Li-FT Power Aktie: Renard-Option läuft bis 3. Oktober
Li-FT Power sichert sich 20 Mio. CAD für die Renard-Diamantenmine, während das Lithium-Kerngeschäft in Québec weiter voranschreitet.

- Bought-Deal-Platzierung über 20 Mio. CAD
- Renard-Option bis Oktober befristet
- Bohrprogramm am Adina-Galinée-Projekt läuft
- Kursziel von Analysten gesenkt
Ein Lithium-Explorer, der sich eine stillgelegte Diamantenmine sichert, um sein Kerngeschäft zu finanzieren – das klingt zunächst wie ein Widerspruch. Genau das aber treibt Li-FT Power derzeit um, und der Fall zeigt exemplarisch, wie eng Rohstoffjunioren im aktuellen Marktumfeld zwischen Wachstumsambition und Kapitalnot balancieren. Wer heute kritische Mineralien fördern will, braucht offenbar mehr als eine gute Lagerstätte – er braucht kreative Finanzierungswege, und die kosten meist: Verwässerung.
Frisches Geld für eine ungewöhnliche Option
Am Dienstag kündigte Li-FT Power eine „Bought Deal“-Platzierung über 20.010.000 kanadische Dollar an, 6.900.000 Aktien zu je 2,90 kanadischen Dollar. Der überwiegende Teil des Erlöses soll die geschätzten 18 Millionen kanadischen Dollar an Betriebs- und Instandhaltungskosten für das erste Jahr der Renard-Diamantenmine-Option decken. Was darüber hinausgeht, fließt laut Unternehmensangaben in Working Capital und allgemeine Unternehmenszwecke. Am Donnerstag stand das Bookbuilding für die Platzierung; das Konsortium unter Führung von Canaccord Genuity Corp. hält zusätzlich eine Mehrzuteilungsoption über 1.035.000 weitere Aktien. Am Mittwoch hatte Li-FT Power an der australischen Börse ASX vorsorglich eine Handelsaussetzung beantragt, bis das formelle Ergebnis der Kapitalerhöhung feststeht – ein üblicher, aber sprechender Reflex in nervösen Marktphasen. Der Abschluss der Platzierung ist für den 12. August vorgesehen, vorbehaltlich der finalen Zustimmung der TSX Venture Exchange.
Bemerkenswert ist die erwartete Beteiligung von Avenir Minerals Limited, einer Tochtergesellschaft von Agnico Eagle Mines, die im Rahmen einer bestehenden Investorenrechte-Vereinbarung an der Runde teilnehmen soll. Ein strategischer Ankerinvestor aus der etablierten Minenbranche signalisiert zumindest ein gewisses institutionelles Vertrauen in die Gesamtstrategie – auch wenn das die Verwässerung für bestehende Aktionäre nicht kleiner macht.
Renard: Chance mit Verfallsdatum
Die rechtliche Basis für das Diamantenprojekt ist gelegt: Der Superior Court of Québec genehmigte am 14. Juli die bindende Call-Option-Vereinbarung, mit der Li-FT Power die Renard-Diamantenmine samt Verarbeitungsanlage von Stornoway Diamonds (Canada) Inc. erwerben kann. Doch die Sache hat einen Haken mit festem Datum: Bis zum 3. Oktober muss das Ministère des Ressources naturelles et des Forêts die Verschiebung der Rekultivierungsarbeiten an der Mine genehmigen. Bleibt diese Zustimmung aus, fließt die beim Treuhänder hinterlegte Optionsgebühr von 12 Millionen kanadischen Dollar an Li-FT Power zurück – und die Option verfällt. Das Unternehmen hat also ein enges Zeitfenster, in dem sich entscheidet, ob Renard zum zweiten Standbein wird oder zur teuren Randnotiz.
Das eigentliche Geschäft läuft weiter
Während die Diamanten-Schlagzeilen dominieren, arbeitet Li-FT Power im Kerngeschäft unbeirrt weiter. Seit dem 17. Juli läuft das diesjährige Bohrprogramm am Adina-Galinée-Lithiumprojekt in Québec, angelegt auf 163 Diamantbohrlöcher mit rund 39.000 Metern Gesamtlänge. Ende Juni hatte das Unternehmen bereits Ergebnisse aus 20 Bohrlöchern am Yellowknife Lithium Project vorgelegt, darunter ein Höhepunkt von 26 Metern mit 1,29 Prozent Li2O am BIG-East-Pegmatit – ein Wert, der die geologische Substanz des Projekts unterstreicht. Personell rüstete sich das Management ebenfalls auf: Am 20. Juli berief Li-FT Power Jeff Reinson zum Chief Operating Officer und befördert April Hayward zur Executive Vice President für External Affairs & Strategic Partnerships.
Kühlere Einschätzung vom Markt
Am Montag senkte Simply Wall St das durchschnittliche Kursziel für Li-FT Power um 7,0 Prozent auf 10,37 kanadische Dollar, basierend auf einem Konsens von drei Analysten – zuvor lag die Marke bei 11,15 kanadischen Dollar. Ein automatisierter Analysedienst stufte das Papier zudem als technischen Verkaufskandidaten ein, was angesichts der Kursschwäche wenig überrascht.
Der Blick auf den Kursverlauf bestätigt die vorsichtige Stimmung: Am Donnerstag schloss die Aktie bei 1,83 Euro, nach einem Tagesminus von 1,34 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier rund 20,91 Prozent verloren, und vom 52-Wochen-Hoch bei 5,70 Euro trennen die Aktie mittlerweile 67,81 Prozent. Für einen Lithium-Explorer, der zugleich in eine Diamantenmine investiert, ist das eine ungemütliche Ausgangslage – die Frage, ob sich die Doppelstrategie am Ende auszahlt, bleibt vorerst offen und wird sich frühestens im Herbst am Verhalten der Québecer Behörde entscheiden.
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