Lindt & Sprüngli Aktie: 27 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Lindt & Sprüngli streicht interne Vergünstigungen, während Kakaokosten und Lieferkettenvorwürfe die Aktie weiter belasten; UBS bleibt optimistisch.

Die Kernpunkte:
  • Ski-Weekend für Mitarbeitende gestrichen
  • Weihnachtsfeier steht zur Disposition
  • Aktie seit Jahresbeginn 27 Prozent schwächer
  • UBS bestätigt Kaufempfehlung für 2027

Lindt & Sprüngli greift zu ungewöhnlich sichtbaren Sparmaßnahmen: Der Schokoladenhersteller strich das traditionelle Ski-Weekend für Mitarbeitende, wie Berichten vom Mittwoch zu entnehmen war. Auch die Weihnachtsfeier steht demnach zur Disposition. Betriebsbedingte Kündigungen seien derzeit nicht geplant, hieß es weiter.

Sparzwang trifft auf Kakao-Krise

Dass ein Traditionsunternehmen wie Lindt & Sprüngli bei internen Benefits ansetzt, gilt als Signal für den anhaltenden Kostendruck in der Branche. Die hohen Kakaopreise belasten die Margen der Schokoladenhersteller seit geraumer Zeit, und offenbar reicht das operative Geschäft nicht mehr aus, um kleinere Vergünstigungen für die Belegschaft unangetastet zu lassen.

Für Anleger ist das ein Hinweis darauf, wie ernst das Management die Kostenlage nimmt, auch wenn die Summen der gestrichenen Posten für sich genommen überschaubar sein dürften.

Die Aktie reagierte auf die schwierige Gemengelage mit anhaltendem Abwärtsdruck. Seit Jahresbeginn hat das Papier 27 Prozent verloren, zuletzt schloss es bei 9.050,00 Euro nur noch 1,4 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Der Kursverfall der vergangenen Monate zeigt, dass die Marktteilnehmer die Kakao-Kostenbelastung offenbar stärker gewichten als frühere Wachstumsversprechen.

Vorwürfe zur Kakao-Lieferkette

Zusätzliche Unsicherheit brachte eine in den USA eingereichte Beschwerde gegen Lindt & Sprüngli. Der Vorwurf: irreführende Aussagen zum Kampf gegen Kinderarbeit in der eigenen Kakaolieferkette. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück.

Die Angelegenheit reiht sich in eine Phase ein, in der Lindt & Sprüngli ohnehin unter verschärfter Beobachtung steht – sowohl wegen der Kostenstruktur als auch wegen der Herkunft und Beschaffung des Rohstoffs Kakao.

Vor rund einem Monat hatten zudem Insiderverkäufe von Partizipationsscheinen für Aufsehen gesorgt; seither hat sich der Kurs um weitere 11,7 Prozent verbilligt. Das unterstreicht, wie fragil das Vertrauen der Anleger derzeit ist – jede neue Negativmeldung trifft auf eine ohnehin angeschlagene Kursverfassung.

Analysten sehen Licht am Ende des Tunnels

Nicht alle Stimmen sind pessimistisch. UBS bestätigte Ende August die Kaufempfehlung für Lindt & Sprüngli und rechnete mit einer Rückkehr zu attraktivem Mengenwachstum im Geschäftsjahr 2027. Diese Einschätzung liegt allerdings bereits mehr als eine Woche zurück und datiert vor die jüngsten Sparmaßnahmen-Meldungen – ob die Analysten ihre Position angesichts der aktuellen Entwicklungen halten, ist offen.

Für die kommenden Monate bleibt die Frage entscheidend, ob die internen Einsparungen ausreichen, um die Kostenlast aus den hohen Kakaopreisen zumindest teilweise zu kompensieren.

Der nächste reguläre Termin, an dem sich das zeigen dürfte, ist die für Januar erwartete Veröffentlichung der Geschäftsentwicklung – bislang mit dem 19. Januar als Bezugspunkt aus dem laufenden Turnus verankert. Bis dahin dürfte die Aktie ein Spielball zwischen Kostendisziplin-Signalen und Kakaopreis-Nachrichten bleiben.

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