Lithium halbiert, Kupfer knapp: Zwei Metalle, zwei Richtungen fürs Depot
Lithium verliert seit Mai die Hälfte seines Preises, während Förderausfälle Kupfer verteuern und Aluminium ein Überschuss droht.

- Lithiumcarbonat seit Mai halbiert
- Kupfer steigt wegen Minenausfällen in Chile
- Aluminiumpreis fällt auf tiefsten Stand seit Februar
- Volkswagen-Auslieferungen sinken im dritten Quartal
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
der Batterierohstoff Lithium hat sich seit Mai im Preis halbiert. Am Montag rutschten die Lithiumcarbonat-Futures in Guangzhou um knapp 12 Prozent ab, und Albemarle folgte vorbörslich nach unten.
Gleichzeitig steigt Kupfer wegen Förderausfällen in Chile auf ein Zwei-Wochen-Hoch, während Aluminium auf ein Acht-Monats-Tief fällt. Rohstoffe bewegen sich derzeit nicht als Block, sondern jeder für sich – und das eröffnet Anlegern jenseits des Ölpreises konkrete Chancen.
Lithium: Der Preis halbiert sich, die Nachfrage wächst trotzdem
Wer Albemarle im Depot hat oder auf einen Einstieg wartet, braucht jetzt Geduld statt Mut. Der Januar-Kontrakt auf Lithiumcarbonat fiel am Montag um 11,79 Prozent auf 104.740 Yuan je Tonne, umgerechnet rund 14.000 Euro. Gegenüber dem Mai-Hoch von 209.840 Yuan (rund 28.000 Euro) hat sich der Preis damit exakt halbiert. Auch der Kassapreis für Batteriequalität gab um gut 5 Prozent nach.
Albemarle, der größte börsennotierte Lithiumproduzent, verlor vorbörslich 4,2 Prozent. Albemarle schreibt auf Zwölfmonatssicht einen berichteten Verlust je Aktie von 0,04 Dollar. Insider verkauften in den vergangenen zwölf Monaten Aktien für 7,4 Millionen Dollar und kauften keine einzige. Goldman Sachs erwartet innerhalb von zwei Jahren einen Angebotsüberschuss am Lithiummarkt.
Der Druck kommt von der Angebotsseite. Simbabwe exportierte in den ersten neun Monaten Lithiumprodukte für 2,16 Milliarden Dollar, der Durchschnittspreis für Spodumen-Konzentrat lag mit 1.483 Dollar je Tonne fast viermal so hoch wie im Vorjahr.
Ab Januar 2027 will die Regierung in Harare die Ausfuhr von Konzentrat allerdings verbieten. Die Nachfrageseite ist dagegen intakt: China verkaufte von Januar bis August 10,65 Millionen Elektrofahrzeuge, ein Plus von 10,7 Prozent, und die Lagerbestände sanken zuletzt auf 139.517 Tonnen.
Aufschlussreich ist ein Geschäft gegen den Trend. Der Rohstoffhändler Trafigura sichert sich bei EnergyX über zehn Jahre 100.000 Tonnen Lithium zu einem Basispreis von rund 20.000 Dollar je Tonne. Das liegt klar über dem aktuellen Terminpreis von umgerechnet 15.649 Dollar.
Wer Lithium handelt, sollte den Preisverfall als Überschießen lesen, aber nicht gegen ihn anlaufen: Erst eine Stabilisierung der Guangzhou-Futures, nicht ein einzelner Tagesrebound, wäre für Albemarle das Einstiegssignal.
Speicherchips: Zwei neue Gegenspieler für den Boom
Der Speicherboom bekommt Konkurrenz von zwei Seiten, und beide zielen auf Marktanteile. Micron notiert im Verlauf knapp 3 Prozent im Minus bei rund 894 Euro, klar unter dem Rekordhoch von Ende Juni. Auslöser sind Berichte über Fortschritte des chinesischen Speicherherstellers CXMT. In Seoul schloss Samsung mit einem Minus von 4,2 Prozent, der koreanische Markt verlor 3,6 Prozent. Infineon war mit knapp 3 Prozent Abschlag das Schlusslicht im DAX.
