Lufthansa Aktie: Kerosin-Engpass in Frankfurt?

Zusätzliche Betankung in Frankfurt soll Versorgungsrisiken vorbeugen; Gespräche über weitere TAP-Anteile und Vertragsdetails laufen.

Die Kernpunkte:
  • Zusatztreibstoff für ausgewählte Frankfurt-Flüge
  • Konzern erwartet derzeit keine Flugstreichungen
  • Gespräche über weitere 50,1 Prozent
  • JPMorgan senkt Lufthansa-Kursziel auf sieben Euro

Lufthansa reagiert auf mögliche Engpässe bei der Kerosinversorgung in Frankfurt mit vorsorglichem Zusatztanken. Flugstreichungen erwartet der Konzern derzeit nicht. Damit beschreibt das Unternehmen ein operatives Risiko, aber noch keine erwarteten Ausfälle im Flugplan. Die Aktie gewann gestern 2,4%; einen ursächlichen Zusammenhang mit der Mitteilung lässt die Nachrichtenlage nicht erkennen.

Vorsorge für den Flugbetrieb in Frankfurt

Wie Reuters gestern berichtete, hat Lufthansa auf ausgewählten Flügen zusätzliches Tanken vor dem Anflug auf Frankfurt veranlasst. Hintergrund ist eine reduzierte Pipelinekapazität infolge turnusmäßiger Wartungsarbeiten. Die Maßnahme soll möglichen Einschränkungen der Kerosinversorgung am Flughafen vorbeugen.

Für Anleger ist die Unterscheidung zwischen Vorsorge und tatsächlicher Betriebsstörung entscheidend. Lufthansa bereitet sich auf mögliche Versorgungsprobleme vor, rechnet deshalb aber bislang nicht mit Flugstreichungen. Diese Einschätzung ist ausdrücklich eine Erwartung des Konzerns und keine Garantie für einen unveränderten Betrieb.

TAP-Pläne reichen über den ersten Einstieg hinaus

Parallel zur operativen Vorsorge konkretisiert Lufthansa ihre Beteiligungspläne für TAP Air Portugal. Finanzvorstand Till Streichert erklärte gestern laut Reuters, der Konzern führe separate Gespräche über einen möglichen späteren Erwerb der verbleibenden 50,1 %. Portugal könnte dabei bis zu 5 % der Lufthansa-Aktien erhalten.

Diese Gespräche betreffen einen möglichen weiteren Schritt. Sie sind vom bereits ausgewählten Angebot im portugiesischen Privatisierungsverfahren zu unterscheiden. Auch die Auswahl dieses Angebots bedeutet noch keinen abgeschlossenen Einstieg: Die Transaktionsdokumente standen nach der Unternehmensmitteilung vom Mittwoch noch aus.

Lufthansa bot 1,025 Milliarden Euro für einen Anteil von 44,9 %. Bei einem Erwerb von 49,9 % könnte sich der Betrag erhöhen.

Damit hängt die finanzielle Größenordnung des ersten Einstiegs vom letztlich erworbenen Anteil ab. Für die Bewertung der Expansionspläne zählen entsprechend nicht nur die erwarteten Vorteile, sondern auch die endgültigen Vertragskonditionen.

Der Kaufpreis könnte auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen. Vorstandschef Carsten Spohr und Finanzvorstand Streichert bezifferten die erwarteten jährlichen Synergien gestern auf bis zu 450 Millionen Euro. Diese Summe sei bereits im ersten vollen Jahr nach dem Einstieg erreichbar.

Kerosin bleibt auch ein Ertragsrisiko

Während Lufthansa in Frankfurt die Versorgung absichern will, beschäftigt der Treibstoffmarkt auch die Analysten. Dabei geht es um unterschiedliche Risiken: Die Wartung betrifft die Verfügbarkeit am Flughafen, höhere Kerosinpreise dagegen die Ertragsentwicklung.

JPMorgan senkte am Mittwoch das Kursziel von 7,50 auf 7,00 Euro und beließ die Einstufung auf „Neutral“. Die Bank verwies auf Ertragsrisiken für Airlines 2027 durch gestiegene Kerosinpreise.

Der nächste Termin für die finanzielle Einordnung ist der 3. November. Dann veröffentlicht Lufthansa die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Bis dahin stehen der vorsorglichen Absicherung des Flugbetriebs die noch offenen Vertragsbedingungen des geplanten TAP-Einstiegs gegenüber.

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