Marvell explodiert nach Huang-Lob — Shopify und DoorDash unter Druck
Nvidia-CEOs Milliarden-Prognose katapultiert Marvell-Aktie um 32%. Während Chip-Werte Rekorde feiern, geraten Software-Titel wie Shopify und DoorDash unter Druck.

- Marvell-Aktie schießt um 32% hoch
- Applied Materials und Lam Research legen zu
- Shopify und DoorDash mit deutlichen Verlusten
- Thomson Reuters leidet unter KI-Ängsten
Jensen Huang macht Marvell-CEO Matt Murphy auf offener Bühne ein Milliarden-Kompliment — und löst damit eine Kettenreaktion im gesamten Halbleitersektor aus. Die Computex 2026 in Taipei hat am Dienstag die Karten im NASDAQ-100 neu gemischt. Während Chip-Aktien Rekorde feiern, müssen Software- und Plattformwerte kräftig Federn lassen.
Die Spaltung innerhalb des Technologiesektors ist so deutlich wie selten zuvor. Hardware und KI-Infrastruktur auf der einen Seite, Bewertungsdruck bei Software und Plattformen auf der anderen. Der S&P-500-Software-Sektor verlor am Dienstag rund 3,78 %, während der breitere Markt nahezu unverändert schloss.
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| Asset | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Marvell Technology | 249,65 € | +32,3 % |
| Applied Materials | 420,70 € | +6,8 % |
| Lam Research | 334,41 USD | +5,5 % |
| Thomson Reuters | 120,91 CAD | -6,9 % |
| Shopify | 100,60 € | -5,7 % |
| DoorDash | 133,86 € | -5,5 % |
Marvell Technology: Huangs Billion-Dollar-Prophezeiung
Ein einziger Satz reichte aus. Nvidia-CEO Jensen Huang prognostizierte auf der Computex, dass Marvell das nächste Unternehmen werden könnte, das eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar erreicht. Die Aktie schoss daraufhin um mehr als 32 % in die Höhe — einer der spektakulärsten Tagesgewinne in der jüngeren NASDAQ-100-Geschichte.
Hinter dem Kursfeuerwerk steckt mehr als ein prominentes Kompliment. Marvell meldete einen Rekordumsatz von 2,42 Milliarden US-Dollar im ersten Fiskalquartal, ein Plus von 28 % gegenüber dem Vorjahr. Für das zweite Quartal stellte das Management 2,7 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Der strukturelle Wandel bei Marvell ist beeindruckend: Der Umsatzanteil aus dem Rechenzentrumsbetrieb stieg in wenigen Jahren von unter 10 % auf 75 %. Das Unternehmen stellte zudem den neuen Teralynx T100 vor — einen 102,4-Tbps-Switch, der auf hyperscale KI-Cluster mit niedrigerem Energieverbrauch abzielt. Bis zum Geschäftsjahr 2029 soll allein der Umsatz mit Custom Chips die Marke von zehn Milliarden US-Dollar übersteigen.
Bei einem Kurs von 249,65 € und einer Verzehnfachung seit dem 52-Wochen-Tief bleibt die zentrale Frage, ob die Bewertung nach diesem Sprung nachhaltig ist. Die annualisierte Volatilität von über 107 % signalisiert: Hier ist extremes Momentum im Spiel.
Applied Materials: Struktureller Profiteur des KI-Zyklus
Applied Materials kletterte um 6,8 % auf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 420,70 €. Der Computex-Impuls traf auf ohnehin starke Fundamentaldaten. Im zweiten Fiskalquartal 2026 lieferte das Unternehmen einen Umsatz von 7,91 Milliarden US-Dollar — ein Plus von 11,4 % gegenüber dem Vorjahr.
Das verwässerte Ergebnis je Aktie stieg um 33,5 % und lag damit deutlich über den Konsensschätzungen. Noch wichtiger: Die Prognose für das dritte Quartal überraschte mit rund 8,95 Milliarden US-Dollar, während Analysten nur 8,15 Milliarden erwartet hatten.
Die Wall Street reagierte entsprechend:
- Deutsche Bank erhöhte das Kursziel auf 550 US-Dollar
- Mizuho hob das Ziel auf 540 US-Dollar an
- Beide Häuser bekräftigten ihre Kaufempfehlung
Applied Materials gilt als einer der Hauptprofiteure des KI-Superzyklus — unabhängig davon, welche Chip-Architektur sich letztlich durchsetzt. Das Unternehmen erwartet, dass der Umsatz im Bereich Advanced Packaging im Kalenderjahr 2026 um mehr als 50 % wächst.
Lam Research: Rekordquartal untermauert Aufwärtstrend
Auch Lam Research surfte auf der Computex-Welle und legte 5,5 % auf 334,41 USD zu. Der Impuls kam direkt von Nvidias Ankündigung, dass der Vera-Rubin-Chip in die Vollproduktion geht. Als Nachfolger der Blackwell-Architektur verspricht Vera Rubin eine zehnfache Reduzierung der Inferenz-Token-Kosten — ein Signal, das die Nachfrage nach Halbleiterausrüstung weiter befeuern dürfte.