Das zweite Risiko kommt von den Kunden selbst. Microsoft stellte am Montag den eigenen Inferenz-Chip Maia 300 vor, gefertigt bei TSMC im N2P-Verfahren. Der Maia 300 soll 40 Prozent mehr Rechenleistung je Megawatt liefern als führende Grafikprozessoren und ab 2027 in der Breite laufen. Die Microsoft-Aktie markierte daraufhin ein 52-Wochen-Hoch, Nvidia gab leicht nach.
Wenn Micron, Samsung und Infineon unter dem Druck neuer Wettbewerber stehen, richtet sich der Blick auf KI-Profiteure abseits der bekannten Schlagzeilen. Ein kostenloser Spezialreport stellt vier Aktien vor, darunter einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Vier unterschätzte KI-Titel entdecken
Das Fundament des Booms trägt dennoch. Die Preise bestimmter Speicherchips haben sich binnen eines Jahres mehr als verachtfacht, Citi erwartet weltweite Investitionen in Waferfabriken von 286 Milliarden Dollar im Jahr 2028. Die Bewährungsprobe folgt diese Woche: ASML berichtet am Mittwoch, Analysten erwarten einen fast verdoppelten Gewinn je Aktie.
TSMC legt am Donnerstag vor, erwartet wird ein Nettogewinn von 23,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 65 Prozent. Für Infineon-Anleger liegt das Analystenziel im Schnitt bei 88,80 Euro, die Zahlen kommen am 10. November.
Die These: Nicht die Nachfrage ist das Problem, sondern die Verteilung der Gewinne – chinesische Wettbewerber und hauseigene Kundenchips drücken auf Marktanteile, nicht auf das Marktvolumen.
Kupfer gegen Aluminium: Ein Spread mit klarer Begründung
Bei Kupfer treibt physischer Mangel den Preis, bei Aluminium droht Überfluss. Kupfer stieg an der LME um 0,8 Prozent auf 14.657 Dollar je Tonne, ein Zwei-Wochen-Hoch. Im Vormonat lag der Rekord nahe 15.000 Dollar.
Der Grund liegt in Chile: Eine Lawine tötete am Sonntag zwei Arbeiter in Codelcos Mine El Teniente, der Tagebau steht still. Hinzu kommen ein Streik bei Antofagastas Mine Centinela und ein Tarifkonflikt bei BHPs Escondida. Die Kassaprämie sprang auf 181 Dollar je Tonne, vor einem Monat gab es noch einen Abschlag von 86 Dollar. Ein solcher Aufschlag zeigt physische Knappheit, nicht Spekulation.
Aluminium liefert das Gegenbild. Der Aluminiumpreis fiel bis auf 3.023 Dollar, den tiefsten Stand seit Februar, und liegt 19 Prozent unter dem Vierjahreshoch vom Juni. Citi erwartet für 2027 einen Überschuss von 1,8 Millionen Tonnen, nach einem Defizit von 941.000 Tonnen in diesem Jahr.
Für Anleger mit Rohstoff-ETCs ergibt sich daraus ein klares Setup: Kupfer long bei einem Anlauf über 15.000 Dollar, Aluminium erst dann, wenn die Überschuss-Prognosen revidiert werden. Als Aktienanker bieten sich BHP und Antofagasta an – beide liefern weniger, verdienen pro Tonne aber mehr.
Minenwerte wie BHP und Antofagasta sind nicht der einzige Weg, vom Rohstoffzyklus zu profitieren: Analyst Daniel Wilhelmi sieht bei Silber wegen der Industrienachfrage aus Photovoltaik und Verteidigung mehr Renditepotenzial als bei Gold. Sein PDF-Sonderreport liefert Namen und WKN ausgewählter Silber-Minen-Aktien samt Strategie-Fahrplan. Silber-Ideen mit WKN ansehen
Volkswagen: China bricht weg, Europa kauft Strom
Volkswagen ist die billigste Aktie im DAX, und die Quartalszahlen zeigen, warum. Volkswagen lieferte im dritten Quartal 1,89 Millionen Fahrzeuge aus, 14,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. In China sanken die Auslieferungen um 38,5 Prozent auf 405.800, Konkurrenten wie BYD und Xpeng gewinnen Marktanteile. In den USA fielen die E-Auto-Verkäufe um 86 Prozent auf 5.100 Stück.
