Laserwaffen-Deal beflügelt AeroVironment, Rheinmetall kämpft sich zurück

AeroVironment erhält einen internationalen LOCUST-Auftrag, während Rheinmetall und Renk zulegen. Kraken meldet Wachstum trotz Kursdruck.

Die Kernpunkte:
  • AeroVironment erhält ersten LOCUST-Export
  • Rheinmetall gewinnt nach Kursrutsch
  • Renk profitiert von Analysehaus-Upgrade
  • Kraken steigert Aufträge trotz Verlust

Ein Laser, der Drohnen vom Himmel holt, ein Kursrutsch, der sich als Kaufgelegenheit entpuppt, und ein Flugtaxi aus Indien als unerwarteter Umsatzbringer: Der Rüstungssektor lieferte in dieser Woche gleich mehrere Nachrichten, die zeigen, wie unterschiedlich die einzelnen Player mit Erwartungsdruck und Kursvolatilität umgehen. Während sich Rheinmetall und Renk von ihren jüngsten Tiefs erholten, sorgte AeroVironment mit einem historischen Exportgeschäft für Schlagzeilen. Kraken Robotics wiederum zeigt, dass volle Auftragsbücher allein noch keine Kursfantasie garantieren.

Sektorüberblick: Zwischen Kriegsprämie und Erschöpfung

Verteidigungstitel pendeln seit Wochen zwischen geopolitischer Dringlichkeit und Erholungsmüdigkeit nach der langen Rally des vergangenen Jahres. Die angespannte Lage im Nahen Osten trieb Rheinmetall und Renk gestern gegen den allgemeinen Markttrend nach oben. Ein Signal dafür, dass Käufer nach den scharfen Rücksetzern wieder zugreifen.

Gleichzeitig bleiben die Auftragsbücher in der Branche prall gefüllt. Rheinmetalls Backlog hat mittlerweile die Marke von 80 Milliarden Euro überschritten und verschafft dem Konzern eine außergewöhnlich hohe Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Hensoldt meldete zuletzt einen Quartalsumsatz von knapp 500 Millionen Euro bei einem Rekordauftragsbestand von rund 9,8 Milliarden Euro.

In den USA reitet AeroVironment auf einer Welle rund um Laserwaffen— eine Technologie, die zunehmend als zentrale Antwort auf die Drohnenbedrohung gilt. In Kanada baut Kraken Robotics über die Covelya-Übernahme sein Unterwasser-Geschäft aus, kann damit aber an der Börse bislang wenig überzeugen. Der rote Faden: Verteidigungsbudgets und Lehren aus der Ukraine und dem Nahen Osten treiben die Nachfrage, doch Anleger werden wählerischer, welche Unternehmen Auftragsbestand tatsächlich in profitables Wachstum verwandeln können.

Rheinmetall: Goldman Sachs verteidigt seine Kaufthese

Rheinmetall-Aktien legten gestern eine bemerkenswerte Erholung hin und stiegen zeitweise um mehr als 3 Prozent, nachdem sie tags zuvor auf 1.016 Euro gefallen waren— den tiefsten Stand seit Juli. Zum Handelsschluss stand ein Plus von 2,7 Prozent auf 1.050,00 Euro zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro trennen die Aktie damit weiterhin rund 48 Prozent.

Auf der Auftragsseite lief es zuletzt rund: Der Konzern erhielt eine Bestellung über 149 weitere mobile Sanitätsstationen für die Bundeswehr im Wert von über 500 Millionen Euro, womit sich der Gesamtauftrag auf mehr als 600 Millionen Euro summiert. Hinzu kam ein Großpaket aus Rumänien im Volumen von rund 5,7 Milliarden Euro für Kampffahrzeuge, Luftverteidigungssysteme, Munition sowie vier Marineschiffe.

Weniger erfreulich: Nach dem Verlust des F-126-Fregattenprogramms senkte Rheinmetall seine Umsatzprognose für 2026 von zuvor 14 bis 14,5 Milliarden Euro auf nun 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Goldman-Analyst Sam Burgess ließ sich davon nicht beirren. Er hält sein Kursziel von 2.300 Euro unverändert und argumentiert, dass selbst bei einer erwarteten Abschwächung des Munitionsgeschäfts ab 2030 ein fairer Wert von rund 1.450 Euro realistisch bleibe. Von zehn im August befragten Experten empfahlen acht den Kauf, zwei rieten zu Halten— das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.645 Euro.

Renk Group: Upgrade befeuert Rally, Beweis steht noch aus

Renk-Aktien schlossen sich der sektorweiten Erholung an und kletterten gestern zeitweise um bis zu 2,8 Prozent auf 43,76 Euro im MDAX. Zum Handelsende stand ein Plus von 4,7 Prozent auf 44,79 Euro— nach einem miesen Monat mit einem Minus von 11 Prozent auf 30-Tage-Sicht.

