Lufthansa Aktie: 150 Millionen Euro Streiklast

Lufthansa verpasst erneut den DAX-Aufstieg. Tarifkonflikte, gesunkene Gewinne und hohe Volatilität belasten die Aktie trotz neuer Flottenpläne.

Die Kernpunkte:
  • Weiterhin keine Rückkehr in den DAX
  • Schlichtung im Pilotenstreit vereinbart
  • Operativer Gewinn auf 383 Millionen Euro gesunken
  • Neue Flugzeuge für 7,7 Milliarden US-Dollar

Lufthansa hat es auch bei der jüngsten Indexüberprüfung nicht zurück in die erste deutsche Börsenliga geschafft. Die turnusmäßige Prüfung der Deutschen Börse bestätigte am Freitag, dass sich an der Zusammensetzung des DAX nichts ändert – Lufthansa bleibt damit weiterhin im MDax notiert, wie die Börsen-Zeitung berichtete.

Für die Aktionäre ist das eine unangenehme Wiederholung: Bereits mehrfach war der Wiederaufstieg des einstigen DAX-Schwergewichts Thema, ohne dass sich an der Indexzugehörigkeit etwas änderte.

Baustelle Tarifkonflikt belastet das operative Bild

Während die Indexfrage vor allem symbolischen Charakter hat, wiegt der ungelöste Tarifstreit mit der Vereinigung Cockpit (VC) schwerer. Lufthansa und die Pilotengewerkschaft haben ein Schlichtungsverfahren vereinbart, das die Kernmarke, Lufthansa Cargo, CityLine und Eurowings umfasst.

Als Schlichter fungieren die früheren Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und Roland Koch. Ein Vorschlag der Mediatoren soll spätestens am 15. November vorliegen, das gesamte Verfahren soll bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein.

Kern des Streits sind die Forderungen der rund 5.000 betroffenen Piloten nach höheren Arbeitgeberbeiträgen zur betrieblichen Altersvorsorge – ein Punkt, den Lufthansa bislang ablehnt. Parallel dazu treibt auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO einen neuen Manteltarifvertrag für das Kabinenpersonal voran.

Die ungelöste Tarifsituation war bereits im zweiten Quartal ein spürbarer Kostenfaktor: Neben rund 750 Millionen Euro höheren Treibstoffkosten belasteten Streikeffekte von mindestens 150 Millionen Euro das Ergebnis, das vor rund einem Monat mit einem deutlich gesunkenen operativen Gewinn von 383 Millionen Euro gemeldet wurde – die Aktie hat seither rund 15,1 Prozent verloren.

Kurs unter Druck, Volatilität bleibt hoch

Die Marktreaktion spiegelt die Unsicherheit wider. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 7,86 Euro, nach einem Tagesgewinn von 1,7 Prozent – auf Monatssicht bleibt jedoch ein Minus von 9,3 Prozent stehen.

Zum 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro, erreicht im Juli, fehlen der Aktie inzwischen 23 Prozent. Die annualisierte Volatilität von 35 Prozent zeigt, dass Anleger weiterhin mit erheblichen Kursausschlägen rechnen müssen, solange Tarifkonflikt und operative Belastungen ungeklärt bleiben.

Strategische Weichenstellungen laufen weiter

Trotz der Belastungen hält Lufthansa an ihrem Investitionsprogramm fest. Der Aufsichtsrat genehmigte im Mai die Bestellung von zehn Airbus A350-900 und zehn Boeing 787-9 zu einem Listenpreis von 7,7 Milliarden US-Dollar, Auslieferung zwischen 2032 und 2034. Insgesamt umfasst die Bestellliste des Konzerns nun 232 Flugzeuge, davon 107 Langstreckenmaschinen.

Zusätzlich startet im Herbst die Auslieferung der ersten Airbus A220-300 für die neue Lufthansa City Airlines, deren Flotte bis 2031 komplett sein soll.

Auch beim Streckennetz zeigt sich Konsolidierung statt Wachstum: Zum Winterflugplan ab dem 25. Oktober streicht Lufthansa vier Europaverbindungen, darunter Frankfurt–Nantes und München–Istanbul. Auf der Route Frankfurt–Chicago sinkt die Frequenz von 14 auf zehn wöchentliche Flüge.

Zugleich treibt der Konzern sein bindendes Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an TAP Air Portugal voran, mit dem Lufthansa gegen Air France-KLM um Einfluss auf den portugiesischen Nationalcarrier und Zugang zu einem Transatlantik-Joint-Venture mit United Airlines und Air Canada konkurriert.

Für Anleger bleibt das Bild gemischt: Langfristige Flotten- und Netzwerkinvestitionen signalisieren Zuversicht in die Zukunft, während ungelöste Tarifkonflikte und die verpasste DAX-Rückkehr kurzfristig auf der Stimmung lasten.

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