Lenzing Aktie: 600 Millionen Euro Kapitalprobe am 25. August
Lenzing verdoppelt den Halbjahresgewinn, plant aber einen radikalen Konzernumbau mit Stellenabbau und einer Kapitalerhöhung über 600 Millionen Euro.

- Halbjahresgewinn auf 35,6 Millionen Euro verdoppelt
- Umbau: 2.000 Stellenstreichungen bis Ende 2027
- Kapitalerhöhung über 600 Millionen Euro geplant
- Berenberg hob das Kursziel im Juni auf 29,50 Euro an
Die Textilindustrie steckt seit Jahren in einem stillen Strukturwandel: Überkapazitäten, wechselnde Konsumtrends, der Ruf nach nachhaltigeren Fasern. Lenzing steht mitten in diesem Umbruch – und liefert derzeit ein Paradebeispiel dafür, wie schwer es ist, Zukunftsfähigkeit und Gegenwartsdruck unter einen Hut zu bringen. Am Freitag verlor die Aktie 2,85 Prozent und schloss bei 23,85 Euro. Wer allein auf die Gewinnzahlen schaut, würde das nicht erwarten.
Ein Gewinn, der die halbe Wahrheit erzählt
Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelte Lenzing das Ergebnis nach Steuern von 15,2 auf 35,6 Millionen Euro – und das, obwohl die Umsatzerlöse von 1,34 auf 1,27 Milliarden Euro zurückgingen. Das EBITDA lag bei 239,2 Millionen Euro, der freie Cashflow verbesserte sich auf 45,8 Millionen Euro. Im zweiten Quartal zog der Umsatz gegenüber dem ersten Quartal von 615,7 auf 651,7 Millionen Euro an, getragen von gezielten Preiserhöhungen. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Doch die Zahlen sind auch das Ergebnis eines Konzerns, der sich gerade radikal neu sortiert – und diese Neusortierung kostet zunächst mehr, als sie einbringt.
Der Preis der Transformation
Ende Juli beschloss der Vorstand, Faserproduktionsstandorte zu konsolidieren. Das Werk in Heiligenkreuz in Österreich soll bis Ende 2026 aus der Faserproduktion ausscheiden, für den Standort läuft bereits die Käufersuche. Auch der britische Standort Grimsby wird abgebaut. Parallel läuft seit September 2025 ein Verkaufsprozess für den Produktionsstandort in Indonesien, wo im dritten Quartal ebenfalls Stellen gestrichen werden. Für 2026 rechnet Lenzing mit Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro und Rückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro für Personalmaßnahmen. Von den weltweit zuletzt rund 8.100 Beschäftigten sollen bis Ende 2027 etwa 2.000 Stellen wegfallen, davon 600 in der Verwaltung. Ein Sparprogramm soll gegenüber den Ist-Werten von 2025 Einsparungen von 120 Millionen Euro bringen, voll wirksam erst Ende 2027.
Dahinter steckt eine neue strategische Ausrichtung namens „Grow Nonwovens, Reset Textiles“. Der Umsatzanteil des klassischen Textilgeschäfts soll mittelfristig von 45 auf rund 30 Prozent sinken, während Vliesstoffe und Zellstoff jeweils auf etwa 30 Prozent zulegen sollen. Lenzing verschiebt damit sein Gewicht Richtung Hygieneprodukte und Fasern der nächsten Generation – ein Schritt, der die Frage aufwirft, ob ein traditionsreicher Textilfaserhersteller sich tatsächlich zum Nonwovens-Spezialisten wandeln kann, ohne dabei seine Identität zu verlieren.
Die Kapitalprobe am 25. August
Solche Umbauten sind teuer, und Lenzing braucht dafür frisches Geld. Ein Refinanzierungspaket bringt bis zu 600 Millionen Euro über neue Kredite, bestehende Verbindlichkeiten wurden bis 2030 verlängert. Zusätzlich hat Lenzing eine außerordentliche Hauptversammlung für den 25. August einberufen, auf der eine Kapitalspritze von insgesamt 600 Millionen Euro beschlossen werden soll – bis zu 300 Millionen Euro davon sollen Aktionäre über eine Kapitalerhöhung unter Wahrung des gesetzlichen Bezugsrechts beisteuern. Die Großaktionäre, das Syndikat aus B&C Gruppe und dem brasilianischen Zellstoffkonzern Suzano sowie die Oberbank, wollen sich entsprechend ihren Anteilen beteiligen. Das ist ein starkes Signal der Kernaktionäre – zugleich aber auch eine Belastung für alle übrigen Anteilseigner, die ihre Position halten wollen.
Rückenwind von Analystenseite
An der Konzernspitze steht seit Juni Georg Kasperkovitz, der vom operativen Chef aufrückte und dabei auf Rohit Aggarwal folgte. Mitte Juni hatte zudem Berenberg die Aktie von Hold auf Buy hochgestuft und das Kursziel von 24 auf 29,50 Euro angehoben – damals, deutlich vor der jetzigen Kapitalerhöhung, ein optimistischer Blick auf die Wende.
Der Kurs bewegt sich derzeit rund 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Ob die Kapitalerhöhung am 25. August die Wende tatsächlich finanziert oder nur den nächsten Belastungspunkt setzt, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
Anmerkung der Redaktion (25.08.2026): In einer früheren Fassung hieß es, Lenzing-CEO Georg Kasperkovitz habe 18.180 Lenzing-Aktien zu 27,63 Euro erworben. Diese Angabe stammte aus einem Bericht vom 17. Juni 2025 und war hier fälschlich als aktuelles Ereignis dargestellt. Die Lenzing AG hat mitgeteilt, dass Georg Kasperkovitz in jüngerer Vergangenheit keine Lenzing-Aktien gekauft hat. Wir haben die Passage entfernt und bitten den Fehler zu entschuldigen. Die Directors’ Dealings der Lenzing AG sind unter lenzing.com veröffentlicht.
Lenzing-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Lenzing-Analyse vom 16. September liefert die Antwort:
Die neusten Lenzing-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Lenzing-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Lenzing: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