Die fundamentale Basis stimmt. Lam Research meldete einen Rekordumsatz von 5,84 Milliarden US-Dollar im dritten Fiskalquartal 2026, ein Plus von 24 % zum Vorjahr. Das Management hob den Ausblick für die Ausgaben im Bereich Wafer Fabrication Equipment auf rund 140 Milliarden US-Dollar für das Gesamtjahr 2026 an.
Mizuho setzte das Kursziel auf 380 US-Dollar und verwies auf das erwartete Wachstum bei Advanced-Packaging-Umsätzen von über 50 %. Bei einem aktuellen Kurs von 334,41 USD sieht der Markt hier weiteres Aufwärtspotenzial.
Thomson Reuters: KI-Angst frisst Fundamentaldaten
Während der Halbleitersektor feiert, kämpft Thomson Reuters mit einer ganz anderen Seite der KI-Revolution. Die Aktie fiel um 6,9 % und notiert damit rund 47 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresanfang beträgt das Minus über 30 %.
Die operative Leistung ist eigentlich solide: Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen ein organisches Umsatzwachstum von 8 %, das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 10 %. Doch der Markt blickt nicht auf die Gegenwart, sondern auf die Zukunft — und die wirft unbequeme Fragen auf.
Anthropics Ankündigung eines KI-Tools zur Automatisierung rechtlicher Schriftsätze hat die Sorge geschürt, dass Thomson Reuters‘ Burggraben im Rechts- und Informationsdienstleistungsbereich schmaler wird als gedacht. Das Unternehmen investiert selbst massiv in eigene KI-Fähigkeiten und hat ein großes Aktienrückkaufprogramm aufgelegt. Der RSI von 27,6 deutet auf eine technisch überverkaufte Situation hin. Ob das reicht, um die strukturelle Skepsis zu durchbrechen, bleibt offen.
Shopify: Atempause nach Rekord-Rallye
Shopify gab 5,7 % ab — ein Rückgang, der weniger über das Unternehmen selbst aussagt als über die Marktmechanik. Der iShares Expanded Tech-Software ETF hatte in den drei vorangegangenen Sitzungen 15 % gewonnen. Das war die beste Dreitages-Performance in der Geschichte des ETFs. Gewinnmitnahmen waren unvermeidlich.
Fundamental mischen sich Licht und Schatten. Die Q1-2026-Zahlen überraschten positiv, der Wachstumsausblick für das zweite Quartal fiel jedoch gedämpfter aus. Shopify prognostizierte ein Umsatzwachstum im „hohen Zwanzigerbereich“ — nach 34 % im ersten Quartal. Die Nettomarge sank zudem deutlich von 22,7 % auf 10,7 % im Jahresvergleich.
Bei 100,60 € notiert die Aktie rund 35 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 73 signalisiert allerdings, dass die jüngste Erholung vom Mai-Tief bereits recht weit gelaufen ist. Analysten sehen die Bewertung als ambitioniert an, solange sich das Margenprofil nicht stabilisiert.
DoorDash: Investitionszyklus drückt auf die Stimmung
DoorDash verlor 5,5 % und handelt nun knapp 40 % unter dem Oktober-Hoch. Der Ausverkauf hat System: Seit das Management im November 2025 ankündigte, „mehrere hundert Millionen Dollar mehr“ in einen globalen Tech-Stack, autonome Lieferung und Händler-Software zu investieren, steht die Aktie unter Dauerdruck.
Das Umsatzwachstum von 33 % im ersten Quartal 2026 beeindruckt, kann die Bedenken hinsichtlich der Rentabilität aber nicht zerstreuen. Mehrere Baustellen belasten gleichzeitig:
- Die Deliveroo-Integration verschlingt erhebliche Mittel
- US-Lebensmittel- und Einzelhandels-Einheitsökonomien werden voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte positiv
- Dasher-Kraftstoffzuschüsse kosten über 50 Millionen US-Dollar pro Quartal
- Ein Rechtsstreit mit Pizza Hut sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Mit einem RSI von 24,3 ist DoorDash technisch stark überverkauft. Das Unternehmen baut unter der Oberfläche eine Infrastruktur auf, die nur wenige Konkurrenten replizieren können — der Markt verlangt dafür aber Geduld, die viele Investoren aktuell nicht aufbringen.
NASDAQ-100: Halbleiter dominieren, Software atmet durch
Die Computex-Woche ist noch nicht vorbei. Broadcoms Quartalszahlen stehen in den kommenden Tagen an und werden zeigen, ob die KI-Euphorie auch jenseits von Nvidia und Marvell fundamental unterfüttert ist. Dazu kommen die Mai-Arbeitsmarktdaten, die den geldpolitischen Ausblick beeinflussen werden.
Die prägende Divergenz dieses Sommers zeichnet sich klar ab: KI-Hardware-Gewinner auf der einen Seite, Software-Bewertungsdruck und Plattform-Investitionssorgen auf der anderen. Für Thomson Reuters und DoorDash sind die Herausforderungen struktureller Natur — kurzfristige Erholungen ändern daran wenig. Bei Shopify hingegen spricht vieles für eine temporäre Verschnaufpause. Und der Halbleitersektor? Der folgt seinem eigenen Gravitationsgesetz — nach oben.
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