Lyft: Jetzt kommt der Realitäts-Check

Die Euphorie hielt ja nicht lange an! Am Freitag hatte der Fahrdienst-Vermittler Lyft sein lang erwartetes und heiß gehandeltes IPO an der US-Börse. Im Vorfeld konnte das Unternehmen aufgrund einer überschäumenden Nachfrage sogar seinen Platzierungspreis auf zuletzt 72 Dollar je Aktie anheben. Am Tag des Börsengangs schoss der Wert letztlich bis auf die bisherige Rekordmarke von 88,60 Dollar hoch.

Für alle, die trotz des hohen IPO-Preises gezeichnet hatten, sicherlich ein schöner Gewinn. Was dazu führte, dass viele auch diese Zeichnungsgewinne mitnahmen. Mit der Folge, dass die Aktie geradezu abstürzte. Am Dienstag erreichte sie im Handelsverlauf ihr vorläufiges Tief bei 66,10 Dollar, konnte sich dann noch mit einem kleinen Aufschlag dazu mit 68,97 Dollar in den Feierabend retten. Doch auch damit liegt der Wert nun unter seinem Ausgabepreis.

Lyft im Realitäts-Check

Aber nicht nur die  zu erwartenden Gewinnmitnahmen bringen die Aktie unter Druck. Vielmehr folgt nun der übliche Realitäts-Check. Und der fällt derzeit wenig schmeichelhaft aus. Aktuell haben sich sechs Analysten in Amerika bereits mit einem Rating zur Aktie geäußert. Nur zwei davon vergaben eine Kaufempfehlung, drei setzten Lyft auf neutral. Und ein Analyst hat sogar eine Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 42 Dollar abgegeben.

Seine Begründung: Er hält die Wachstumschancen von Fahrdiensten für überbewertet, da er nicht davon ausgeht, dass sich Privatleute im großen Stil von ihren eigenen Autos verabschieden werden. Eine relativ simpler Einschätzung, aber durchaus ein berechtigter Baustein für eine kritische Betrachtung. Zumal bislang überhaupt nicht absehbar ist, wann Lyft, was auch für den großen Konkurrenten Uber gilt, in die Gewinnzone kommen kann. Im letzten Jahr verbuchte Lyft bekanntlich 911 Millionen Dollar Verlust nach -688 Millionen Dollar im Vorjahr. Und das, obwohl der Umsatz auf 2,16 Milliarden Dollar verdoppelt werden konnte.

Warnendes Beispiel Snap

Das erinnert letztlich dann doch die Anleger fatal an das Snap-IPO 2017. Die zuvor gehypte Social-Media-Plattform hatte ihre Aktien zu 17 Dollar platzieren können und war nach dem Börsengang auf bis zu 29,44 Dollar hochgeschnellt. Das entsprach einer Bewertung vom 80fachen des Umsatzes, obwohl das Unternehmen damals wie auch heute noch deutliche Verluste macht. Vor kurzem feierte die Aktie an der Börse ihren zweiten Geburtstag, liegt aber mit einem Kurs von rund elf Dollar nicht nur unter dem Ausgabepreis, sondern zwei Drittel unter den bisherigen Spitzenkursen.

Die berechtigte Frage: Wenn solches „Rebalancing“ der Bewertungen nach einem spektakulären Börsengang geradezu abzusehen ist, warum stürzen sich dann die Investoren so auf die jeweiligen Aktien? Es ist eine ziemlich eindeutige Erkenntnis: Bewertung spielt bei solchen Trendthemen im ersten Moment keine Rolle. Es ist die sprichwörtliche selbsterfüllende Prophezeiung, dass solche Werte meist hohe Zeichnungsgewinne versprechen, die insbesondere kurzfristig orientierte Anleger nutzen wollen. Das kann man gerne mitspielen, muss sich allerdings bewusst sein, dass man hier relativ zügig reagieren muss, wenn es dann in die andere Richtung geht.

Und Uber?

Fazit: Das Lyft -IPO wird sicherlich auch als Mahnung für den Konkurrenten Uber gesehen, der sich auch schon für einen Börsengang warm gelaufen hat (wie auch eine ganze Reihe anderer bekannter Startups). Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass Uber den Börsengang verpatzt. Aber auch das könnte sehr schnell nur zur (vorerst) kurzfristigen Eintagsfliege werden. Anleger, die hier mitmachen wollen, sollten sich dessen bewusst sein. Bei Lyft kommt für uns derzeit kein Engagement in Frage, hier müssen erst einmal die Verhältnisse geradegerückt werden und die derzeitige hohe Volatilität aus dem Markt verschwinden.

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