Lenzing Aktie: Berenberg zieht den Stecker!

Berenberg verweist auf operative Ertragsschwäche; die beschlossene Kapitalerhöhung soll rund 300 Millionen Euro einbringen.

Die Kernpunkte:
  • Berenberg stuft Lenzing auf Hold herab
  • Kursziel fällt auf 17 Euro
  • Kapitalerhöhung soll rund 300 Millionen Euro bringen
  • Bezugsfrist läuft bis zum 20. Oktober

Die Skepsis am Markt gegenüber Lenzing hat sich spürbar verfestigt. Nachdem das Analysehaus Berenberg die Einstufung für den Faserhersteller von „Buy“ auf „Hold“ zurückgenommen hat, stehen vor allem die operativen Herausforderungen im Mittelpunkt. Das Kursziel senkte die Privatbank deutlich von EUR 29,50 auf EUR 17,00.

Ausschlaggebend für das vorsichtigere Urteil waren nicht allein bilanzielle Faktoren, sondern vor allem die operative Ertragskraft. Nach Einschätzung von Berenberg-Analyst Sebastian Bray schlugen sich höhere Baumwoll- und Viskosepreise zuletzt nicht wie erwartet in den Ergebnissen des Unternehmens nieder.

Die verzögerte oder unzureichende Weitergabe der gestiegenen Rohstoffkosten dämpft die Margenaussichten. Parallel dazu traten Zweifel am Engagement des Partners Suzano auf, was die strategische Visibilität zusätzlich einschränkt.

Kapitalmaßnahme verstärkt den Bewertungsdruck

Die fundamentale Zurückhaltung trifft auf eine Phase tiefgreifender bilanzieller Weichenstellungen. Bei Lenzing steht eine vor gut einer Woche beschlossene Barkapitalerhöhung im Raum, die einen Bruttoerlös von rund EUR 300 Mio. einbringen soll. Das Vorhaben sieht die Ausgabe von 34.756.362 neuen Aktien zu einem Bezugspreis von EUR 8,65 je Anteilsschein vor, bei einem Bezugsverhältnis von 10 zu 9.

Eine Transaktion dieser Größenordnung führt unweigerlich zu einer spürbaren Verwässerung der bestehenden Anteile. Zudem signalisiert der Abschlag des Bezugspreises gegenüber dem damaligen Börsenniveau den hohen Finanzierungsbedarf des Konzerns. Marktteilnehmer preisen die veränderten Rahmenbedingungen zügig ein, was die Neubewertung der Aktie beschleunigt hat.

Wichtige Meilensteine im Oktober

Für die Aktionäre stehen in den kommenden Tagen entscheidende Termine an. Die laufende Bezugsfrist für die neuen Anteilsscheine erstreckt sich bis einschließlich 20. Oktober. Der Handel der Bezugsrechte an der Börse endet bereits voraussichtlich am 14. Oktober.

Nicht bezogene Aktien sollen nach dem 20. Oktober im Rahmen einer internationalen Privatplatzierung angeboten werden. Sofern die Kapitalerhöhung planmäßig im Firmenbuch eingetragen wird, ist die Lieferung und Handelsaufnahme der neuen Anteile für den 23. Oktober vorgesehen. Erst mit Abschluss dieser Transaktionsschritte dürfte sich das Angebot auf dem Parkett wieder normalisieren.

An der Börse notiert das Papier von Lenzing mit 10,72 Euro nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 10,36 Euro. Bis zum Abschluss der Kapitalmaßnahme und neuen operativen Signale zur Preisdurchsetzung bleibt das Umfeld für das Unternehmen anspruchsvoll.

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