Auslöser der Bewegung war ein Rating-Upgrade von mwb research wenige Tage zuvor. Das Analysehaus verwies darauf, dass die Aktie seit dem letzten Update bereits 14 Prozent verloren hatte und das Risiko eines Umsatzrückgangs mittlerweile angemessen eingepreist sei— das eigene DCF-Modell unterstellt bereits einen Rückgang der Erlöse um 18 Prozent gegenüber dem Höchststand. Als potenziellen Kurstreiber nannten die Analysten die anstehende Entscheidung zum rund 25 Milliarden Euro schweren Boxer/Arminius-Programm und stuften die Aktie von Halten auf Kaufen hoch, mit einem unveränderten Kursziel von 48,00 Euro.

Auch Bankhaus Metzler wird konstruktiver. Analyst Alexander Neuberger erwartet, dass Renk im dritten Quartal wie prognostiziert an Fahrt gewinnt, und sieht im zweiten Quartal 2026 möglicherweise bereits den Tiefpunkt der Wachstumsphase bis 2030 erreicht. Der Großteil der aktuellen Erlöse stammt aus Jahre zuvor platzierten Aufträgen, was die Geschäftsentwicklung für 2027 gut planbar macht. Insgesamt neun Analysten empfehlen den Kauf, das durchschnittliche Kursziel von 67,38 Euro impliziert ein Aufwärtspotenzial von knapp 55 Prozent.

Hensoldt: Flugtaxi-Deal aus Indien als Diversifizierungssignal

Hensoldt-Titel erholten sich gestern moderat auf 80,80 Euro, ein Plus von 1,4 Prozent. Auf Wochensicht bleibt allerdings ein Minus von 2,0 Prozent stehen, und vom 52-Wochen-Hoch bei 117,70 Euro trennen die Aktie weiterhin rund 31 Prozent.

Inhaltlich sorgte ein ungewöhnlicher Auftrag für Aufmerksamkeit: Das indische Unternehmen ePlane Company (Ubifly Technologies) beauftragte Hensoldt mit der Lieferung einer kompletten Avionik-Suite für das elektrische Senkrechtstarter-Flugtaxi „e200X“. Für Hensoldt markiert das den Übergang von der gemeinsamen Entwicklung zur Serienreife— und öffnet zivile, dual-use-fähige Absatzmärkte jenseits des klassischen Rüstungsgeschäfts. Trotz bestätigter Umsatz- und Margenziele für 2026 blieb die Aktie nach dem sektorweiten Ausverkauf unter Druck.

Die Analystenmeinungen bleiben gespalten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 94,40 Euro und impliziert ein Aufwärtspotenzial von rund 17 Prozent— die Aktie gilt demnach als unterbewertet. Kritischer sieht es mwb research: Das Haus senkte sein Kursziel von 65 auf 57 Euro und bemängelte, der Auftragsmix sei zu stark auf klassische Landplattformen konzentriert, die nicht im Zentrum der aktuellen Gefechtsfeld-Dynamik stünden.

AeroVironment: Erster LOCUST-Exportauftrag als Meilenstein

AeroVironment-Aktien sprangen nach der Ankündigung nach oben und notierten am Dienstag bei 150,44 Dollar, ein Plus von 4,00 Prozent. In Euro gerechnet schloss der Titel bei 128,05 Euro.

Der Auslöser: Der erste internationale Kaufauftrag für das Laserwaffensystem LOCUST. Der als „landmark“ bezeichnete Direktverkauf hat ein Volumen von über 50 Millionen Dollar und markiert einen bedeutenden Schritt bei der globalen Verbreitung von AeroVironments Laser-Abwehrtechnologie gegen Drohnen. Das Geschäft baut auf einem großen US-Regierungsauftrag weniger Tage zuvor auf: Die US-Armee hatte AeroVironment mit einem 464,8 Millionen Dollar schweren Enduring-High-Energy-Laser-Vertrag ausgestattet— dem ersten Serienproduktionsauftrag für Hochenergie-Laserwaffensysteme in der Geschichte der USA.

CEO Wahid Nawabi ordnete den Deal als Beleg für einen breiteren Wandel in der Luftverteidigung ein: Die Bedrohung durch günstige Drohnen sei global und habe die Ökonomie der Kriegsführung fundamental verändert. LOCUST biete Kunden einen bezahlbaren, skalierbaren Weg, Drohnenbedrohungen abzuwehren, ohne allein auf teure Abfangraketen angewiesen zu sein. Um die Nachfrage zu bedienen, investiert das Unternehmen über 30 Millionen Dollar in den Ausbau seines Fertigungsstandorts in Albuquerque, New Mexico— eine Erweiterung, die mehr als 450 neue Arbeitsplätze schaffen und einen wirtschaftlichen Impact von über 670 Millionen Dollar generieren soll. Die Zahlen zum ersten Geschäftsquartal 2027 stehen heute an.

