unternehmen reagiert. Es arbeitet an einem zusätzlichen Handelsmodell, das die LS Exchange für mehrere Market Maker öffnen soll. Ziel ist mehr Liquidität auf der Plattform und mehr Konkurrenzfähigkeit gegenüber Xetra und Gettex.

Konkrete Details zu Partnern oder zum Zeitplan fehlen bislang. Das Management bleibt trotzdem zuversichtlich: Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Vorstand ein Handelsergebnis oberhalb des Niveaus von 2024. Gegenüber dem Rekordjahr 2025 rechnet das Unternehmen nur mit einem leichten bis moderaten Rückgang.

Extrem überverkauft

Charttechnisch zeigt die Aktie eine seltene Ausnahmesituation. Der 14-Tage-RSI liegt bei 9,7 – ein Wert, der eine panikartige Verkaufswelle signalisiert. Solche Extremwerte gehen am Aktienmarkt häufig einer technischen Gegenbewegung voraus.

Zum 50-Tage-Durchschnitt von 26,43 Euro beträgt der Abstand aktuell -43,58 Prozent. Auch die 200-Tage-Linie bei 23,68 Euro wurde ohne nennenswerten Widerstand unterschritten, der Abstand liegt bei -37,04 Prozent. Die annualisierte Volatilität von 68,97 Prozent unterstreicht die Nervosität im Papier. Bei einer Marktkapitalisierung von 76,84 Millionen Euro reagiert der Kurs entsprechend heftig auf jede neue Information.

Zwei Termine dürften in den kommenden Wochen für Klarheit sorgen. Am 21. August 2026 veröffentlicht Lang & Schwarz den Halbjahresbericht. Fünf Tage später, am 26. August, folgt die ordentliche Hauptversammlung. Dort erwarten Aktionäre konkrete Aussagen zum Stand des neuen Handelsmodells und zur Stabilisierung der Handelsvolumina nach dem Ende der Trade-Republic-Exklusivität.

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