Lynas mit Rekordumsatz, Almonty verdreifacht Erlöse — Graphite One sichert Ohio-Standort
Westliche Rohstoffproduzenten profitieren von Chinas Exportbeschränkungen. Lynas und Almonty melden Rekordumsätze, während Graphite One einen wichtigen Standort in Ohio sichert.

- Lynas erzielt Rekordumsatz von 265 Mio. AUD
- Almonty verdreifacht Erlöse auf 25,4 Mio. USD
- Graphite One sichert Produktionsstandort in Ohio
- MP Materials übertrifft Erwartungen trotz Bewertungsdebatte
Chinas Exportbeschränkungen für Seltene Erden wirken wie ein Katalysator auf westliche Rohstoffproduzenten. Die Folgen zeigen sich diese Woche in Rekordquartalen, Milliardenfinanzierungen und strategischen Partnerschaften — aber auch in einer zunehmenden Kluft zwischen Unternehmen, die bereits Cashflow generieren, und solchen, die noch auf Genehmigungen warten. Fünf Aktien aus dem Sektor Seltene Erden und kritische Rohstoffe liefern gerade ein Lehrstück über verschiedene Reifegrade in einer Branche unter geopolitischem Hochdruck.
Almonty Industries: Wolfram-Boom katapultiert Erlöse nach oben
Der Wolfram-Spezialist hat im ersten Quartal 2026 einen finanziellen Wendepunkt markiert. Die Erlöse kletterten auf 25,4 Millionen US-Dollar — ein Anstieg von 221 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Treiber war der massiv gestiegene Wolfram-Spotpreis, befeuert durch chinesische Exportkontrollen und den Wegfall von Subventionen.
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Mindestens ebenso bemerkenswert: Der operative Cashflow drehte von minus 4,4 Millionen auf plus 9,7 Millionen US-Dollar. Almonty verfügt per Ende März über knapp 260 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln. Finanziell ist das Unternehmen damit so komfortabel aufgestellt wie nie zuvor.
Die Sangdong-Mine in Südkorea — eine der größten und hochgradigsten Wolfram-Lagerstätten weltweit — hat im März die formelle Inbetriebnahme gefeiert. Die volle kommerzielle Produktion wird für das dritte Quartal erwartet. Analysten reagieren entsprechend:
- Alliance Global erhöhte das Kursziel auf 26,25 CAD (zuvor 19,25 CAD), Rating „Buy“
- Bank of America hob auf 23 CAD an (zuvor 20 CAD), ebenfalls „Buy“
- Ab 1. Juni übernimmt Jorge Beristain die Position des CFO
An der Börse notiert die Aktie bei 27,99 CAD — ein Plus von über 130 Prozent seit Jahresbeginn. Der RSI von 85 signalisiert allerdings eine technisch überkaufte Lage. Die Volatilität bleibt mit knapp 80 Prozent auf annualisierter Basis erheblich.
Lynas Rare Earths: Rekordumsatz und Brückenschlag nach Vietnam
Lynas hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres Bruttoerlöse von 265 Millionen Australischen Dollar erzielt. Das entspricht einem Anstieg von 115 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt 31 Prozent über dem Vorquartal. Der durchschnittliche Verkaufspreis für Neodym-Praseodym stieg um 25 Prozent — getrieben durch steigende Marktpreise und einen wachsenden Anteil indexunabhängiger Verkäufe.
Strategisch noch gewichtiger ist die Rahmenvereinbarung mit LS Eco Energy, einer Tochter von LS Cable & System. Gemeinsam wollen beide Unternehmen in Vietnam eine Anlage zur Metallisierung Seltener Erden errichten. Die Fabrik soll Lynas‘ Oxide in Metallform überführen — den entscheidenden Zwischenschritt zur Herstellung von Permanentmagneten. Der Produktionsstart ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Außerhalb Chinas entsteht damit erstmals eine geschlossene Lieferkette von der Rohstoffgewinnung über die Metallverarbeitung bis zur Magnetproduktion. Das verschafft Lynas eine einzigartige Positionierung. Neun von zwölf Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei rund 19,86 AUD. In Frankfurt notiert das Papier bei 11,73 Euro — seit Jahresbeginn ein Plus von gut 63 Prozent, gleichzeitig aber rund 12 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Graphite One: Von Alaska nach Ohio — die Lieferkette nimmt Gestalt an
Graphite One hat einen Standort in Conneaut, Ohio, gesichert. Die Fläche bietet direkten Zugang zum Eriesee und damit zum Schifffahrtskorridor der Großen Seen. Dort soll eine Anlage zur Veredelung und Mischung von Anodenmaterial entstehen — das zentrale Bindeglied zwischen der geplanten Mine in Alaska und den Batteriefabriken im Mittleren Westen.
Der Zeitplan sieht eine erste Produktionsphase von 10.000 Tonnen pro Jahr ab dem vierten Quartal 2027 vor. Eine Erweiterung auf 25.000 Tonnen könnte bis zum dritten Quartal 2028 folgen. Langfristig peilt das Unternehmen eine Kapazität von 100.000 Tonnen Anodenmaterial jährlich an.
Die Finanzierungsseite gewinnt ebenfalls an Kontur. Die US-Export-Import-Bank hat ihr potenzielles Engagement auf über zwei Milliarden US-Dollar aufgestockt, davon 1,4 Milliarden für die Ohio-Anlage. Parallel laufen Abnahmegespräche mit drei Elektroautobauern und drei Batterieherstellern, an die bereits Proben von bis zu 20 Kilogramm Anodenmaterial geliefert wurden.
