Lindt & Sprüngli Aktie: Neue Sparprogramme aufgelegt
Lindt & Sprüngli senkt Kosten wegen hoher Kakaopreise. Umsatz und Ausblick steigen, doch Europa und Absatzmengen bleiben unter Druck.

- Weitere Sparprogramme trotz Einstellungszurückhaltung
- Kakaokosten belasten die Margenentwicklung
- Nordamerika wächst, Europa verliert Umsatz
- Aktienrückkauf über eine Milliarde Franken
Lindt & Sprüngli greift härter durch: Der Schokoladenkonzern hat weitere Effizienz- und Kostensparprogramme aufgelegt und bleibt bei Neueinstellungen restriktiv. Das bestätigte das Unternehmen am Mittwoch. Betriebsbedingte Kündigungen sind derzeit nicht geplant, doch die Zurückhaltung bei der Personalplanung besteht schon länger.
Sichtbarstes Zeichen des Sparzwangs ist eine kleine, aber symbolträchtige Entscheidung: Das traditionelle Skiwochenende in Grindelwald fällt einmalig aus. Medienberichten zufolge steht zudem die Weihnachtsfeier zur Disposition. Solche Einschnitte bei Mitarbeiter-Events mögen für sich genommen wenig ins Gewicht fallen – sie signalisieren aber, wie ernst das Management die Kostenlage nimmt.
Kakaopreise treiben die Kostenlast
Auslöser der Sparanstrengungen sind die seit Ende 2023 kräftig gestiegenen Kakaopreise. Um Preissteigerungen für die Konsumenten in Grenzen zu halten, hat Lindt & Sprüngli mehrere Effizienzprogramme parallel aufgesetzt. Der Konzern versucht damit, den Spagat zwischen Margenschutz und Kundenbindung zu meistern – in einem Umfeld, das seit den Halbjahreszahlen im Juli spürbar unter Druck steht.
Diese Zahlen offenbarten das Dilemma deutlich: Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz organisch um 4,3 Prozent auf 2,33 Milliarden Franken, das EBIT lag bei 260,2 Millionen Franken, entsprechend einer Marge von 11,2 Prozent.
Möglich wurde das Wachstum vor allem durch gruppenweite Preiserhöhungen von 11,8 Prozent – die allerdings mit einem Rückgang bei Volumen und Mix von 7,5 Prozent erkauft wurden. Die Kunden kaufen also weniger, zahlen dafür aber deutlich mehr pro Tafel.
Regional zeigte sich ein gespaltenes Bild: Europa verzeichnete ein organisches Umsatzminus von 2,1 Prozent, belastet durch ein schwaches Ostergeschäft, rückläufige Tourismusströme und eine verhaltene Konsumentenstimmung.
Nordamerika wuchs dagegen um 12,7 Prozent, der Rest der Welt um 10,2 Prozent. Trotz der teils kräftigen Absatzeinbussen in den ersten sechs Monaten bestätigte die Gruppe ihren Jahresausblick und bleibt nach eigenen Angaben zuversichtlich hinsichtlich der mittel- bis langfristigen Wachstumsziele.
Kurs nahe Jahrestief, Aktienrückkauf läuft weiter
An der Börse hinterlässt die Gemengelage tiefe Spuren. Die Aktie schloss am Freitag bei 8.980,00 Euro, ein Minus von 0,9 Prozent auf Tagesbasis. Auf Sicht von 30 Tagen beträgt der Rückgang 10 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 28 Prozent zu Buche.
Das Papier notiert damit nur noch 0,6 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 8.925,00 Euro, das erst am 3. September markiert wurde – der Sparkurs fällt also in eine Phase, in der die Aktie bereits am unteren Ende ihrer Handelsspanne kratzt.
Bemerkenswert ist, dass Lindt & Sprüngli seit Mai gleichzeitig ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde Franken fährt, das bis zum 30. April 2029 laufen kann und maximal 10 Prozent des Kapitals umfassen darf.
Der Konzern kauft damit eigene Aktien zurück, während der Kurs gleichzeitig auf mehrjährige Tiefstände fällt – ein Kontrast, der zeigt, wie sehr das Management trotz der operativen Probleme an den langfristigen Wert der Marke glaubt.
Im Verwaltungsrat gab es zudem eine personelle Erweiterung: Ricarda Demarmels, seit 2023 CEO der Emmi Group, wurde im April in das Gremium aufgenommen und übernimmt dort einen Sitz im Audit Committee. Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die eingeleiteten Sparmassnahmen ausreichen, um die Margen zu stabilisieren, solange die Kakaopreise auf hohem Niveau verharren und die Konsumenten mit spürbar höheren Preisen konfrontiert sind.
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