Marvell: Canada Post kauft 21.000 Aktien

Nvidia beteiligt sich mit zwei Milliarden Dollar an Marvell. Analysten streiten über den fairen Wert, während institutionelle Anleger ihre Positionen ausbauen.

Die Kernpunkte:
  • Nvidia beteiligt sich mit Milliarden
  • Analysten uneins über fairen Wert
  • Institutionelle Anleger stocken auf
  • Marvell-Aktie bleibt unter 52-Wochen-Hoch

Nvidia investiert zwei Milliarden US-Dollar in Marvell Technology. Die Nachricht sorgt am Markt für Aufmerksamkeit, wirft aber zugleich die Frage auf, ob die Aktie ihre jüngste Rally noch rechtfertigt. Marvell schloss zuletzt bei 222,02 US-Dollar, nachdem das Papier über die vergangenen zwölf Monate um mehr als 190 Prozent zugelegt hatte.

Im deutschen Handel notierte die Marvell-Aktie am Freitag bei 191,50 Euro, ein Minus von 0,7 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Plus von 6,2 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die Nvidia-Nachricht die kurzfristige Stimmung stützt, auch wenn der Kurs mit einem Abstand von 34 Prozent noch deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch notiert.

Bewertung spaltet die Analysten

Die Kapitalspritze von Nvidia fällt in eine Phase, in der die Bewertung von Marvell zunehmend kontrovers diskutiert wird. Einem verbreiteten Bewertungsmodell zufolge liegt der faire Wert der Aktie bei lediglich 140 US-Dollar – deutlich unter dem zuletzt gezahlten Kurs von 222,02 US-Dollar. Das würde eine Überbewertung von rund 59 Prozent bedeuten.

Der Analystenkonsens sieht das deutlich optimistischer: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 245,94 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von knapp elf Prozent gegenüber dem jüngsten Schlusskurs entspräche. Die Diskrepanz zwischen fundamentalem Warnsignal und Analystenoptimismus zeigt, wie unterschiedlich der Markt die Wachstumsaussichten des Chipdesigners derzeit einpreist.

Als Risikofaktor gilt dabei vor allem die Abhängigkeit von den Investitionsbudgets großer Cloud-Anbieter – und die Möglichkeit, dass Amazon mit eigenen Trainium-Chips einen Teil dieser Nachfrage künftig selbst deckt.

Auf operativer Ebene bleibt Marvell profitabel: Bei einem Umsatz von 8,19 Milliarden US-Dollar weist das Unternehmen eine Nettomarge von knapp 29 Prozent aus, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 76. Im Vergleich zu kleineren Wettbewerbern aus dem KI-Chip-Segment schneidet Marvell nach gängigen Kennzahlen in den meisten Kategorien besser ab, wenngleich das Wachstumstempo einzelner Konkurrenten höher ausfällt.

Institutionelle Anleger bauen Positionen aus

Parallel zur Nvidia-Beteiligung zeigen jüngste Pflichtmitteilungen, dass mehrere institutionelle Investoren ihre Marvell-Positionen im zweiten Quartal aufgestockt haben. Die kanadische Pensionskasse Canada Post erwarb rund 21.000 Aktien für etwa 6,26 Millionen US-Dollar, während andere große Adressen ihre Bestände teils deutlich ausbauten.

Diese Zukäufe fallen in eine Phase, in der Reuters-Auswertungen zufolge Institutionen bei Technologie- und Halbleiterwerten insgesamt zurückhaltender agierten – im breiteren Halbleitersektor standen zuletzt 48 Prozent Netto-Käufer 34,5 Prozent Netto-Verkäufern gegenüber.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die Nvidia-Beteiligung liefert ein starkes Vertrauenssignal und stützt kurzfristig den Kurs, während die fundamentale Bewertungsdebatte offen bleibt. Wer auf Marvell setzt, wettet letztlich darauf, dass die Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Chips schneller wächst, als es die aktuellen Warnsignale zur Bewertung nahelegen.

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