Marinomed Biotech Aktie: Sanierungsverfahren am 22. Juli beantragt
Marinomed Biotech beantragt gerichtliches Sanierungsverfahren. Grund sind ausgebliebene Earn-out-Zahlungen von Unither Pharmaceuticals.

- Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt
- Streit mit Unither über ausstehende Zahlungen
- Schulden von rund 27,9 Millionen Euro
- Market-Making-Vertrag durch RBI gekündigt
Das Biopharma-Unternehmen Marinomed Biotech hat am 22. Juli 2026 beim Landesgericht Korneuburg ein gerichtliches Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Dieser drastische Schritt wurde notwendig, nachdem Verhandlungen über entscheidende Zahlungen gescheitert sind. Die Unternehmensführung strebt nun eine finanzielle Neuaufstellung an, um den Betrieb des in Korneuburg ansässigen Spezialisten für Atemwegs- und Augenerkrankungen zu stabilisieren.
Zahlungskonflikt mit Unither Pharmaceuticals als Auslöser
Die aktuelle Liquiditätskrise ist unmittelbar auf ausbleibende Earn-out-Zahlungen aus dem Verkauf der Carragelose-Vermögenswerte zurückzuführen. Marinomed hatte diesen Geschäftsbereich im Februar 2025 für einen fixen Kaufpreis von 5 Millionen Euro an Unither Pharmaceuticals veräußert. Zusätzliche erfolgsabhängige Zahlungen, sogenannte Earn-outs, blieben jedoch aus.
Laut Berichten von Medien und Agenturen wie Reuters hat Unither die Verhandlungen über diese Zahlungen abgebrochen und eine geänderte Strategie sowie Verzögerungen bei Verträgen geltend gemacht. Marinomed prüft derzeit rechtliche Schritte gegen den Vertragspartner. Da die Mittel nicht flossen, konnte ein früherer Restrukturierungsplan vom November 2024 nicht mehr erfüllt werden. Das Unternehmen sieht sich nun mit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit konfrontiert.
Schuldenlast und geplanter Sanierungskurs
Die finanzielle Lage des Unternehmens ist angespannt. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 27,9 Millionen Euro, wovon etwa 22 bis 23 Millionen Euro auf unbesicherte Forderungen entfallen. Insgesamt sind rund 90 Gläubiger von dem Verfahren betroffen. Marinomed beschäftigt aktuell etwa 30 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 7,7 Millionen Euro.
Der dem Gericht vorgelegte Sanierungsplan sieht eine Quote von 20 Prozent für die Gläubiger vor. Diese soll innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren ausgezahlt werden. Vorstandschef Andreas Grassauer setzt auf dieses Verfahren, um die Fortführung des Unternehmens zu sichern. Infolge der Antragsstellung wurde die Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts für das Jahr 2026 auf unbestimmte Zeit verschoben.
Konsequenzen für den Börsenhandel
Die Nachricht löste an den Märkten erhebliche Verkaufsbewegungen aus. Die Aktie von Marinomed Biotech markierte in diesem Zusammenhang ein neues 52-Wochen-Tief bei 3,80 Euro. Zwar konnte sich das Papier zwischenzeitlich leicht erholen, doch die strukturellen Rahmenbedingungen für Anleger haben sich deutlich verschlechtert.
Zusätzlich belastet die Kündigung des Market-Making-Vertrags durch die Raiffeisen Bank International (RBI) den Handel. Die Bank beendete die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung am 22. Juli 2026. Ohne einen Market Maker drohen an der Wiener Börse eine deutlich geringere Liquidität und eine Ausweitung der Geld-Brief-Spannen (Spreads), was den Ein- und Ausstieg für Investoren erschwert. Der Vorstand ist bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für diese Dienstleistung. Bei einem aktuellen Kurs von 6,00 Euro beläuft sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens derzeit auf rund 11,49 Millionen Euro.
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