Linde und Praxair: Scheitert die Fusion nun doch?

Der geplante Zusammenschluss zwischen dem deutschen Industriegase-Spezialisten Linde und dem amerikanischen Wettbewerber Praxair steht erneut auf der Kippe. Zwar hatte Anfang der Woche die EU-Kommission der Fusion unter Auflagen zugestimmt. Doch nun gibt es Gegenwind von anderen Wettbewerbsbehörden.

Federführend dabei sind erneut die USA. Dort hatte die zuständige Federal Trade Commission erst kürzlich Bedenken angemeldet. Das kam überraschend, wenn man bislang auf Unternehmensseite davon ausging, dass die schon gemachten Zugeständnisse ausreichen würden. Aber auch andere Behörden wie aus China, Indien, Südkorea und Brasilien äußerten sich zuletzt kritisch gegenüber den Plänen.

Scheitert die Fusion an der Obergrenze?

Das Problem: In den Fusionsvereinbarungen haben beide Firmen eine Obergrenze definiert, was die notwendigen Anteilsverkäufe angeht, um die Zustimmungen der Wettbewerbsbehörden zu erreichen. Diese Grenzen liegen bei 3,75 Milliarden Euro Umsatz und 1,1 Milliarden Euro operativer Gewinn. Sollten diese Grenzen überschritten werden, könnten beide Fusionspartner den Vertrag aufkündigen.

Linde hat bereits erklärt, dass die geforderten Anteilsverkäufe zumindest die Umsatzgrenze überschreiten könnten. Das ergibt sich aus den entsprechenden vorliegenden Forderungen der Wettbewerbsbehörden. Beide Partner könnten natürlich auch noch vereinbaren, dass die Fusion trotz Überschreitung fortgesetzt wird. Aber das ist derzeit mehr als unsicher.

Aktie von Linde wieder unter Druck

Zumal die Zeit drängt. Denn bis zum 24. Oktober benötigen Linde und Praxair die Zustimmung von allen Kartellbehörden. Dies liegt am deutschen Aktionärsrecht. Denn dieses sagt aus, dass die Aktionäre innerhalb von zwölf Monaten nach Bekanntgabe der Fusion Klarheit über das entsprechende Gelingen haben müssen.

Für die Linde-Aktie bedeuten diese neuen Entwicklungen natürlich nichts Gutes. Nachdem das Wertpapier schon vor zwei Wochen kräftig unter die Räder geriet, nachdem erste Spekulationen über ein Scheitern der Fusion in den Markt kamen, geht es nun erneut deutliche abwärts. Zwar bleibt man noch in der Spanne zwischen rund 187 und 195 Euro, die man quasi als Bodenbildung in den letzten Tagen erreichte. Doch Sicherheit sieht anders aus.

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