Die entscheidende regulatorische Hürde steht kurz bevor: Die Genehmigungsentscheidung für das Graphite-Creek-Projekt in Alaska unter dem FAST-41-Verfahren ist für den 29. September 2026 terminiert. In Frankfurt gab die Aktie diese Woche leicht nach auf 0,73 Euro — seit Jahresbeginn ein Minus von 38 Prozent. Das Papier spiegelt damit das typische Risikoprofil eines Unternehmens wider, das noch keine Erlöse erzielt.
European Lithium: Aktionäre stimmen im dritten Quartal über Übernahme ab
Für European Lithium steht ein Transformationsschritt an. Am 18. Mai hat Critical Metals Corp. eine bindende Vereinbarung zur Übernahme aller Aktien und Optionen unterzeichnet. Das Umtauschverhältnis: 0,035 Critical-Metals-Aktien je European-Lithium-Anteil.
Die Bedingungen sind klar definiert. European Lithium muss mindestens 330 Millionen AUD an liquiden Mitteln halten — per Ende März lag der Cashbestand bei rund 306 Millionen AUD. Critical Metals bringt zusätzlich etwa 124 Millionen US-Dollar ein. Beide Seiten haben Strafgebühren von jeweils 12 Millionen US-Dollar vereinbart, sollte eine Partei die Transaktion zum Scheitern bringen.
Für Aktionäre ist die Abstimmung im dritten Quartal 2026 der nächste Meilenstein. Wird die Übernahme abgesegnet, entsteht ein kombiniertes Unternehmen mit Zugang zu einer der weltweit größten Seltene-Erden-Lagerstätten in Grönland — eine strategische Aufwertung der bisherigen Lithium-Explorationsplattform.
MP Materials: Rekordproduktion trifft auf Bewertungsdebatte
MP Materials hat im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen: Der Gewinn je Aktie lag bei 0,03 US-Dollar statt der prognostizierten 0,01 US-Dollar Verlust. Die Erlöse erreichten 90,65 Millionen US-Dollar gegenüber erwarteten 73,57 Millionen. Die Produktion von Neodym-Praseodym-Oxid kletterte um 63 Prozent auf den Rekordwert von 917 Tonnen.
Trotzdem fiel die Aktie nach Vorlage der Zahlen im nachbörslichen Handel um gut 7 Prozent. Die Ursache liegt weniger in den operativen Kennzahlen als in der Bewertung: Bei einem Kurs von rund 68 US-Dollar handelt die Aktie zum etwa 37-Fachen des Umsatzes und mehr als dem 450-Fachen der erwarteten Gewinne. Das ist selbst für ein strategisch bedeutsames Unternehmen ambitioniert.
Ein geopolitischer Faktor kommt hinzu. Präsident Trumps jüngster China-Besuch nährt Spekulationen, dass Peking seine Exportbeschränkungen für Neodym lockern könnte. Für MP Materials, dessen Kerngeschäft auf genau diesem Element basiert, wäre das ein zweischneidiges Schwert: Mehr Angebot am Weltmarkt könnte die Preise drücken, die zuletzt die Margen getrieben haben.
Die Analysten bleiben dennoch optimistisch. Alle 16 Analysten empfehlen den Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei 80,40 US-Dollar. Deutsche Bank erhöhte zuletzt auf 70 US-Dollar. Die Mountain-Pass-Mine in Kalifornien produzierte 2025 mit 8.900 Tonnen Seltenerd-Verbindungen das höchste Volumen seit Jahrzehnten.
Wertschöpfungskette als Schlüsselthema
Was diese fünf Unternehmen verbindet, ist der gemeinsame Drang entlang der Wertschöpfungskette — weg vom reinen Abbau, hin zu verarbeiteten Materialien und strategischen Allianzen:
- Lynas baut über Vietnam die erste vollständige nicht-chinesische Lieferkette bis zum Permanentmagneten
- MP Materials erweitert mit seiner Texas-Magnetfabrik das Mine-to-Magnet-Modell
- Almonty nutzt den Wolfram-Preisboom, um die Sangdong-Mine zur vollen Kapazität hochzufahren
- Graphite One übersetzt seine Alaskan-Ressource in eine industrielle Produktionsplattform in Ohio
- European Lithium wird Teil einer größeren Plattform für schwere Seltene Erden
Die Kluft zwischen den Unternehmen bleibt allerdings erheblich. Lynas und Almonty generieren reale Cashflows. MP Materials produziert auf Rekordniveau, kämpft aber mit der eigenen Bewertung. Graphite One und European Lithium sind vorbörsliche Projekte, deren Wert an Meilensteinen und Transaktionen hängt.
Entscheidende Monate für den Sektor
Die kommenden 90 Tage bringen für jedes dieser Unternehmen kritische Wegmarken. European Lithium steht vor der Aktionärsabstimmung. Almonty muss den Übergang zur vollen kommerziellen Produktion in Sangdong meistern. Graphite One wartet auf die Genehmigungsentscheidung für Graphite Creek am 29. September. Lynas treibt den Ausbau auf 10.500 Tonnen NdPr pro Jahr voran und verhandelt das definitive Abkommen mit LS Eco Energy.
Bei MP Materials wird die Frage lauten, ob die diplomatische Annäherung zwischen Washington und Peking zu einer dauerhaften Preisbelastung für Neodym führt — oder ob der globale Nachfrageboom für Permanentmagnete, der sich bis 2040 verdreifachen soll, die geopolitischen Schwankungen überlagert. Die Antwort darauf wird nicht nur die Aktie, sondern den gesamten westlichen Seltenerd-Sektor prägen.
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