Marvell: 8,44 Prozent Sprung auf 184,58 Euro

Marvell Technology verzeichnet den größten Kurssprung seit Wochen, gestützt von Rekordumsätzen und optimistischen KI-Prognosen.

Die Kernpunkte:
  • Aktie steigt um über acht Prozent
  • Rekordumsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar
  • KI-Infrastruktur treibt Nachfrage an
  • Insider-Verkäufe und hohe Bewertung als Risiken

Marvell Technology hat den größten Kurssprung seit Wochen hingelegt. Die Aktie des Chipherstellers notiert aktuell bei 184,58 Euro und legt damit im Tagesverlauf um 8,44 Prozent zu. Getragen wird die Bewegung von einer breiten Rallye bei Halbleiteraktien, die sich rund um die Nachfrage nach Künstlicher-Intelligenz-Infrastruktur entzündet hat. Der Kurssprung folgt auf mehrere schwache Wochen: Vom 52-Wochen-Hoch bei 290,35 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen die Aktie noch immer 36,43 Prozent.

Rekordumsatz und starke Prognose als Fundament

Der eigentliche Auslöser der Kursbewegung liegt tiefer als der reine Sektor-Schwung. Marvell hatte für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Rekordumsatz von 2,418 Milliarden US-Dollar gemeldet, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Segment Datacenter steuerte 76 Prozent des Gesamtumsatzes bei. Für das laufende zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 2,7 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein erwartetes Wachstum von rund 35 Prozent, begleitet von einer Non-GAAP-Gewinnprognose je Aktie von 0,93 US-Dollar. Der operative Cashflow erreichte im ersten Quartal mit 638,8 Millionen US-Dollar ebenfalls einen Rekordwert. Marvell-Chef Matt Murphy sprach nach eigenen Angaben von „außergewöhnlichen KI-bezogenen Buchungen“ als Treiber dieser Entwicklung. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 20. August terminiert.

Auf diese Zahlen reagierte KeyBanc bereits mit einer Anhebung des Kursziels von 385 auf 400 US-Dollar bei einer Kaufempfehlung. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt bei einem Kursziel von 245,45 US-Dollar und einer Einstufung als „Moderate Buy“. Eine Auswertung von KI-Infrastrukturwerten mit einem PEG-Verhältnis unter 1,0 sah für Marvell zudem ein Kurspotenzial von rund 40 Prozent, während der Philadelphia Semiconductor Index insgesamt noch mehr als 20 Prozent unter seinem Höchststand notiert.

Bewertung und Insider-Verkäufe als Gegengewicht

Trotz der starken Zahlen mehren sich kritische Stimmen zur Bewertung. Auf Basis der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Gewinne je Aktie von 4,05 US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 51,1, für 2028 mit einer Prognose von 6,23 US-Dollar je Aktie sinkt der Wert auf 33,2. Diese Größenordnung nährt Diskussionen darüber, ob die hohen Erwartungen an das KI-Geschäft bereits vollständig im Kurs eingepreist sind. Der Investmentfonds Mediolanum International Funds reduzierte seinen Marvell-Bestand im ersten Quartal 2026 um 55,8 Prozent auf noch 77.011 Aktien. Auch aus dem Management kamen im Mai Verkäufe: CEO Murphy veräußerte am 13. Mai 7.500 Aktien zu je 177,26 US-Dollar, CFO Willem Meintjes trennte sich zwei Tage später von 4.000 Aktien zu 175,24 US-Dollar.

Der Abstand der Aktie zu ihrem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt beträgt aktuell trotz des heutigen Kurssprungs noch minus 12,43 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der jüngste mehrwöchige Rückgang noch nicht vollständig aufgeholt ist. Beobachter verweisen darauf, dass die aktuelle Chip-Rallye nicht zwingend auf einer nachweisbaren Verbesserung der KI-Fundamentaldaten beruht, sondern auch technische Gegenbewegungen nach den Verlusten der vergangenen Tage widerspiegelt. Als nächster Prüfstein gelten die anstehenden Quartalszahlen großer Technologiekonzerne, die zeigen sollen, ob die milliardenschweren KI-Investitionen der Branche tatsächlich Früchte tragen.

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