Lucid Group Aktie: Midsize-Start auf 2027 verschoben
Lucid verlegt den Start der Midsize-Plattform auf die zweite Jahreshälfte 2027 und strebt für 2026 eine Cashflow-Verbesserung um 1,4 Milliarden USD an.

- Midsize-Serienstart für 2027 geplant
- 500 Millionen USD weniger Investitionen vorgesehen
- Bolt-Vereinbarung bleibt unverbindlich
- Aktie seit Jahresbeginn 59 Prozent im Minus
Lucid Group richtet den operativen Fokus neu aus, muss bei den eigenen Wachstumsplänen jedoch Abstriche beim Zeitplan hinnehmen. Der Hochlauf der neuen, preisgünstigeren Midsize-Fahrzeugplattform verzögert sich auf die zweite Jahreshälfte 2027. Ursprünglich hatte der US-Konzern den Serienstart noch vor Ende 2026 avisiert.
Gleichzeitig forciert das Management um CEO Silvio Napoli nach einer abgeschlossenen Überprüfung durch die Restrukturierungsberatung AlixPartners ein umfassendes Kostensenkungsprogramm.
Mit dieser Neuausrichtung reagiert die Führung auf anhaltende Verluste und den hohen Kapitalbedarf im Vorfeld neuer Produktionsanläufe. Spekulationen über eine akute Zahlungsunfähigkeit wies das Management zurück, eine Insolvenz sei von den Beratern nicht empfohlen worden. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Ausgabendisziplin und gestreckte Investitionszyklen, um den finanziellen Spielraum bis zum Serienanlauf der neuen Modellreihe abzusichern.
Für das Gesamtjahr strebt der Konzern eine Cashflow-Verbesserung um 1,4 Milliarden USD an. Rund 500 Millionen USD dieser Summe sollen durch gekürzte Investitionsausgaben freigesetzt werden. Zudem strich das Unternehmen im Sommer eine Schicht im Werk AMP-1 und trennte sich von Teilen der Belegschaft, um die laufenden Betriebskosten dauerhaft zu senken.
Die Liquiditätspuffer verschaffen der Führung vorerst etwas Zeit. Mit Reserven von 3,0 Milliarden USD sieht sich der Hersteller bis weit in das Jahr 2027 hinein finanziert. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung durch die bestehende Modellpalette spürbar, weshalb Lucid parallel nach zusätzlichen Verwertungsmöglichkeiten für seine Antriebs- und Softwaretechnik sucht.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Kooperationen im Bereich autonomer Fahrzeugflotten an Bedeutung. Der Konzern will seine Plattformarchitektur für Mobilitätsdienstleister öffnen, um Skaleneffekte zu erzielen und das Geschäftsmodell jenseits reiner Endkundenverkäufe zu erweitern.
Flottenpläne auf unverbindlicher Basis
Für Aufmerksamkeit sorgte eine Vereinbarung der Sparte Lucid Technologies mit der europäischen Mobilitätsplattform Bolt. Das Vorhaben sieht den potenziellen Einsatz von mindestens 25.000 selbstfahrenden Fahrzeugen auf Basis der kommenden Midsize-Architektur und Nvidia-Hyperion-Technik vor.
Kay Stepper, President von Lucid Technologies, stellte jedoch klar, dass es sich dabei lediglich um eine unverbindliche Absichtserklärung und keine feste Bestellung handelt.
Ein Rollout setzt zudem voraus, dass die künftige Produktionsstätte in Saudi-Arabien rechtzeitig betriebsbereit ist. Bolt peilt auf seiner Plattform bis 2035 insgesamt 100.000 autonome Fahrzeuge an, rechnet in Europa wegen strenger regulatorischer Hürden aber mit einer sehr schrittweisen Einführung. Neben Bolt kooperiert Lucid in den USA bereits mit Uber und dem Technologiespezialisten Nuro, um autonome Fahrten mit dem SUV Gravity zu erproben.
Die Verknüpfung der Flottenambitionen mit der neuen Fahrzeugbasis unterstreicht, wie stark die langfristigen Wachstumsfantasien an der erfolgreichen Industrialisierung der kleineren Modellreihe hängen. Verzögerungen in der Entwicklung wirken sich damit unmittelbar auf die Partnerschaften aus.
An den Finanzmärkten sorgte die Gemengelage aus verzögerten Modellstarts und hohem Mittelverbrauch für anhaltenden Verkaufsdruck. Gestern schloss die Aktie bei 4,32 USD. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursverlust auf -59%.
Die Analysten von Citigroup stuften die Aktie weiterhin mit Buy ein. Am Markt richtet sich der Blick auf den 4. November, an dem Lucid seine nächsten Quartalszahlen vorlegt. Anleger werden dabei vor allem prüfen, ob die angekündigten Kostensenkungen bereits greifen.
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