Lenzing Aktie: Kapitalerhöhung über 300 Millionen Euro

Lenzing meldet sinkende Umsätze und EBITDA im ersten Halbjahr 2026. Die geplante Kapitalerhöhung über 300 Mio. Euro steht im Fokus der Hauptversammlung.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzrückgang auf 1,27 Mrd. Euro
  • EBITDA-Marge sinkt auf 18,9 Prozent
  • Kapitalerhöhung über 300 Mio. Euro geplant
  • Attersee-Trockenheit birgt Produktionsrisiko

Eine Woche vor der außerordentlichen Hauptversammlung liefern die Halbjahreszahlen von Lenzing den Beleg dafür, wie tief der Umbau des Faserherstellers greift. Die Umsatzerlöse sanken im ersten Halbjahr 2026 auf 1,27 Milliarden Euro, nach 1,34 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Ausschlaggebend waren der Rückzug aus margenschwachen Standardfasern sowie geringere Erlöse im externen Zellstoffgeschäft, wie Lenzing am 6. August mitteilte.

Auch die Ertragskraft litt: Das EBITDA ging von 268,6 auf 239,2 Millionen Euro zurück, die EBITDA-Marge sank von 20 auf 18,9 Prozent. Der Rückgang fällt in eine Phase, in der Lenzing gezielt Volumen und Margen zugunsten einer schlankeren Aufstellung opfert – die Zahlen spiegeln damit weniger eine operative Schwäche als die bewusste Bereinigung des Portfolios wider.

Attersee-Trockenheit als neuer Unsicherheitsfaktor

Neben dem finanziellen Bild rückt ein operatives Risiko in den Fokus: Medienberichten zufolge könnte die Trockenheit des Attersee die Produktion am Stammsitz Lenzing beeinträchtigen, da der Abfluss aus dem See reduziert wird.

Am Standort sind 2.670 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Wasserengpass am Hauptstandort träfe das Unternehmen zu einem Zeitpunkt, an dem ohnehin bereits Kapazitäten in Heiligenkreuz und Grimsby heruntergefahren werden und die Belegschaft konzernweit deutlich schrumpfen soll.

Kapitalerhöhung rückt näher

Der eigentliche Termin der kommenden Woche bleibt die außerordentliche Hauptversammlung am Dienstag, 25. August, um 10:00 Uhr. Die Aktionäre entscheiden dort über die Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten von bis zu 300 Millionen Euro sowie über eine Aufsichtsratswahl. Die Hauptaktionäre B&C-Gruppe und Suzano sowie die Oberbank stehen hinter dem Einsparprogramm, und die Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten wurden bereits bis 2030 verlängert.

Für das laufende Jahr rechnet Lenzing zudem mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen auf Sachanlagen von bis zu 150 Millionen Euro, die das Konzern-EBIT und -ergebnis belasten, das EBITDA aber unberührt lassen. Restrukturierungsrückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro für Personalmaßnahmen wirken dagegen direkt auf das EBITDA 2026.

Kurs bleibt unter Druck

An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus schwächeren Zahlen und offenem Ausgang der Kapitalerhöhung im Kursverlauf: Die Aktie schloss am Montag bei 23,15 Euro und liegt damit rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 29,75 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 7,4 Prozent zu Buche, was den Titel unter den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 24,55 Euro drückt.

Für Anleger bleibt die kommende Hauptversammlung der entscheidende Termin: Erst mit der Zustimmung zur Kapitalerhöhung dürfte sich zeigen, ob der eingeschlagene Umbaukurs von B&C, Suzano und Oberbank ausreichend finanziert wird, um die operativen Belastungen aus Werksschließungen, Stellenabbau und möglichen Produktionseinschränkungen am Attersee zu überstehen.

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