Lenzing Aktie: Die Verwässerungs-Keule?

Lenzing will rund 300 Millionen Euro aufnehmen und die Mittel für eine stärkere Kapitalbasis sowie den strategischen Umbau nutzen.

Die Kernpunkte:
  • Neue Aktien zu 8,65 Euro vorgesehen
  • Berenberg stuft auf Hold herab
  • Kursziel sinkt von 29,50 auf 17 Euro
  • Banken vereinbaren Finanzierung bis 300 Millionen Euro

Die angekündigte Barkapitalerhöhung hat die Aktie der Lenzing AG am Freitag spürbar unter Druck gesetzt. Das Papier verbuchte zum Handelsschluss einen Rückgang um 2,1 Prozent auf 14,02 Euro. Anleger reagierten damit auf die bevorstehende Ausgabe neuer Anteilscheine, die mit einem erheblichen Preisabschlag platziert werden sollen.

Der Faserhersteller will sich über die Transaktion frische Mittel sichern. Geplant ist ein Bruttoerlös von rund 300 Millionen Euro durch die Emission von 34.756.362 neuen Stammaktien. Der Ausgabepreis je neuer Aktie wurde auf 8,65 Euro festgelegt.

Mit den Mitteln will das Management die Kapitalstruktur stärken und die strategische Neuausrichtung finanzieren. Das Zukunftsprogramm firmiert unter dem Leitspruch „Grow Nonwovens, Reset Textiles“. Der Konzern reagiert damit auf Herausforderungen im traditionellen Textilmarkt und will das Geschäft verstärkt auf rentablere Spezialfasern und Vliesstoffe ausrichten.

Bedingungen und Fahrplan der Kapitalmaßnahme

Für die Altaktionäre ist ein Bezugsverhältnis von 10 zu 9 vorgesehen. Der festgelegte Bezugspreis liegt rechnerisch um 42,50 Prozent unter dem theoretischen Wert der Aktie nach Abspaltung des Bezugsrechts. Eine Absicherung der Platzierung ist weitgehend gegeben: Die Kernaktionäre B&C-Gruppe und Suzano verpflichteten sich zur Zeichnung, und auch die Oberbank sagte die Ausübung ihrer Rechte zu.

Der Handel mit den Bezugsrechten an der Wiener Börse startet voraussichtlich am 6. Oktober. Diese Handelsphase läuft Medienberichten zufolge bis einschließlich 14. Oktober. Die gesamte Bezugsfrist endet planmäßig am 20. Oktober.

Refinanzierung und Analystenreaktion

Neben der Eigenkapitalerhöhung verständigte sich Lenzing mit seinen Banken auf ein umfassendes Refinanzierungspaket. Dies umfasst eine neue Finanzierungslinie über bis zu 300 Millionen Euro. Parallel dazu gelang es, bestehende Vereinbarungen vorzeitig bis in das Jahr 2030 zu verlängern.

Auf die Verwässerung und die Konditionen reagierte die Privatbank Berenberg. Das Institut senkte die Einstufung für das Papier von zuvor „Buy“ auf „Hold“. Zugleich nahmen die Analysten das bisherige Kursziel von 29,50 auf 17 Euro zurück.

Nach Abschluss der Bezugsfrist sollen die neuen Papiere voraussichtlich am 23. Oktober in den Handel einbezogen werden. Diese Abwicklung steht jedoch noch unter dem Vorbehalt der formellen Eintragung im Firmenbuch. Weitere operative Einblicke folgen zeitnah, da Lenzing für den 5. November die Veröffentlichung der nächsten Quartalsmitteilung terminiert hat.

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