LG Electronics Aktie: Nvidia-Partnerschaft für Physical AI

LG Electronics kooperiert mit Nvidia im Bereich Physical AI und treibt den Aktienkurs um fast 10 Prozent nach oben.

Die Kernpunkte:
  • Kurssprung von fast zehn Prozent
  • Nvidia-Partnerschaft für Robotik-Plattform
  • Neues Robotics Business Center gegründet
  • Roboter-Datenfabrik in Seoul geplant

Die Aktien von LG Electronics verzeichneten am 22. Juli einen deutlichen Kurssprung. Auslöser für das verstärkte Anlegerinteresse waren Berichte über eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem US-Chipgiganten Nvidia im Bereich der „Physical AI“. Der Kurs der Aktie stieg im Tagesverlauf um 9,82 % auf 190.200,00 KRW. Damit setzt sich die positive Entwicklung des Titels fort, der seit Jahresbeginn ein Plus von 106,96 % aufweist, wenngleich er mit einem Abstand von 56,58 % noch immer deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch notiert.

Strategische Allianz für Physical AI

Die Annäherung an Nvidia hat sich in den vergangenen Wochen durch hochrangige Treffen konkretisiert. Wie Medienberichte unter Berufung auf CHOSUNBIZ ausführen, besuchten Führungskräfte von LG Electronics, LG CNS und LG Innotek bereits am 22. Juni das Nvidia-Hauptquartier in Santa Clara. Am 8. Juli folgte ein Treffen zwischen dem LG-Vorsitzenden Koo Kwang-mo und Nvidia-CEO Jensen Huang in Korea.

Im Zentrum der Kooperation steht die Integration der Nvidia-Plattform Isaac für Roboter-Software. Ziel ist es, LG Electronics als führenden Anbieter für Physical AI zu positionieren – eine Technologie, die künstliche Intelligenz direkt in physische Systeme wie Roboter und automatisierte Fertigungslinien integriert.

Umbau der Konzernstruktur und neue Datenfabrik

Um diese Ambitionen operativ zu untermauern, hat LG Electronics zum 1. Juli 2026 ein neues Robotics Business Center eingerichtet. Diese Einheit ist direkt CEO Ryu Jae-cheol unterstellt und wird von Song Si-yong geleitet. Die Strategie des Zentrums ruht auf drei Säulen: industrielle, kommerzielle und private Robotik.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Offensive ist die geplante Inbetriebnahme einer großangelegten Roboter-Datenfabrik auf dem Yangjae R&D Campus in Seoul bis Ende 2026. Hierbei greift das Unternehmen auf die Expertise der Tochtergesellschaft Robostar sowie auf Bear Robotics zurück, an der LG eine Mehrheitsbeteiligung von 51 % hält. Zudem plant der Konzern, Aktuatoren – die Antriebselemente der Roboter – künftig selbst zu produzieren, wobei die über 60-jährige Erfahrung in der Motorenentwicklung genutzt werden soll.

Starkes Quartalsergebnis stützt Neuausrichtung

Die Transformation findet vor dem Hintergrund solider Geschäftszahlen statt. Im zweiten Quartal 2026 erzielte LG Electronics einen Betriebsgewinn von 1,5788 Billionen Won, was einer Steigerung von 146,9 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die operative Marge kletterte in diesem Zeitraum von 3,1 % auf 6,6 %.

Treiber dieser Entwicklung ist der strategische Wandel hin zu einem plattformbasierten Geschäftsmodell. Bis zum Jahr 2030 strebt das Unternehmen an, 50 % seines Umsatzes und 75 % seines Betriebsgewinns durch Plattformdienste, das B2B-Geschäft und neue Geschäftsfelder zu erwirtschaften. Das Betriebssystem webOS spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Aktuell sind weltweit über 200 Millionen Geräte mit webOS ausgestattet; mittelfristig wird eine Zielmarke von 300 Millionen Geräten angestrebt. Ein aktueller Erfolg im B2B-Segment ist die Kooperation mit Hyundai E&C, im Zuge derer über 7.000 Haushalte in einem Seouler Sanierungsprojekt mit abonnementbasierten Haushaltsgeräten und Serviceleistungen ausgestattet werden.

Geografische Verlagerung der Produktion

Während LG Electronics in zukunftsträchtige Technologien investiert, strafft der Konzern sein bestehendes Produktionsnetzwerk. Laut Berichten von The Elec wird das Unternehmen sein erstes Werk im chinesischen Huizhou nach 34 Jahren Betrieb schließen. Die Produktion von Audiogeräten am Standort Huizhou soll nach Oktober 2026 eingestellt werden. Als Gründe werden sinkende Nettogewinne und eine sinkende Kapazitätsauslastung angeführt. Eine Verlagerung der Fertigungskapazitäten nach Vietnam oder eine Liquidation des Standorts werden derzeit geprüft. Diese Maßnahme unterstreicht das Bestreben des Managements, die Effizienz zu steigern und Ressourcen in die Wachstumsfelder Robotik und KI-Infrastruktur zu lenken.

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