Lenzing Aktie: 135-Millionen-Verlust löst Sanierungsplan aus
Lenzing kündigt drastische Sparmaßnahmen an: 2.000 Stellen fallen weg, Werke werden geschlossen. Eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro soll die Bilanz stabilisieren.

- Stellenabbau von 2.000 Arbeitsplätzen
- Schließung der Standorte Heiligenkreuz und Grimsby
- Kapitalerhöhung bis zu 300 Millionen Euro
- Jährliche Kosteneinsparung von 120 Millionen Euro
Der Faserhersteller Lenzing reagiert mit einem drastischen Sanierungsprogramm auf die anhaltende Krise und den verschärften Wettbewerb aus Asien. Nachdem das Unternehmen vier Jahre in Folge Verluste schrieb, kündigte der Vorstand am gestrigen Dienstag eine umfassende Neuaufstellung an. Das Ziel ist die Rückkehr in die Gewinnzone durch massive Einschnitte in die Kostenstruktur und die globale Organisation.
Umfangreicher Stellenabbau und Werkschließungen
Bis Ende 2027 sollen weltweit insgesamt 2.000 Stellen wegfallen. Ein Großteil davon entfällt mit 1.400 Arbeitsplätzen auf den geplanten Verkauf des Standorts in Indonesien. In der zentralen Verwaltung werden rund 340 Stellen gestrichen. Besonders hart treffen die Maßnahmen die Standorte in Heiligenkreuz im Burgenland und im britischen Grimsby.
Während die Produktion in Heiligenkreuz bis Ende 2026 auslaufen soll, ist die Schließung des Werks in Grimsby für Ende 2027 vorgesehen. Vorstandschef Georg Kasperkovitz erklärte, dass die aktuelle Situation nach den tiefroten Jahren nicht weitergehen könne. Für das Geschäftsjahr 2025 wies das Unternehmen einen Verlust von 135 Millionen Euro aus. Durch die Schließungen und strukturellen Anpassungen erwartet der Konzern nun Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro sowie Restrukturierungskosten in Höhe von etwa 40 Millionen Euro.
Finanzielle Absicherung durch Kapitalerhöhung
Zur Stärkung der Bilanz plant Lenzing eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro. Zusätzlich sicherte sich das Unternehmen Zusagen für frische Kredite im Volumen von bis zu 600 Millionen Euro. Über die geplante Kapitalmaßnahme sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende August entscheiden. Das mittlerweile dritte Sparprogramm seit dem Jahr 2022 soll jährlich rund 120 Millionen Euro an Kosten einsparen.
Nachdem die Aktie am gestrigen Dienstag zeitweise um bis zu 17 Prozent eingebrochen war, zeigt sich das Papier am heutigen Mittwoch stabilisiert. Der Kurs legte um 0,93 Prozent zu und notiert aktuell bei 21,60 Euro. Damit kommt das Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von 969,32 Millionen Euro.
Suche nach Investoren für Heiligenkreuz
Für das Werk in Heiligenkreuz, in dem knapp 300 Mitarbeiter beschäftigt sind, wird derzeit nach einem Käufer gesucht. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil schloss gegenüber Medienvertretern eine Beteiligung des Landes nicht aus, sollte sich kein privater Investor finden. Er betonte, man sei bereit, sich zu engagieren, bevor der Standort endgültig geschlossen werde.
Gleichzeitig sorgt die Ankündigung für erhebliche Unruhe in der Belegschaft. Der Betriebsrat kritisierte eine mangelnde Transparenz im Vorfeld der Entscheidung. Während politische Vertreter und Gewerkschaften Unterstützung zusichern, fordern Wirtschaftsverbände einen Fokus auf private Lösungen für einen Neustart des Standorts. Die Faserproduktion soll dort nach derzeitigem Stand definitiv Ende 2026 eingestellt werden.
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