Lenzing Aktie: Großaktionäre stützen, Ergebnisse fraglich?

Großaktionäre stützen die Finanzierung, während Berenberg wegen Kosten und Restrukturierung an den Ergebnisaussichten zweifelt.

Die Kernpunkte:
  • B&C-Gruppe, Suzano und Oberbank sagen Bezugsrechte zu
  • Rund 300 Millionen Euro Bruttoerlös angestrebt
  • Berenberg senkt Kursziel auf 17 Euro
  • Höhere Kosten belasten die Ergebniserwartungen

Bei Lenzing stehen verbindliche Finanzierungszusagen und Zweifel an der Ergebnisentwicklung nebeneinander. Die vor gut einer Woche gestartete, vollständig garantierte Barkapitalerhöhung soll die Finanzierung stärken. Sie beantwortet aber nicht die Frage, wie stark höhere Rohstoffkosten und Restrukturierungsaufwendungen das Ergebnis belasten. Für Anleger sind deshalb die Absicherung der Kapitalmaßnahme und die operativen Erwartungen getrennt zu beurteilen.

Verbindliche Zusagen der Großaktionäre

Nach Unternehmensangaben haben die B&C-Gruppe, Suzano und Oberbank die Ausübung ihrer Bezugsrechte zugesagt. Das ist ein konkreter Rückhalt für die Kapitalmaßnahme. Daraus lässt sich allerdings keine Aussage über die künftige Gewinnentwicklung ableiten.

Lenzing will 34.756.362 neue Aktien zum Bezugspreis von EUR 8,65 ausgeben. Der angestrebte Bruttoerlös beträgt rund EUR 300 Mio.

Die vollständige Garantie und die Zusagen der genannten Aktionäre betreffen die Finanzierung. Davon zu unterscheiden ist die Einschätzung, welche Ergebnisentwicklung die Gesellschaft erreichen kann. Gerade diese Trennung ist für die Bewertung der Kapitalmaßnahme wesentlich.

Das Bezugsverhältnis beträgt 10:9. Die Bezugsfrist endet voraussichtlich am 20. Oktober; für denselben Tag ist eine internationale Privatplatzierung nicht bezogener Aktien vorgesehen.

Ergebnisrisiken bleiben der Gegenpol

Berenberg stufte Lenzing vor gut einer Woche von einer Kauf- auf eine Halteempfehlung herab. Das Kursziel sank von EUR 29,50 auf EUR 17,00. Die Bank äußerte dabei Zweifel an steigenden EBITDA-Erwartungen für 2026.

Als Belastungen nannte Berenberg höhere Rohstoffkosten und Restrukturierungsaufwendungen. Hinzu kam die bislang schwache Ergebnisweitergabe höherer Rohstoffpreise. Analyst Sebastian Bray deutete die Kapitalerhöhung außerdem als mögliches Zeichen einer abwartenden Haltung des Großaktionärs Suzano.

Diese Deutung ist eine Analysteneinschätzung, keine bestätigte Aussage über Suzanos Absichten. Ihr steht die ausdrücklich zugesagte Ausübung der Bezugsrechte gegenüber. Beides lässt sich nebeneinander einordnen: Eine Beteiligung an der Finanzierung beseitigt nicht automatisch Zweifel an der operativen Entwicklung.

Umsetzung der Kapitalmaßnahme im Blick

Am Freitag wurde gemeldet, dass Lenzing-Vorstandsmitglied Georg Kasperkovitz am Donnerstag Bezugsrechte im Rahmen der Kapitalerhöhung erworben hatte. Die Pflichtmitteilung betrifft damit die Abwicklung der Maßnahme, nicht die Geschäftsentwicklung des Faserkonzerns.

Der Handel der Bezugsrechte ist bis einschließlich 14. Oktober vorgesehen. Lieferung und Handelsaufnahme der neuen Aktien sollen voraussichtlich am 23. Oktober beginnen. Voraussetzung bleibt die Eintragung der Kapitalerhöhung ins Firmenbuch.

Für die Einordnung der Aktie bleiben damit zwei unterschiedliche Prüfsteine: die Umsetzung der zugesagten Finanzierung und die von Berenberg angeführten Ergebnisrisiken. Die Garantie adressiert den ersten Punkt; die operative Skepsis bleibt davon getrennt.

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