Lufthansa Aktie: 23 Verbindungen aus Kernnetz gestrichen

Lufthansa streicht 23 internationale Verbindungen und verlagert Routen an Tochtergesellschaften. Analysten sehen den Aktienwert unter dem Liquidationswert.

Die Kernpunkte:
  • 23 Streichungen im internationalen Kernnetz
  • Verlagerung an Discover und City Airlines
  • Fokus auf profitable Langstreckenverbindungen
  • Analysten sehen fairen Wert bei 21 Euro

Lufthansa zieht den internationalen Flugplan spürbar enger. Der Konzern streicht 23 Verbindungen aus dem Kernnetz der Mainline und verlagert einen Teil der Strecken an andere Gesellschaften im eigenen Verbund. Das ist kein kosmetischer Eingriff, sondern eine deutliche Neuordnung des Geschäfts.

Frankfurt und München im Umbau

Besonders betroffen sind die Drehkreuze Frankfurt und München. In Frankfurt entfallen elf internationale Ziele, darunter Bordeaux, Glasgow und Minneapolis. In München nimmt Lufthansa zwölf Strecken aus dem Programm.

Der Hintergrund ist klar: Die vorzeitige Schließung von Lufthansa CityLine zwingt den Konzern, Strukturen neu zu sortieren. Hohe Standortkosten in Deutschland und teures Kerosin drücken zusätzlich auf die Kalkulation. Lufthansa versucht deshalb, den Kurz- und Mittelstreckenverkehr günstiger aufzustellen und Kapazitäten stärker auf profitable Langstrecken zu lenken.

Ein Teil der Verbindungen verschwindet dabei nicht komplett. Discover Airlines und die neue City Airlines übernehmen einige Routen innerhalb der Gruppe. Genau darin liegt der operative Kern der Umstellung: weniger Komplexität, mehr Kostenkontrolle.

Substanzwert rückt in den Fokus

An der Börse wird Lufthansa derzeit nicht nur an der operativen Entwicklung gemessen, sondern auch am Vermögenswert des Konzerns. MWB Research sieht die Aktie deutlich unter ihrem Liquidationswert und beziffert den fairen Wert auf 21,00 Euro. Das liegt klar über dem aktuellen Börsenkurs.

Die Begründung der Analysten ist greifbar. Allein die Flotte mit rund 635 Maschinen decke demnach bereits 76 bis 90 Prozent des gesamten Unternehmenswerts ab. Frachtgeschäft und Lufthansa Technik seien an der Börse bisher nur unzureichend eingepreist. Dazu kommt ein weiterer Hebel: Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Anteil moderner Flugzeuge von 27 auf 58 Prozent steigen.

Kursbild bleibt schwankungsanfällig

Am Freitag fiel die Aktie um 1,04 Prozent auf 8,36 Euro. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Minus von 2,08 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 2,15 Prozent zu Buche. Der Kurs liegt aber noch 3,87 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 8,05 Euro.

Technisch wirkt das Bild weder schwach noch überzeugend stark. Der RSI liegt bei 56,6 und damit im neutralen Bereich. Kurzfristig bleibt deshalb wichtig, ob sich die Aktie über ihrem gleitenden 200-Tage-Mittel halten kann, während im August die Finanzdaten zum abgelaufenen Quartal anstehen. Parallel dazu bleibt die geplante Aufstockung der Beteiligung an ITA Airways auf 90 Prozent ein zentrales Thema für das kommende Jahr, der Abschluss wird für das erste Quartal 2027 angestrebt.

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