Europa hält dagegen. Die E-Auto-Auslieferungen von Volkswagen stiegen dort um 19,6 Prozent, die Auftragseingänge um mehr als 60 Prozent. ID. Polo und Škoda Epiq brachten knapp 150.000 Bestellungen. Der E-Anteil am Auftragsbestand liegt bei rund 40 Prozent.
Die Bewertung ist extrem: Die VW-Vorzugsaktie notiert bei 68,38 Euro und mit einem KGV von 4,28 am günstigsten im DAX. Jefferies bestätigt Kaufen mit Ziel 120 Euro, warnt aber vor fragilen Jahreserwartungen und fordert Zahlen zur Restrukturierung.
Diese Restrukturierung ist hart: 50.000 Stellen fallen weg, die Haustarifverträge sind gekündigt, die Verhandlungen beginnen in der zweiten Oktoberhälfte. Die operative Marge soll 2026 nur noch bis zu 1 Prozent erreichen, Sonderbelastungen von rund 10 Milliarden Euro sind eingeplant.
Eine EU-China-Einigung über Hybridauto-Exporte stützte am Montag die Autowerte in Europa. Wer VW kauft, kauft die Wette, dass der Tarifabschluss die Kosten senkt, bevor China den Konzern weiter aushöhlt.
AST SpaceMobile: Der Verlierer des SpaceX-Deals wird zum Kauf
Nach dem Kursrutsch vom Freitag sieht die Deutsche Bank bei AST SpaceMobile wieder Aufwärtspotenzial. Die Deutsche Bank stuft AST SpaceMobile von Halten auf Kaufen hoch, Kursziel 93 Dollar. Die AST-Aktie liegt im Verlauf 5,3 Prozent im Plus bei rund 53,50 Dollar, nachdem sie am Freitag nach dem Frequenzkauf von SpaceX 10 Prozent verloren hatte.
Analyst Bryan Kraft sieht eine wachsende Chance, dass T-Mobile bei Satellitenverbindungen von Starlink zu AST wechselt. SpaceX erhält zugleich von Pivotal Research ein auf 230 Dollar erhöhtes Kursziel.
Für deutsche Anleger zählt die Nebenwirkung. Die Deutsche Telekom hat seit Freitag mehr als 7 Prozent verloren; rund zwei Drittel ihres Gewinns stammen aus dem US-Geschäft. Die FCC muss den Frequenzkauf noch genehmigen – bis dahin bleibt AST die spekulativere, SpaceX die teurere Wette auf dasselbe Thema.
Der globale Kompass
Europäische Anleger steckten im dritten Quartal 127,4 Milliarden Euro in ETFs, ein Rekord. Aus Krypto-ETFs flossen dagegen in der Woche bis 9. Oktober 1,2 Milliarden Dollar ab, Bitcoin notiert um 82.600 Dollar. Bei XRP wurde eine seit 2015 schlummernde Sicherheitslücke geschlossen, die das Erzeugen von Token aus dem Nichts ermöglicht hätte – ein Hinweis, dass Krypto-Risiken oft im Code liegen, nicht im Chart.
Für die kommenden Tage zählen drei Signale. ASML am Mittwoch und TSMC am Donnerstag entscheiden, ob der Chipsektor seine Korrektur beendet. Bei Lithium gilt: Erst wenn Guangzhou aufhört zu fallen, lohnt der Blick auf Albemarle. Und Kupfer bleibt der einzige Industriemetall-Markt mit echter physischer Knappheit – der Spread zu Aluminium ist das klarste Setup der Woche.
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