Magna schluckt deutsche Getrag, zieht die Aktie an?

Die kanadisch-österreichische Magna will den deutschen Getriebehersteller Getrag übernehmen. Damit schreitet die Konsolidierung im Markt der Autozulieferer weiter voran.

 

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Vereinbart wurde die Zahlung eines Kaufpreises in Höhe von ca. 1,75 Mrd. Euro. Darin enthalten ist eine Schuldenübernahme von 700 Mio. Euro. Getrag wurde im Rahmen dieser Übernahme mit 2,45 Mrd. Euro bewertet. Die Kartellbehörden müssen diesem Deal noch zustimmen, sodass die Abwicklung des Kaufs bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein soll.

 

Getrag – Ende einer Familienära

Das Unternehmen wurde im Jahr 1935 gegründet und stellt Getriebe aller Art her. Das Produktportfolio reicht dabei von manuellen Getrieben und Doppelkupplungsgetrieben bis hin zu Antriebslösungen für Hybrid- und Elektroantriebe.

Mit seinem Know-how schaffte es das Unternehmen bis zum weltweit größten unabhängigen Getriebesystemhersteller aufzusteigen. Dabei wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3,9 Mio. Getriebe gefertigt. Insgesamt sind 13.500 Mitarbeiter in dem Konzern beschäftigt. Der Umsatz lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 1,7 Mrd. Euro zzgl. 1,6 Mrd. Euro Erlösen aus Gemeinschaftsunternehmen.

Noch vor sechs Jahren befand sich Getrag während der weltweiten Wirtschaftskrise selbst in Nöten. In der Folge sprang das Land Baden-Württemberg mit einer Bürgschaft ein, um so die Arbeitsplätze zu erhalten. Mittlerweile finanziert Getrag sein Wachstum wieder aus eigenen Mitteln. Mit dem Verkauf an Magna wird sich die Gründerfamilie Hagenmeyer vollständig zurückziehen.

Damit endet die Ära der Familie. Jedoch bekundete Tobias Hagenmeyer, dass er diese Entscheidung für richtig hält, um auch die Arbeitsplätze weiterhin zu sichern. Er ist davon überzeugt, dass Getrag durch den neuen Eigentümer noch robuster gegen Marktschwankungen gesichert ist.

 

Magna bald die Nummer 1?

Magna gilt als Nummer 2 im Bereich der Autozulieferer nach Bosch. Die Produktpalette reicht dabei von Schließsystemen, Karosserie- und Fahrwerksystemen, Elektronik bis hin über Sitzsysteme und Innenausstattungen, um nur einiges zu nennen.

Das Interesse an Getrag ist nicht neu. Bereits in den vergangenen Jahren soll es immer wieder mal Gespräche über den Einstieg von Magna gegeben haben. Magna hat sich zum Ziel gesetzt, die Expansion des eigenen Antriebsstranggeschäftes voranzutreiben.

Unter diesem Aspekt passt Getrag hervorragend in den Magna-Konzern. Große Veränderungen sind derzeit bei Getrag nicht geplant. Das Unternehmen soll als eigenständige Einheit weitergeführt werden. Auch ein Stellenabbau sei derzeit nicht geplant.

Magna beschäftigt derzeit über 130.000 Mitarbeiter, verteilt in 29 Ländern auf vier Kontinenten. Der Hauptsitz liegt in Aurora in Kanada. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz im Konzern bei 36,6 Mrd. Dollar.

 

Aktie mit Chancen

Die Aktie von Magna lag seit Oktober letzten Jahres in einem konstanten Aufwärtstrend. Dieser gipfelte Anfang Juni in einem neuen Jahreshoch bei 50,65 Euro. Seither gab es leichte Kursabschläge, dennoch notiert der Wert immer noch auf einem guten Niveau.

150717 Magna

Magna ist durchaus einen Blick wert. Das Unternehmen hat ein 2016er KGV von 9,3 und liegt damit um einiges unter dem Durchschnitt der Autozulieferer. Die derzeitige Marktkapitalisierung liegt bei gut 23 Mrd. Dollar. Hier könnte sich ein Investment durchaus lohnen.

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