Die Wall Street bleibt bullish: 20 von S&P Global befragte Analysten sehen im Konsens eine Kaufempfehlung, das durchschnittliche Kursziel von 225,77 Dollar liegt rund 50 Prozent über dem aktuellen Niveau. Als Risiken gelten Wettbewerbsdruck, Lieferkettenengpässe und politische Unsicherheit.

Kraken Robotics: Volle Auftragsbücher, aber schwacher Chart

Kraken Robotics hat ein hartes Börsenjahr hinter sich, trotz starker operativer Nachrichten. Die Aktie notiert seit Jahresbeginn rund 16 Prozent im Minus und liegt damit gut 50 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 6,79 Euro, das sie im März kurz nach der Ankündigung der Covelya-Übernahme erreicht hatte. Immerhin: Gestern sprang der Kurs um 7,0 Prozent auf 3,38 Euro— das größte Tagesplus im gesamten Sektor.

Auf der operativen Seite bleibt die Dynamik intakt. Neue Produktaufträge über 35 Millionen Dollar aus den Bereichen Meeresverteidigung, Offshore-Energie und Meereswissenschaft heben die kombinierten Produktaufträge für 2026 auf 327 Millionen Dollar. Die Covelya-Übernahme, seit Juli abgeschlossen, brachte zudem eine langfristige Liefervereinbarung für Unterwasser-Batterien mit einem internationalen Großkonzern, der unbemannte Unterwasserfahrzeuge herstellt— ein weiterer Baustein zur Erschließung neuer Absatzmärkte.

Die Quartalszahlen enttäuschten dagegen einige Anleger: Ein Verlust je Aktie von 0,02 kanadischen Dollar bei einem Umsatz von 27,3 Millionen kanadischen Dollar, ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoverlust weitete sich deutlich aus. Raymond James senkte daraufhin sein Kursziel von 11 auf 8 kanadische Dollar, beließ die Einstufung aber bei Outperform. Langfristig bleiben die Wachstumserwartungen hoch: Analysten rechnen mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 60 Prozent über die nächsten drei Jahre— deutlich mehr als die für die kanadische Elektronikbranche erwarteten 31 Prozent.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Werte zeigen drei unterschiedliche Muster innerhalb desselben Rüstungsthemas:

  • Rheinmetall und Renk: Klassische Backlog-vs-Sentiment-Spannung— beide erholten sich am selben Tag, bleiben aber weit unter ihren Jahreshochs
  • Hensoldt: Diversifizierung über militärische Kernelektronik hinaus, mit dem Flugtaxi-Deal als erstem sichtbaren Schritt
  • AeroVironment: Reiner Momentum-Titel mit technologischem Alleinstellungsmerkmal und stark bullishem Analystenkonsens
  • Kraken Robotics: Auftragswachstum trifft auf Integrationsunsicherheit— ein Beispiel dafür, dass volle Auftragsbücher allein noch kein Kursvertrauen schaffen

Der gemeinsame Nenner über alle fünf Werte hinweg: Kapitalintensität und Ausführungsrisiko. Ob Rheinmetalls Munitionskapazitäten, Renks Boxer/Arminius-Hochlauf, Hensoldts Radar-Fertigungsausbau, AeroVironments Laser-Campus in Albuquerque oder Krakens Covelya-Integration— Anleger preisen zunehmend die Lücke zwischen vertraglich gesichertem Auftragsbestand und tatsächlich realisiertem, cashflow-wirksamem Umsatz ein.

Rüstungssektor vor der Bewährungsprobe

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Erholung von Rheinmetall und Renk einen echten Wendepunkt markiert oder nur eine technische Gegenbewegung innerhalb einer größeren Korrektur bleibt. Wichtige Katalysatoren sind die ausstehende Boxer/Arminius-Entscheidung sowie die weitere Entwicklung von Rheinmetalls gesenkter Jahresprognose. Bei Hensoldt bleibt entscheidend, ob sich der Rekordauftragsbestand in Margenausweitung statt nur in Umsatzwachstum übersetzen lässt.

AeroVironments Quartalszahlen liefern heute den ersten echten Test dafür, wie sich der LOCUST-Exportauftrag und der E-HEL-Produktionsvertrag in der kurzfristigen Prognose niederschlagen. Bei Kraken Robotics richtet sich der Blick darauf, ob die Covelya-Integration die Quartalsschwankungen zu glätten beginnt— und ob weitere Verteidigungsaufträge, die das Management für die zweite Jahreshälfte in Aussicht gestellt hat, tatsächlich eintreffen.

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