Lenzing Aktie: Hauptversammlung beschließt Kapitalerhöhung

Lenzing stärkt die Finanzierung mit 600 Millionen Euro, plant Werksschließungen und meldet im ersten Halbjahr 2026 mehr Nettogewinn.

Die Kernpunkte:
  • Kapitalmaßnahme über 300 Millionen Euro beschlossen
  • Finanzierungspaket erreicht insgesamt 600 Millionen Euro
  • Faserwerke in Heiligenkreuz und Grimsby betroffen
  • Nettogewinn im Halbjahr deutlich gestiegen

Lenzing hat vergangene Woche auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Kapitalerhöhung um rund 300 Millionen Euro final beschlossen. Der Faserhersteller stärkt damit seine Finanzstruktur und will die Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ umsetzen. Zugleich wählte der Aufsichtsrat Martin Seiter als neues Mitglied in das Kontrollgremium.

Kapitalerhöhung als Kernstück der Refinanzierung

Die auf der Sonder-Hauptversammlung bestätigte Kapitalerhöhung war bereits Ende August vom Aufsichtsrat genehmigt worden. Die Durchführung muss spätestens bis 25. Februar 2027 erfolgen.

Zusammen mit einer Fremdfinanzierung von 300 Millionen Euro ergibt sich für Lenzing ein Finanzierungspaket von insgesamt 600 Millionen Euro. Der Konzern verschafft sich damit finanziellen Spielraum, während er gleichzeitig tief in die Produktionsstruktur eingreift.

Diese Neuausrichtung hat einen Preis: Lenzing hatte Ende Juli angekündigt, die Faserproduktion am Standort Heiligenkreuz im Burgenland bis Ende 2026 einzustellen und den Standort zu verkaufen. Auch die Produktion in Grimsby in England soll bis Ende 2027 auslaufen.

Weltweit sollen bis Ende 2027 rund 2.000 Arbeitsplätze wegfallen. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit Wertminderungen auf langfristige Vermögenswerte von bis zu 150 Millionen Euro sowie mit Restrukturierungsrückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro, die das EBITDA belasten.

Neue Führung, neues Aufsichtsratsmitglied

Die personelle Neuaufstellung begleitet den Umbau. Georg Kasperkovitz, zuvor Chief Operating Officer, übernahm zum 1. Juni den Vorstandsvorsitz für eine Funktionsperiode bis Ende Mai 2029 und behält zusätzlich seine COO-Funktion. Mit Martin Seiter erhält nun auch der Aufsichtsrat frisches Personal. Die Doppelspitze aus operativer und strategischer Neuausrichtung soll den Konzern durch die laufende Restrukturierung führen.

Operativ zeigte Lenzing zuletzt Fortschritte: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Nettogewinn nach Steuern auf 35,6 Millionen Euro, nach 15,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz belief sich auf 1,27 Milliarden Euro, das EBITDA auf 239,2 Millionen Euro, der Free Cashflow auf 45,8 Millionen Euro. Diese Zahlen liegen mittlerweile gut drei Wochen zurück, seither hat der Kurs an Boden verloren.

Kurs unter Druck trotz operativer Fortschritte

An der Börse kommt der Umbau bislang nicht gut an. Die Aktie schloss am Montag bei 22,75 Euro und liegt damit rund 5,7 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 24,14 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 3,6 Prozent zu Buche. Anleger scheinen die kurzfristigen Restrukturierungskosten stärker zu gewichten als die langfristige Perspektive aus schlankerer Kostenbasis und gestärkter Bilanz.

Für die kommenden Monate bleibt die Umsetzung der Kapitalerhöhung der entscheidende Prüfstein. Bis Ende Februar 2027 muss Lenzing die frischen Mittel einsammeln, während parallel die Werksschließungen in Heiligenkreuz und Grimsby voranschreiten. Erst wenn beide Prozesse abgeschlossen sind, dürfte sich zeigen, ob die strategische Neuausrichtung die erhoffte finanzielle Entlastung bringt.

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