Lucid Group Aktie: Mittelklasse verschoben auf 2027

Lucid verschiebt sein Mittelklassemodell auf 2027 und meldet einen Milliardenverlust im zweiten Quartal. Der Aktienkurs gab nachbörslich deutlich nach.

Die Kernpunkte:
  • Mittelklasse-Modell auf 2027 verschoben
  • Milliardenverlust im zweiten Quartal
  • Aktie fällt nachbörslich um acht Prozent
  • Liquidität reicht bis weit in 2027

Lucid-Chef Silvio Napoli macht reinen Tisch – und verschiebt dabei gleich ein zentrales Produktversprechen um mehr als ein Jahr. Das für Ende 2026 geplante Mittelklassemodell kommt frühestens in der zweiten Hälfte 2027. Der Grund: Napoli will nicht wiederholen, was er als Fehler der Vergangenheit bezeichnet – Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, bevor sie wirklich fertig sind.

Die Ankündigung kam zusammen mit Zahlen, die hinter den Erwartungen der Wall Street zurückblieben. Der Nettoverlust im zweiten Quartal kletterte auf über eine Milliarde Dollar, nach 539,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 3,30 Dollar. Die Aktie fiel nachbörslich um rund acht Prozent.

Ein Transformationsprogramm mit klarer Handschrift

Napoli, seit Juni an der Spitze des Unternehmens, nennt das Vorgehen einen „operativen Reset“. Kernstück ist ein Programm, das allein in diesem Jahr 1,4 Milliarden Dollar an Cashflow-Verbesserungen identifizieren soll – verteilt auf Fahrzeugbestände, Investitionsausgaben und Betriebskosten. Parallel dazu läuft die Produktion im US-Werk in Arizona nur noch auf einer statt zwei Schichten.

Eine aktualisierte Jahresprognose für 2026 legte das Unternehmen nicht vor. Napoli begründet das damit, dass er eine Guidance wolle, auf die er sich wirklich verlassen könne – nicht eine, die auf einem inzwischen überholten Geschäftsmodell basiert. Für das zweite Halbjahr rechnet er mit einer Produktion unterhalb des Marktkonsens, während die Auslieferungen über dem Niveau der ersten Jahreshälfte liegen sollen.

Trotz der Verschiebung beim Mittelklassemodell hält Lucid an seinem Robotaxi-Programm mit Uber und Nuro fest – Napoli bezeichnet es als „Top-Priorität“. Vorproduktionsfahrzeuge auf Basis des Gravity SUV sollen bis Jahresende an Partner gehen, rund 100 Stück sind geplant. Die eigentliche Serienproduktion für den Robotaxi-Einsatz soll Anfang 2027 anlaufen.

Liquidität soll bis weit ins Jahr 2027 reichen

Zum Quartalsende verfügte Lucid über eine Gesamtliquidität von drei Milliarden Dollar. Nach eigener Einschätzung reicht das zusammen mit den eingeleiteten Sparmaßnahmen bis weit in das Jahr 2027 hinein. Der Verwaltungsrat stellt sich demonstrativ hinter Napolis Kurs.

Die Zahlen fallen in eine ohnehin angespannte Phase für die Aktie, die seit Jahresbeginn rund 30 Prozent verloren hat. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Bericht über angebliche Insolvenz- oder Going-Private-Pläne den Kurs einbrechen lassen – Napoli wies das damals ebenso entschieden zurück wie erneut am Dienstag. Größter Anteilseigner bleibt der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund.

Für Anleger bleibt vorerst die Auslieferungsentwicklung im zweiten Halbjahr der wichtigste Gradmesser. Produziert wurden im zweiten Quartal 4.774 Fahrzeuge, ausgeliefert 3.953 – beides mit zweistelligen Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr, aber weit entfernt von den Stückzahlen etablierter Hersteller.

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