Marvell Aktie: Budzinski dreht von Verkaufen auf Kaufen
Budzinski bewertet Marvells eigenständiges Geschäft höher; bei Lumentum müssen Synergien und Gewinn je Aktie die Aktienausgabe rechtfertigen.

- Budzinski wechselt von Verkauf zu Kauf
- Google-Auftrag stützt höhere Geschäftserwartungen
- Lumentum-Deal erhöht Aktienzahl voraussichtlich um rund 50 Prozent
- Abschluss für erstes Halbjahr 2028 vorgesehen
Die heutige Hochstufung durch den Autor Zbigniew Budzinski trifft bei Marvell Technology den entscheidenden Punkt: Verbesserte Wachstumsperspektiven können eine freundlichere Bewertung rechtfertigen.
Für mich spricht sein Wechsel von einer Verkaufseinschätzung zu einer Kaufbewertung für einen genaueren Blick auf das operative Geschäft. Eine überzeugende Anlagethese entsteht daraus, sofern die höheren Erwartungen auch beim Gewinn und beim Zahlungsüberschuss je Aktie ankommen.
Budzinski stützt seine Einschätzung auf höhere Prognosen für die Geschäftsjahre 2028 und 2031 sowie einen bedeutenden Google-Auftrag für kundenspezifische Chips. Das ist der interessantere Ansatz als eine Debatte allein über den Kursrückgang. Entscheidend ist, welchen wirtschaftlichen Ertrag Marvell aus diesen Chancen ziehen kann.
Das eigenständige Geschäft verdient mehr Gewicht
Budzinski beziffert den fairen Wert ohne Lumentum auf 187,35 US-Dollar je Aktie. Unter Einbeziehung der geplanten Übernahme steigt seine Bewertung auf 199,48 US-Dollar. Seine Modelle ergeben ein Aufwärtspotenzial von 37–47 Prozent zum damaligen Kurs.
Damit liegt der wesentliche Bewertungsansatz bereits im eigenständigen Geschäft. Für mich ist das das stärkste Argument seiner Analyse: Marvell muss seine Attraktivität vor allem durch die eigene Geschäftsentwicklung begründen.
Der Google-Auftrag spricht dafür, sofern daraus die Erträge entstehen, die den verbesserten Prognosen zugrunde liegen. Die von Budzinski genannten Risiken durch Marktanteilsverluste begrenzen diese Zuversicht, solange ihre wirtschaftlichen Folgen offenbleiben.
Der Auftrag und die höheren Erwartungen liefern damit einen operativen Maßstab für die weitere Beurteilung. Anleger sollten ihre Aufmerksamkeit darauf richten, wie belastbar Marvell diese Wachstumsannahmen mit Geschäftszahlen unterlegt. Eine höhere Bewertung erscheint mir gerechtfertigt, wenn das Unternehmen seine Erwartungen durch profitables Wachstum bestätigt.
Die Übernahme muss sich je Aktie rechnen
Die in dieser Woche vereinbarte Lumentum-Übernahme hat einen impliziten Unternehmenswert von 115 Milliarden US-Dollar. Lumentum-Aktionäre sollen für jedes ihrer Papiere 4,5 Marvell-Aktien erhalten. Dadurch steigt Marvells Aktienzahl voraussichtlich um rund 50 Prozent.
Diese Größenordnung macht den Ertrag je Aktie zum entscheidenden Prüfstein. Der strategische Plan, optische Verbindungen stärker in die KI-Infrastruktur einzubinden, spricht für den Zusammenschluss, sofern daraus ein ausreichender zusätzlicher Gewinn entsteht. Für bestehende Aktionäre zählt, wie sich ihr Anteil am wirtschaftlichen Ergebnis entwickelt.
Marvell erwartet jährliche Kostensynergien von über 1 Milliarde US-Dollar und einen höheren bereinigten Gewinn je Aktie im ersten Jahr nach Abschluss. TD Cowen hält die erwarteten Kostensenkungen dagegen für unzureichend, um die Verwässerung auszugleichen.
Hier liegt der zentrale Bewertungsstreit. Ich halte die Unternehmensprognose für einen anspruchsvollen Maßstab, an dem sich die Transaktion messen lassen muss. Die Übernahme stärkt die Anlagethese, wenn Marvell die angekündigten Einsparungen und zusätzlichen Erträge tatsächlich realisiert. Die Skepsis von TD Cowen wiegt schwer, solange die wirtschaftliche Umsetzung hinter diesen Erwartungen zurückbleiben könnte.
Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2028 vorgesehen und steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung von Aktionären und Behörden. Damit bleibt die operative Entwicklung des bestehenden Geschäfts zunächst der unmittelbarere Prüfstein.
Die Beweislast liegt beim Unternehmen
Der nächste Ergebnisbericht wird für den 1. Dezember erwartet. Die Marktschätzung für den Umsatz im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2027 liegt bei 3,156 Milliarden US-Dollar. Dieser Termin bietet den nächsten konkreten Anhaltspunkt dafür, wie sich die verbesserten Erwartungen im Geschäft niederschlagen.
Mein Urteil fällt vorsichtig konstruktiv aus: Der Google-Auftrag und die höheren Prognosen sprechen für Marvell, sofern daraus nachhaltiges Wachstum je Aktie entsteht. Budzinskis Bewertung des eigenständigen Geschäfts gibt dieser Sicht ein nachvollziehbares Fundament.
Unterm Strich verdient Marvell eine Bewertung anhand seiner operativen Chancen, wobei die umfangreiche Aktienausgabe die Anforderungen an die Übernahme erhöht. Überzeugen kann das Unternehmen, wenn es beide Aufgaben erfüllt: das eigene Wachstum profitabel umzusetzen und den zusätzlichen wirtschaftlichen Ertrag von Lumentum für bestehende Aktionäre sichtbar zu machen.
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