Lufthansa Aktie: EBIT-Prognose um 35 Prozent gesenkt

IATA halbiert Branchengewinnprognose, Baader senkt Lufthansa-EBIT-Schätzung um 35 Prozent. Management hält an Zielen fest.

Die Kernpunkte:
  • IATA kappt Gewinnausblick für Airlines
  • Baader senkt Lufthansa-EBIT-Prognose drastisch
  • Kerosinkosten steigen um 1,7 Milliarden Euro
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Der Iran-Krieg trifft die Luftfahrt mit voller Wucht. Für Lufthansa bedeutet das: drastisch gesenkter Branchenausblick, eine um 35 Prozent reduzierte Gewinnschätzung — und ein Management, das trotzdem an seinen Zielen festhält.

IATA halbiert Branchengewinn

Der globale Luftfahrtverband IATA hat seine Prognose für den Branchengewinn 2026 von 41 auf rund 23 Milliarden Dollar gekappt. Im Vorjahr hatten die Airlines weltweit noch rund 45 Milliarden Dollar verdient. Als Haupttreiber nennt die IATA höhere Kerosinpreise und ein gesunkenes Passagieraufkommen infolge des Iran-Kriegs.

Die Zahlen dahinter sind einschneidend. Die globale Treibstoffrechnung der Airlines dürfte auf rund 350 Milliarden Dollar steigen — nach 252 Milliarden im Vorjahr. Kerosin macht damit fast ein Drittel der Betriebskosten aus. Der Gewinn pro Passagier halbiert sich auf etwa 4,50 Dollar. IATA-Generaldirektor Willie Walsh warnte, kleinere Fluggesellschaften könnten wegen der Treibstoffkosten in die Insolvenz geraten.

Baader kürzt Lufthansa-Schätzung massiv

Für Lufthansa konkret rechnet Baader-Analystin Yi Zhong mit noch tieferen Einschnitten. Sie senkte ihre EBIT-Prognose für 2026 um rund 35 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Für 2027 nahm sie sich ein knappes Fünftel vom Tisch — das neue Ziel liegt bei rund 2,3 Milliarden Euro.

Lufthansa hat zwar 80 Prozent seines Kerosinbedarfs abgesichert. Die verbleibenden 20 Prozent schlagen durch den Hormuz-Konflikt aber spürbar durch. Insgesamt dürfte die Treibstoffrechnung 2026 rund 1,7 Milliarden Euro über der ursprünglichen Planung liegen und auf fast neun Milliarden Euro steigen.

Selbst ein Friedensvertrag würde wenig schnell helfen. Baader geht davon aus, dass die Straße von Hormus noch eine Weile gesperrt bleibt. Bis sich Angebot und Nachfrage am Ölmarkt wieder ausbalancieren, vergehen demnach weitere Monate.

Management hält Kurs — mit Vorbehalt

Vorstandschef Carsten Spohr setzt auf höhere Ticketpreise und stärkere Nachfrage auf Asien- und Afrika-Routen. Den Ausbau des Flugangebots bremst er dagegen. Das Ergebnis im Tagesgeschäft soll den Vorjahreswert von knapp zwei Milliarden Euro dennoch deutlich übertreffen — also mehr als zehn Prozent Wachstum.

Finanzchef Till Streichert formulierte es ehrlicher: Das Ergebnis werde „vermutlich geringer ausfallen als ursprünglich gedacht.“ Er hält das Ziel weiterhin für erreichbar, „sofern es nicht zu Lieferengpässen beim Treibstoff oder zu weiteren Streiks kommt.“

Letzteres ist kein leerer Vorbehalt. Die Kabinengewerkschaft Ufo kritisiert, dass nach der Schließung von Lufthansa CityLine im April das Flugprogramm zur Kernmarke verlagert wurde — ohne ausreichend Personal. Rund 800 ehemalige CityLine-Beschäftigte stecken in unsicheren Übergangssituationen. Lufthansa wies die Kritik zurück und erklärte, man sei „für den Sommer sehr gut aufgestellt.“

Analysten streiten über den fairen Wert

Das Meinungsbild unter Analysten könnte kaum weiter auseinandergehen. MWB Research startete die Coverage mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 21 Euro — dem Dreifachen des aktuellen Kurses. Die These: Der Markt schreibt vergangene externe Schocks in die Zukunft fort und unterschätzt den strukturellen Wert. Allein die eigene Flotte decke nach MWB-Berechnungen rund 90 Prozent des aktuellen Börsenwerts ab. Lufthansa Technik, das Frachtgeschäft und die ITA-Beteiligung kämen gratis obendrauf.

Morgan Stanley sieht das anders. Die Bank stufte die Aktie bereits Ende Mai auf Underweight ab.

Immerhin: Carrier mit direkten Verbindungen zwischen Asien und Europa profitieren davon, dass die Golf-Airlines durch den Konflikt geschwächt sind. Neben Lufthansa Group gilt das auch für Air France-KLM, Singapore Airlines und Cathay Pacific.

Die Aktie notiert bei 8,26 Euro — im laufenden Jahr mit knapp 3,4 Prozent im Minus, aber rund 23 Prozent über dem Oktobertief. Ob das Jahresergebnis die Prognose hält, entscheidet sich spätestens mit den Halbjahreszahlen im Sommer.

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