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Last Call! – Der Marktbericht am Abend: Mit Tesla, Siemens Energy, Adidas, Puma, Nike, Johnson & Johnson und KB Home

Guten Abend,

das Wechselspiel zwischen festen und schwachen Börsentagen gehört zum klassischen Verlauf einer Konsolidierung. Wichtig ist dabei, sich von Tagesschwankungen nicht frühzeitig beeindrucken und festlegen zu lassen.

Die gestern veröffentlichten Konjunkturdaten für die Eurozone als auch für Deutschland belegen, dass die Erholung grundsätzlich intakt ist und voraussichtlich auch bleibt. Warum? Interessant ist, dass das aktuelle Stimmungsbild insbesondere der Verbraucher unverändert zuversichtlich bleibt, obwohl in den Medien das Thema steigende Infektionszahlen kräftig durchgerührt wird. Aber mittlerweile sind wir auch nicht mehr dumm. Steigende Infektionen sind das eine, Todesfälle das andere.

Vielen ist mittlerweile klar geworden, dass die Pandemie zwar real ist, aber keineswegs eine Bedrohung, welche den überwiegenden Großteil der Bevölkerung gefährlich werden kann. Auch dies haben die Märkte vorweggenommen, denn ich denke, dass die Kurse auch deswegen gestiegen sind, weil klar ist, jede Pandemie findet auch ein schleichendes Ende. So ist es auch diesmal und deshalb habe ich auch keine Angst vor dem Herbst oder damit zusammenhängenden Medienberichte bezüglich der Infektionsrate. Unter dem Strich zählt unser Verhalten als Verbraucher und Bürger.

Dass auch an den Märkten langsam wieder die Uhren in Richtung Vernunft ticken, können wir gerade im Falle Tesla beobachten. Gestern war der berühmte Battery Day und Elon Musk hat wie angekündigt geliefert: neue Batterien, neue Technologien, erschwinglichere Modelle (ein 25.000 $ Tesla), und neue Fertigungstechnologien zeigen, wohin die Reise bei Tesla geht. Dies allerdings braucht auch seine Zeit und auch Musk betont, dass mindestens 2-3 Jahre ins Land ziehen werden, ehe die wirtschaftlichen Erfolge eingefahren werden können. Die Börse quittierte das mit -5 % und damit ist auch klar, was ich hier immer wieder gesagt habe:

Die Tesla Story stimmt zwar, aber die Börse ist zu weit vorgelaufen. Das Ergebnis: Die Aktie wird voraussichtlich erst einmal keine großen Bewegungen vollziehen, weder in die eine noch in die andere Richtung, sondern eher dahinplätschern und zwar so lange, bis die Ankündigungen des Managements sich in Taten umsetzen lassen. Wer also Gewinne in Tesla hat, ist gut beraten, diese erst einmal einzufrieren und zwischenzeitlich etwas anderes zu kaufen. Wer sich hingegen leisten kann, der lässt die Aktie einfach mal liegen, sollte aber nicht zu viel in den kommenden Wochen oder Monaten erwarten. Die Story braucht jetzt eine Verschnaufpause.

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Ab diesem Wochenende kommt von uns etwas Neues auf den Börsentisch. Denn dann gibt es wöchentlich „Future Money“ zu lesen – der Börsenbrief für die Zukunftsthemen an der Börse. Mehr dazu am morgigen Donnerstag im neuen Podcast von „Papa, erklär mal Börse“ und auch auf unserem Youtube-Kanal. Und wer unverbindlich und kostenlos in die erste Ausgabe reinschauen will, schreibt uns kurz auf info@boerse-global.de.

So in dieser Form wird es in den kommenden Wochen auch an anderen Stellen ablaufen. Man nennt das Rückkehr zur Börsennormalität. Jeder, der von euch also hofft, noch schnell in den letzten Monaten knackige Börsengewinne einzufahren, sollte seine Erwartungen etwas zurückschrauben. Aber ich gebe zu, auch ich habe keine Glaskugel auf meinem viktorianischen Schreibtisch stehen, sondern zeige mich beweglich und reagiere, so wie die Märkte es erfordern.

Die aktuelle Lage:

DAX: Ein fester Börsentag bedeutet ebenso wenig eine Trendwende wie eine Schwalbe gleich einen ganzen Sommer ankündigt. Für diese Woche bleibe ich also weiterhin defensiv, erfreue mich zwar an den positiven Konjunkturdaten und Stimmungsindikatoren, sehe aber auch, dass im Moment die Zurückhaltung noch überwiegt. Das tägliche Handelsvolumen bei steigenden Kursen liegt noch unterhalb des Handelsvolumens bei sinkenden Kursen, also kann noch nicht von einem breiten Kaufinteresse gesprochen werden.

Wall Street: Das Korrekturpotenzial der Technologiewerte ist noch nicht ausgereizt. Zwar notierte der S&P 500 vorgestern bereits an meinem avisierten Korrekturziel, aber offensichtlich ist die überkaufte Marktlage und der Wille, Gewinne mitzunehmen, noch nicht ausgeschöpft. Ich denke, die 3.200 Punkte werden wir auf jeden Fall noch einmal testen, wenn es etwas dicker kommt, sind auch 3100 Punkte möglich. Und wie gesagt: Das wäre kein Beinbruch, sondern vielmehr eine hervorragende Ausgangslage für eine Bodenbildung unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl. Dabei spielt es für mich überhaupt keine Rolle, ob nun Donald oder Joe der nächste Präsident wird. Denn weder der eine noch der andere werden es in der Hand haben, die maßgeblichen Zukunftsbranchen nachhaltig zu beeinträchtigen. Ich erinnere gerne immer wieder daran, dass die Politik es zwar schafft die Börsen zu irritieren, aber nicht Trends zu definieren.

Heute auf der Agenda:

Die m. E. spannendste Story der kommenden Tage wird Siemens Energy werden. Denn damit kommt eine weitere wichtige Sparte in die Eigenständigkeit. Ganz trennen wird sich Siemens nicht: Gut 35 % an Energy behält der Konzern zunächst selbst, knapp 10 % gehen an den Pensionsfonds des Konzerns. Beide Positionen werden über die Zeit schrumpfen, Siemens will aber Ankeraktionär mit einem Anteil von rund 25 % bleiben.

Die Erfahrung zeigt, dass dies in der Regel gut funktionieren kann und die Börse solche Alleingänge willkommen heißt. Siemens verteilt 55 % seines Energiegeschäfts an die bestehenden Siemens-Aktionäre und so werden ab Montag Hunderte Millionen der neuen Aktien in den Depots auftauchen und der Handel an der Börsenhandel aufgenommen. Siemens Energy beschäftigt ca. 90.000 Mitarbeiter und erreicht einem Jahresumsatz von  29 Mrd. Euro. Keine Frage: Siemens Energy ist ein Champion im Energiegeschäft, u.a. auch aufgrund der Beteiligung an Siemens Gamesa, doch die Herausforderung liegt im Wandel vom Turbinen- und Technikgeschäft für Gas- und Kohlekraftwerke hin zu den Erneuerbaren Energien. Was machen wir daraus? Erst einmal abwarten, bis sich der Kurs auf dem Parkett sortiert hat, dann gehen wir in Position. Wird wohl noch 2-4 Wochen Zeit benötigen.

Dank der glänzenden Zahlen von Nike (siehe weiter unten) haben auch Adidas und Puma nunmehr wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht. Adidas stieg in der Spitze bis auf 290 Euro und baute damit ihren Gewinn seit dem Tief im März auf rund 79 % aus. Zuletzt waren sie mit einem Plus von fast 6% auf 288 Euro weiterhin der klare DAX-Favorit und auch bei Puma sieht es ähnlich aus: Die Titel etablierten sich mit einem Zuwachs von 5,6 % auf gut 79 Euro. Beide Aktien rücken damit allmählich wieder an ihre Rekordhochs heran.

Chart Adidas

Chart Adidas

Was ist zu tun? Erst einmal achten wir darauf, dass jetzt an der Spitze nicht plötzlich Kasse gemacht wird! Wer also dicke Gewinne hat, sichert sich diese mit einem Stoppkurs ab. Bei einem Break sieht es dann anders aus: Technische Kaufsignale haben in diesen Börsenphasen einen hohen Stellenwert und sollten unbedingt zu Zukäufen führen! Alle drei, Adidas, Puma und Nike, sind Favoriten für eine Herbst/Winterrally!

Kurz von der Wall Street:

Nike meldete einen Quartalsgewinn von 95 Cent pro Aktie, was die Konsensschätzung von 47 Cent um mehr als 100% übertrifft. Der Umsatz übertraf auch die Prognosen: Der Online-Umsatz stieg um 82 % und macht nun fast 30% des Gesamtumsatzes des Herstellers von Sportbekleidung und Schuhen aus. Damit bestätigt sich, was ich an dieser Stelle ja schon vor Wochen umschrieben hatte: Sport- und Freizeitklamotten sind klare Krisengewinner und ich denke, das wird auch noch eine Weile so bleiben, denn wer sitzt schon mit Anzug im Homeoffice? Nike ist und bleibt damit auch ein Kauf!

Chart Nike

Chart Nike

Johnson & Johnson  – Der Covid-19-Impfstoffkandidat von J & J ist in ein spätes Teststadium eingetreten. Damit ist er nach Moderna, AstraZeneca und Pfizer das vierte Unternehmen, das vom Programm „Operation Warp Speed“ des Weißen Hauses unterstützt wird, um diesen Status zu erreichen. J & J hatte ich ja ebenfalls schon als meinen persönlicher Favorit unter den Klassikern eingestuft und auch hier gibt es keinen Grund, meine Einschätzung zu ändern.

KB Home übertraf die Schätzungen um 30 Cent pro Aktie bei einem Quartalsgewinn von 83 Cent pro Aktie. Die Einnahmen des Bauunternehmens lagen ebenfalls über den Prognosen der Wall Street. Die Netto-Auftragseingänge stiegen gegenüber dem Vorjahr um 27%, da die Pandemie und die Zunahme von Arbeitnehmern, die zu Hause bleiben, die Nachfrage nach Eigenheimen ankurbeln. Was macht der Mensch in einer Pandemie? Er bunkert sich in sein Schneckenhaus. Und wer keines hat, der kauft sich eins oder baut es sich selber. Auch das wird erst einmal so bleiben, wie auch der Trend zu Wohnmobilen. KB Home gehört in jedes „Pandemie- Depot“.

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